Low-Code-Technologien ermöglichen es auch Mitarbeitern ohne IT-Hintergrund, per Drag-and-Drop eigene Anwendungen, Widgets und automatisierten Roboter zu erstellen. Um den passenden Low-Code-Ansatz zu finden, sollten Unternehmen vier Kriterien berücksichtigen.
Wer seine Fachangestellten in die Lage versetzen möchte, eigene Apps zu entwerfen, sollte zunächst die passende Lösung ausfindig machen.
Wenn es um Softwareentwicklung und Prozessautomatisierung in Unternehmen geht, sind ausgebildete Programmierer und IT-Experten schon längst nicht mehr die alleinigen Akteure. Laut einer Schätzung von Gartner belief sich das weltweite Marktvolumen für Low-Code-Entwicklungstechnologien 2021 auf 13,8 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Steigerung von 22,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Wachstum wird in den kommenden Jahren nicht abreißen. Zum einen steigt der Softwarebedarf von Unternehmen weiter – ebenso wie der Druck, Lösungen und Prozesse immer schneller zu implementieren und anzupassen. Zum anderen ist ein Ende des IT-Fachkräftemangels nicht in Sicht.
Es führt also kaum ein Weg daran vorbei, fachfremde Mitarbeiter in die Softwareentwicklung einzubeziehen. Als Citizen Developer wirken sie maßgeblich daran mit, Unternehmens-Apps zu gestalten, Workflows zu automatisieren und technische Lösungen für Geschäftsprobleme zu entwerfen. Bis 2025 wird bereits die Hälfte aller neuen Low-Code-Käufer aus Bereichen außerhalb der IT-Abteilung kommen, so die eben erwähnte Gartner-Prognose.
Im Durchschnitt gilt schon heute für 41 Prozent der Nicht-IT-Mitarbeiter, dass sie technische Lösungen entwickeln oder anpassen. Welchen Low-Code-Ansatz Unternehmen jedoch verfolgen sollten, dafür gibt es kein Patentrezept. Die folgenden Kriterien helfen dabei, eine Strategie zu definieren.
Kriterium 1: Kontext
Einer der wichtigsten Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt, sind die unternehmensspezifischen Voraussetzungen. Ratsam ist, einen genauen Blick nach innen zu werfen und gezielte Fragen zu stellen:
Wie sieht die bestehende IT-Infrastruktur aus?
Wo befindet sich das Unternehmen auf seinem Weg der digitalen Transformation?
Für welche Einsatzzwecke wird die Low-Code-Plattform benötigt, das heißt: Welche Arten von Applikationen sind zu entwickeln? Welche Geschäftsabläufe sollen automatisiert und beschleunigt werden?
Welche Abteilungen und Personen werden das Tool nutzen?
Welches Know-how bringen insbesondere die Citizen Developer mit?
Kriterium 2: Komplexitätsgrad
Eine Low-Code-Plattform muss den heterogenen Anforderungen von sowohl IT- als auch Geschäftsanwendern gerecht werden. Ist die Lösung zu komplex, kann sie letztere demotivieren. Ist sie zu einfach, sind IT-Teams nicht in der Lage, anspruchsvollere Aufgaben und Workflows zu bearbeiten.
Das volle Potenzial von Low Code können Unternehmen nur dann ausschöpfen, wenn die Plattform eine Balance zwischen leichter Bedienbarkeit und ausreichender Funktionalität herstellt. Beispielsweise ist eine Drag-and-Drop-Oberfläche empfehlenswert, damit Citizen Developer Apps und Prozesse möglichst intuitiv erstellen können.
Wichtig ist, dass beide Nutzergruppen – Geschäfts- und IT-Anwender – das Tool gerne und produktiv nutzen. So gelingt es, Low Code auf die unternehmenskritischen Bereiche auszuweiten und diese auf die Ebene der Workflow-Automatisierung zu heben.
Kriterium 3: Skalierbarkeit
Automatisierungsinitiativen beschränken sich häufig auf eine bestimmte Abteilung, eine Geschäftsfunktion oder einen Standort. Solch eine isolierte Herangehensweise verhindert allerdings eine Skalierung und mindert so die Rentabilität der Low-Code-Lösung.
Um abteilungs- und standortübergreifend Prozesse zu automatisieren, braucht es vielmehr einen integrierten Ansatz. Darin sind sich Unternehmen laut einer aktuellen Studie von Forrester Consulting im Auftrag von Kofax einig. 99 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass eine Strategie mit nur einem Anbieter dazu beiträgt, intelligente Automatisierung über Silogrenzen hinweg zu implementieren.
Kriterium 4: Integrationsfähigkeit
Hierzu muss sich die Low-Code-Technologie außerdem möglichst nahtlos in die IT-Architektur des Unternehmens einfügen. Die Plattform sollte sich durch offene Schnittstellen an die Bestands-IT anbinden lassen und Prozesse über verschiedenste Systeme hinweg integrieren können.
Die Unterstützung mobiler Geräte und der Einsatz wiederverwendbarer Komponenten sind ebenfalls wertvolle Merkmale. Es sollte zum Beispiel möglich sein, dass die IT-Abteilung den Citizen Developers benutzerdefinierte Entwicklungsbausteine bereitstellt. Nicht zuletzt ist es wichtig, dass die Dienste einer Low-Code-Lösung flexibel in der Cloud und auch on-premises zur Verfügung stehen.
Fazit
Dan Johnson
(Bild: Kofax)
Richtig eingesetzt, bieten Low-Code-Plattformen ein enormes Potenzial, die Digitalisierung und Automatisierung effizienter voranzutreiben – in allen Bereichen einer Organisation. Geschäftsanwender bringen dabei ihr Wissen über unternehmensspezifische Abläufe direkt ein und helfen so, digitale Workflows und andere komplexe Prozesse schneller zu entwerfen, zu automatisieren und zu transformieren. Damit entlasten Citizen Developer die IT-Abteilung, was dieser erlaubt, sich auf Themen wie IT-Governance und anspruchsvollere Programmieraufgaben zu konzentrieren.
Stand: 08.12.2025
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* Dan Johnson ist Director Product Marketing, Intelligent Automation bei Kofax. Als solcher ist er zuständig für die weltweite Produktpositionierung, das Sales- und Partner-Enablement sowie die Go-to-Market-Strategie für Kofax’ Intelligente Automatisierungspattform. Damit begleitet Dan Johnson den gesamten Prozess der Transformation datenintensiver Geschäftsaktivitäten. Vor seiner Tätigkeit für Kofax hatte Dan Johnson ähnliche Positionen bei Alcatel-Lucent, Nitel, Nokia und Revenera inne. Sein Betriebswirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Marketing an der Keller Graduate School of Management of DeVry University schloss er mit einem Master of Business Administration, Marketing ab. Zudem hat er einen weiteren Abschluss als Bachelor of Science, Marketing and Economics von der Elmhurst University.