2,036 Milliarden US-Dollar Schadensersatz für Appian Urteil: Pegasystems soll Rivalen ausspioniert haben

Sieben Wochen dauerte der Prozess, den Appian gegen Pegasystems am Circuit Court für Fairfax County, Virginia, führte. Die Anklage lautete: Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen und Diebstahl geistigen Eigentums. Jetzt fiel das Urteil des Geschworenengerichts.

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Das Strafgericht in Virginia sieht es für bewiesen an, dass Pegasystems seinen Konkurrenten Appian ausspioniert hat.
Das Strafgericht in Virginia sieht es für bewiesen an, dass Pegasystems seinen Konkurrenten Appian ausspioniert hat.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Appian hatte am 29. Mai 2020 Klage beim Staatsgerichtshof von Virginia gegen den Mitbewerber Pegasystems erhoben und diesen beschuldigt, einen staatlichen Auftragnehmer bei Appian eingeschleust zu haben. Der im Rahmen eines Regierungsvertrags als Entwickler für die Appian-Software tätige „Spion“, soll Pegasystems damit Einblicke in das Konkurrenzunternehmen und dessen Betriebsgeheimnisse verschafft haben.

Ein filmreifer Plot

Appian legte dem Gericht Beweise dafür vor, dass besagter Auftragnehmer Geschäftsgeheimnisse an Pegasystems weitergegeben habe. Die Informationen sollten dazu genutzt werden, wettbewerbsfährigere Funktionen zu entwickeln und das Verkaufsteam besser zu schulen. Während des Verfahrens räumte Alan Trefler, Gründer und Geschäftsführer von Pegasystems, ein, es sei „unangemessen“ gewesen, dass Mitarbeiter von Pegasystems besagten Auftragnehmer eingestellt hätten und dass dieser „offensichtlich Dinge tat, zu denen er nicht berechtigt war“.

Besagter Auftragnehmer, den Pegasystems intern als „Spion“ bezeichnete, soll im Laufe der Operation „Project Crush“ dabei geholfen haben, Dutzende von Videoaufzeichnungen der Appian-Entwicklungsumgebung zu erstellen, die Pegasystems dann für die Zusammenstellung von Wettbewerbsmaterial und die Bewertung von Verbesserungen seiner Plattform verwendet haben soll. Appian lieferte dem Gericht außerdem Beweise dafür, dass Trefler selbst an einem Treffen mit dem Auftragnehmer teilgenommen und Geschäftsgeheimnisse von Appian übermittelt bekam.

Appian machte außerdem geltend, dass das Produktentwicklungsteam von Pegasystems die vom Auftragnehmer zur Verfügung gestellten Materialien geprüft und daraufhin die eigene Produktentwicklung angepasst habe, um die Vorteile der Appian-Technologie für sich zu nutzen. Laut vorgelegter Dokumente und Zeugenaussagen habe Pegasystems die vom Auftragnehmer erlangten Geschäftsgeheimnisse genutzt, um Verbesserungen u. a. in Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit sowie die sozialen und mobilen Funktionen der Pegasystems-Plattform vorzunehmen.

Vorgaukelung falscher Identitäten

Die Industriespionage sei so weit gegangen, dass sich Pegasystems-Mitarbeiter falsche Identitäten zulegten und auf diese Weise Zugang zu Appian-Informationen und Testversionen der Software erlangten. Trefler selbst gab vor Gericht zu, unter dem Aliasnamen „Albert Skii“ aufgetreten zu sein, um an Informationen über den Rivalen zu gelangen.

Andere Pegasystems-Mitarbeiter erhielten über indische Partner des Unternehmens Zugang zur Appian-Software, wobei sie Zugangsdaten verwendeten, die diesen Partnern unter Lizenz zur Verfügung gestellt wurden. Trefler sagte vor Gericht, es sei nicht angemessen gewesen, „dass Leute über Aliasnamen auf die Systeme anderer Unternehmen zugreifen“. Jene Mitarbeiter, die sich Zugang zur Appian-Versuchssoftware verschafft hätten, „hätten das nicht tun sollen“.

Geschworene sehen Schuld bewiesen

Wegen Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen und wegen Verstoßes gegen den Virginia Computer Crimes Act verurteilte das Geschworenengericht am Circuit Court für Fairfox County, Virginia, Pegasystems zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 2,036 Milliarden US-Dollar – laut Appian die höchste in der Geschichte des Bundesstaates Virginia. Pegasystems, so die Geschworenen, habe, um an das geistige Eigentum des Konkurrenten zu gelangen „vorsätzlich und böswillig“ gehandelt. Diese Feststellung könnte Appian zusätzlich berechtigen, die Erstattung der Anwaltsgebühren einzufordern.

Gegen das Urteil der Geschworenen und die Entscheidung des Gerichts wird Pegasystems auf jeden Fall Berufung einlegen, wie das Unternehmen bereits bekannt gab. Pega sei „mit den Behauptungen und dem kürzlich eingegangenen Urteil nicht einverstanden“, das nicht durch den Sachverhalt oder das Gesetz gestützt werde und auf einem erheblichen Fehler beruhe. „Wir haben gute Argumente, um dieses Ergebnis zu revidieren, und wir verfolgen aktiv alle rechtlichen Möglichkeiten. Wir weisen darauf hin, dass sich das Berufungsverfahren über Jahre hinziehen kann und erst nach Abschluss dieses Verfahrens ein Urteil gefällt wird.“

Pegasystems ist daher auch nicht verpflichtet, Appian den von den Geschworenen zugesprochenen Betrag zu zahlen, bis alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind und das Urteil rechtskräftig ist.

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