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Kultur und Sprache: Oft sind Nuancen entscheidend
Wenn intensiv miteinander kommuniziert wird, spielen schließlich auch Kultur und Sprache eine große Rolle. So sollte eine gemeinsame Sprache von allen Projektbeteiligten sicher beherrscht werden – inklusive Zwischentönen und Nuancen. Dies erfordert nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Kompetenz und Verständnis für das Gegenüber.
Typische Beispiele sind die Diplomatie der US-Amerikaner, die von Europäern leicht als fehlende Kritikfähigkeit interpretiert werden kann; die Direktheit der Russen, die von Amerikanern als unhöflich empfunden wird oder die bekannte Furcht der Asiaten, ihr Gesicht zu verlieren.
„Gerade wenn keine gemeinsame Muttersprache gesprochen wird und die Kulturkreise weit voneinander entfernt liegen, kommt es häufig zu Missverständnissen oder Interpretationsschwierigkeiten. Manchmal muss man aber gar nicht so weit reisen: Beispielsweise ist das in der Schweiz häufig benutze Wort ‚Pendenz‘ für offene Aufgaben, in Deutschland gar nicht bekannt“, fasst Tim Hellinga zusammen.
Der Projektleiter ist daher auch skeptisch gegenüber Scrum-Projekten im Offshore-Modell: „Hier addieren sich mehrere erschwerende Faktoren zusammen: Die Projektmitarbeiter sprechen in der Regel nicht die gleiche Muttersprache, arbeiten in großen Entfernungen zueinander und vermutlich auch in unterschiedlichen Zeitzonen. Schnelle Absprachen und die Organisation regelmäßiger Meetings kann da zur Herausforderung werden.“
Fazit: Projekterfolg kommt auch mit Scrum nicht von Zauberhand
Agile Vorgehensweisen wie Scrum sind keineswegs ein Allheilmittel für überzogene Budgets und gescheiterte Projekte. Neue Freiheiten und Möglichkeiten gehen Hand in Hand mit neuen Herausforderungen und Stolpersteinen. Der Projekterfolg wird von den beteiligten Menschen bestimmt, die täglich aufs Neue sich und ihr Handeln hinterfragen, die Features nicht nur umsetzen, sondern Probleme lösen wollen, die entscheidungsfreudig sind, die Kommunikation und Verantwortung mögen und die vorhandene Hierarchien über Bord werfen können. Aber auch Rahmenbedingungen wie kulturelle, soziale und räumliche Nähe spielen eine Rolle.
Hier muss eine große Bereitschaft auf Hersteller- und Kundenseite vorhanden sein, sich auf Scrum einzulassen. Dass dies durchaus einen Lernprozess erfordert, weiß Scrum-Master Tim Hellinga nur zu genau: „Scrum ist nicht irgendeine Methode, die man erlernen kann, es ist eine Kultur, die das Team leben muss. Als Coach in Scrum-Projekten sehe ich immer wieder, wie schwer sich Menschen mit dem Überbordwerfen eingefahrener, eigentlich künstlicher sozialer Mechanismen wie Hierarchien tun. Wenn die Menschen aber Scrum verstanden haben und leben, kann das agile Verfahren zu einer besseren Qualität des Endproduktes bei gleichzeitig niedrigeren Kosten sowie zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit führen.“
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