Vertrautheit mit der Business Suite ist ausbaufähig Umfrage: Hybride Cloud-Modelle prägen SAP-Landschaften

Von Bernhard Lück 3 min Lesedauer

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Eine Befragung von SAP-Anwendergruppen zeigt: Die meisten Unternehmen nutzen Cloud-Lösungen, jedoch überwiegend in hybriden Szenarien. Gleichzeitig gibt es bei SAP-Angeboten wie der neuen Business Suite und der Business Data Cloud weiterhin große Wissenslücken.

Mit der neu gestalteten SAP Business Suite sind nach eigenen Angaben knapp zwei Drittel der Befragten zumindest teilweise vertraut.(Bild:  DSAG)
Mit der neu gestalteten SAP Business Suite sind nach eigenen Angaben knapp zwei Drittel der Befragten zumindest teilweise vertraut.
(Bild: DSAG)

Nach Angaben der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) sowie der Anwendergruppen ASUG (Nordamerika), UKISUG (Großbritannien) und JSUG (Japan) setzen mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen Cloud-Lösungen für Anwendungen, Workloads oder Datenspeicherung ein. In der DACH-Region liegt der Anteil bei 76 Prozent, in Nordamerika sogar darüber.

Trotz der zunehmenden Cloud-Nutzung dominieren hybride Systemlandschaften. Rund 78 Prozent der DSAG-Mitglieder betreiben SAP-Systeme sowohl On-Premises als auch in der Cloud. Reine Public-Cloud-Szenarien spielen dagegen bislang kaum eine Rolle (1 %). Private-Cloud-Modelle oder Kombinationen aus Private und Public Cloud bleiben ebenfalls in der Minderheit (jeweils (7 %).

Als Gründe für die Zurückhaltung gegenüber der Public Cloud nennen die Befragten u.a. die Komplexität bestehender Systemlandschaften, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Investitionssicherheit. Knapp die Hälfte (49 %) der DSAG-Mitglieder sieht laut Umfrage das Risiko einer potenziellen Abhängigkeit von einem Anbieter, weitere 27 Prozent verweisen auf fehlendes internes Cloud-Know-how.

Rise und Grow wirken nur begrenzt als Beschleuniger

Die von SAP eingeführten Cloud-Angebote „Rise with SAP“ und „Grow with SAP“ werden von einem Teil der Unternehmen als Anreiz für die Cloud-Transformation wahrgenommen, entfalten bislang jedoch nur begrenzte Wirkung. Lediglich zehn Prozent der DSAG-Mitglieder gehen davon aus, dass diese Programme den Wechsel in die Cloud grundsätzlich beschleunigen. 15 Prozent planen nach eigenen Angaben aufgrund der Angebote einen schnelleren Umstieg.

Ein wesentlicher Hemmfaktor bleibt der hohe Individualisierungsgrad vieler bestehender S/4HANA-On-Premises-Systeme. Nach Einschätzung der DSAG muss SAP hier attraktive Wege zu einer modularen Clean-Core-Landschaft aufzeigen.

S/4HANA: On-Premises weiter stark vertreten

S/4HANA wird in der DACH-Region weiterhin überwiegend On-Premises betrieben. Mehr als die Hälfte (55 %) der DSAG-Mitglieder nutzt diese Form, und auch bei geplanten Projekten liegt On-Premises noch vorn (31 %). Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine wachsende Dynamik bei der Private Cloud Edition: Hier sind deutlich mehr Implementierungen geplant (35 %) als bereits produktiv im Einsatz (18 %).

Der Einsatz von S/4HANA in der Public Cloud bleibt mit vier Prozent marginal. Sicherheits- und Datenschutzbedenken spielen dabei eine zentrale Rolle. 45 Prozent der DSAG-Mitglieder äußern Vorbehalte gegen den Betrieb zentraler SAP-Workloads in der Public Cloud, insbesondere im Hinblick auf mögliche Zugriffe z.B. auf Daten, die bei US-amerikanischen Hyperscalern lagern.

Informationsdefizite bei Business Suite und Business Data Cloud

Mit der neu gestalteten SAP Business Suite sind nach eigenen Angaben knapp zwei Drittel der Befragten zumindest teilweise vertraut. Gleichzeitig beklagen fast die Hälfte der DSAG-Mitglieder fehlende Informationen zu langfristigen Roadmaps und Support-Zeitachsen. Noch größer ist der Informationsbedarf bei Lizenz- und Preismodellen: 70 Prozent bemängeln hier Wissenslücken.

Ähnlich fällt das Bild bei der Business Data Cloud aus. Nur 15 Prozent der Befragten geben an, mit dem Angebot vertraut zu sein. Unklarheiten bestehen insbesondere hinsichtlich Integrationsfähigkeit, Unterschieden zu früheren SAP-Datenlösungen sowie Lizenz- und Preismodellen. Die DSAG fordert in diesem Zusammenhang mehr Transparenz und eine offene Ausgestaltung, die sowohl Cloud- als auch On-Premises-Kunden einbezieht.

Wunsch nach mehr Wahlfreiheit

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist der Wunsch nach flexibleren Bereitstellungsmodellen. 43 Prozent der DSAG-Mitglieder sprechen sich für mehr Wahlfreiheit zwischen On-Premises-, Private-Cloud- und Public-Cloud-Betrieb aus. Verbunden ist diese Forderung mit der Erwartung transparenter, skalierbarer Lizenz- und Kostenmodelle sowie klarer Migrationspfade.

Fazit

Die SAP-Cloud-Lösungen sind weiter auf dem Vormarsch. Auch das seit einiger Zeit prognostizierte Nebeneinander von On-Premises- und Cloud-Lösungen hat die Umfrage bestätigt: Viele Unternehmen setzen auf hybride Szenarien oder planen dies – und das wird auch bis auf Weiteres so bleiben. Dennoch ist hervorzuheben, dass bei der S/4HANA-Private-Cloud-Edition aktuell doppelt so viele Projekte geplant werden, wie bereits umgesetzt wurden. Der Weg ist also vorgezeichnet. Inwieweit das auch für die neue Business Suite und die Business Data Cloud gilt, ist abzuwarten. Hier braucht es noch mehr Know-how-Aufbau und verlässliche Informationen zu Roadmaps und Support.

Methodik
Die Online-Umfrage wurde im Juli und August 2025 unter SAP-Anwendern in DACH, den USA, Großbritannien, Japan und Australien durchgeführt. Aus der DACH-Region nahmen 274 Personen teil.

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