Cloud bedeutet Freiheit, so das Versprechen der Hersteller. Thomas Huth, CEO von Capefoxx, räumt mit den leeren Versprechen auf: Er sagt, dass Kunden in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten, aus dem sie sich schwer befreien können.
Die Debatte um Datensouveränität und Technologieabhängigkeit steht bei vielen Unternehmen im Raum: Doch woran hakt es genau?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Cloud-Speicherlösungen sind im Trend: Sie sind flexibel, anpassbar, von überall anwendbar. Immer mehr Unternehmen bevorzugen die skalierbare Speichermethode. Denn die Cloud wird als eine Speicherung beworben, die den Unternehmen Freiheit verspricht. Thomas Huth, der Gründer von Capefoxx, räumt mit dem Gedanken auf, dass die Cloud die Speichermethode der Zukunft ist.
Die Cloud neige zu einem erhöhten Ausfallrisiko, so Huth. Als Beispiel erwähnte er den Vorfall im Juli 2024. Ein fehlerhaftes Software-Update führte zu heftigen Folgen – Flugpassagiere konnten ihre Flüge nicht antreten. Ärzte konnten Patienten nicht operieren. Sogar Geldautomaten streikten. „Man sieht, dass ein Teil der Versprechen der Hersteller nur ein Versprechen ist, und dass es greifbare Vorfälle gibt, die zeigen, dass nicht alles sicher und unter Kontrolle ist“, kommentierte Huth das Ereignis.
Die US-Wahlen und der Ukraine-Krieg verstärken die Bedeutung der Datenspeicherung
Doch nicht nur technische Vorfälle führen dazu, dass On-Premises-Lösungen an Bedeutung gewinnen. Der CEO erläuterte, dass sicherheitsrelevante Unternehmen zu einem „Höchstmaß an Sicherheit und Geheimhaltung verpflichtet sind und daher nicht um On-Prem-Lösungen herumkommen.“ Als Beispiel nannte er den Bereich Rüstung und Verteidigung. Unter anderem ein Flugzeughersteller „kauft und nutzt gebrauchte Lizenzen, auch ältere Versionen“, und zwar da sie „oftmals per Gesetz verpflichtet sind“ auf sichere Speichermethoden zu setzen.
Huth betonte, dass „aufgrund des Ukraine-Krieges und der US-Wahlen in Europa ein Riesenbedarf an On-Premises-Lösungen entsteht.“ Darüber hinaus sind auch weitere systemrelevante Unternehmen auf On-Premises-Lösungen angewiesen: darunter Banken, Forschung, Krankenhäuser und öffentliche Institutionen.
Die falschen Versprechen der Cloud-Anbieter
Huth erläuterte, dass Cloud-Speicher vor allem für kleinere Unternehmen attraktiv seien. Junge Start-Ups verfügen teilweise nicht über den Platz, Server in ihren Büros aufzustellen. Er kritisierte jedoch, dass die Cloud als Subscription-Modell damit wirbt, dass sie flexibel sei. Doch dabei werde die Bepreisung der Lizenzen außer Acht gelassen: Er schilderte, dass Kunden, die eine Microsoft-Lizenz erwerben deutlich weniger bei einer jährlichen als einer monatlichen Zahlung ausgeben. Doch bei einer näheren Betrachtung werde klar, dass die Anbieter nicht günstiger seien als On-Premises-Speicher. Denn durch das Subscription-Modell müssten die Kunden dauerhaft weiterzahlen und im Endeffekt kämen sie dabei keineswegs günstiger weg.
Bei On-Premises-Speichern seien zwar die Anschaffungskosten höher, doch dies sei eine einmalig hohe Investition. Der Vorteil bestehe vor allem darin, dass durch die Isolation der On-Premises-Speicher die Daten besser kontrolliert werden könnten. Der CEO betonte auch, dass „die On-Prem-Hardware ohne Weiteres skaliert werden kann. Durch Virtualisierung kann die Hardware eine gewisse Skalierung erreichen.“ Kritisch sah Huth das Abhängigkeitsverhältnis, das bei der Cloud-Subscription entstehe.
Am Ende ist das Interesse der Hersteller, die Kunden voll in der Umklammerung zu haben und den Kunden nicht zu ermöglichen, dass sie sich bedarfsgerecht effizient lizenzieren, sondern dass sie sich so lizenzieren, dass so viel Geld wie möglich beim Hersteller bleibt.
Thomas Huth
Zusammengefasst sind die Grundprobleme der Cloud: der Preis, die Werbung und die falschen Versprechen. Dass die Anbieter von Cloud-Speicherlösungen immer mehr Gewinn erwirtschaften, belegt auch die Gartner-Statistik aus dem Frühjahr dieses Jahres. Die Statistik prognostiziert darüber hinaus, dass die Gewinne weiterhin zunehmen werden. An dieser Stelle setzten Thomas Huth und sein Geschäftspartner vor 21 Jahren an: „Wir haben gesagt: Das kann doch nicht sein, dass der Hersteller sagt, ihr dürft alle meine Lizenzen kaufen, aber weiterverkaufen dürft ihr sie nicht.“
Aus alt mach neu
Der CEO rechnete auf, dass die größten vier der sieben Software-Hersteller weltweit – Microsoft, IBM, Oracle und VMware – eine Marktkapitalisierung von 4 Billionen US-Dollar haben würden. Er kritisierte scharf das System der Giganten: Sie hätten erreicht, dass es so kompliziert sei, die Lizenzen zu verstehen, dass die Kunden denken, dass sie beim Kauf von Software-Lizenzen ausschließlich das Nutzungsrecht hätten. Er erläuterte, dass die Hersteller die Kunden in ein so starkes Abhängigkeitsverhältnis gebracht haben, dass sie auch für Schulungen und sonstige Extras der Anbieter zahlen.
Stand: 08.12.2025
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Daher erstritten er und seine Mitstreiter vor dem EuGH, dass die Lizenzen weiterverkauft werden dürfen. „In was für einer Welt würden wir leben, wenn das jeder so machen würde? Also wenn jeder Autohersteller sagen würde: Den BMW, den Mercedes und den Audi darfst du kaufen, aber nicht weiterverkaufen.“ Er sagte, dass der Gedanke, ein erworbenes Produkt nicht weiterverkaufen zu dürfen, absurd sei. Daher lag sein Bestreben darin, dies auch für Software-Lizenzen zu ermöglichen – mit Erfolg.
Doch die Sorge potentieller Kunden kreist auch um das Thema Updates. Anhand des Beispiels Microsoft erläuterte er, dass der Hersteller „droht“ keine Updates mehr zu bieten. „Da kriegt jeder Anwender, der nicht voll in der Materie steckt, kalte Füße und denkt, wenn es keine Updates mehr gibt, dann bricht alles zusammen und nichts funktioniert mehr.“ Doch das sei nicht so, erläuterte Huth anhand des Beispiels eines französischen Handelsunternehmens. Das Unternehme habe bis dato „22.000 Office 2010 im Einsatz. Natürlich gibt es da längst keine Updates mehr.“
Thomas Huth ist Gründer und Geschäftsführer von Capefoxx, einem rechtssicheren Anbieter für gebrauchte Softwarelösungen und Lizenzmanagement. Mit über 20 Jahren Erfahrung in dieser Branche verfügt er über eine umfassende Expertise. Huth hatte eine maßgebliche Rolle in wegweisenden Gerichtsverfahren gegen Unternehmen wie Adobe und Oracle, welches zu einem rechtsweisenden Urteil des EuGH führte und den Handel mit gebrauchten Lizenzen ermöglichte.
Bildquelle: Capefoxx
Meistens steckten hinter den Updates ohnehin Sicherheits-Updates, sagte der CEO. Daher sieht er die Lösung darin, dass „Unternehmen ihr eigenes On-Premises-Datacenter betreiben.“ Denn so kann sich das Unternehmen von der Außenwelt abschotten und es bestehe kein „Risiko, dass von außen was eindringt. Dann ist das, was innerhalb dieses Netzwerks läuft, zum Beispiel Office, überhaupt keiner externen Gefährdung ausgesetzt“, führte er fort.
Auch die On-Premises-Lösung ist nicht „wasserdicht“
Huth stellte trotz aller Begeisterung für On-Premises Lösungen klar, dass es keine „wasserdichte Speicherlösung“ gibt. Bei der On-Premises-Speicherlösung „spielt im Zweifelsfall dann das menschliche Risiko eine Rolle.“ Das Unternehmen müsse aus seiner Perspektive selbstkritisch reflektieren, inwieweit es den Risikofaktor Mensch im Griff habe. „Wenn ich glaube, das habe ich gut im Griff, dann kann man mit einer On-Premises-Lösung ein Höchstmaß an Sicherheit herstellen.“
Falls dies nicht der Fall sei, rät der Experte zu einer Cloud-Lösung. Doch bei der Cloud-Lösung spiele auch die Angst vor einem Kontrollverlust im Raum, so Huth. „Lange Zeit waren die Daten eben rund um die Welt oder sie waren in den USA. Mittlerweile bieten die Betreiber an, dass die Kunden wählen können, in welchem Rechenzentrum die Daten liegen.“ Denn Huth betonte auch, dass unter den Daten auch oft sensible Informationen, wie Kundendaten zu finden sind.
Demnach spielt die Datensouveränität eine große Rolle bei der Wahl der Speicherlösung. Gesetze, wie der Patriot Act, erlauben dem US-Geheimdienst durch die Hintertür auch die Einsicht in Daten von EU-Bürgern. Das Unternehmen Capefoxx von Thomas Huth befindet sich in Baar, in der Schweiz. „Der Wunsch nach Souveränität der Bürger, der ist in der Schweiz stärker ausgeprägt. Die Schweiz lässt sich nicht gerne reinreden oder lässt sich nicht gerne bevormunden und deswegen ist der Wunsch, dass es dann Datacenter in der Schweiz gibt, entsprechend groß.“ Dieser Wunsch scheint auch in Deutschland immer weiter voranzuschreiten.