Vom Potenzial zur Praxis KI im Mittelstand: Zeit für einen Perspektivenwechsel

Ein Gastbeitrag von Robert Rosellen* 4 min Lesedauer

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Nicht die Unternehmensgröße entscheidet über den Erfolg von künstlicher Intelligenz, sondern die Kultur – und genau hier hat der Mittelstand seine Stärke: kurze Wege, pragmatische Lösungen und die Fähigkeit, Veränderung schnell umzusetzen.

KI sollte als praktisches Werkzeug betrachtet werden, das Prozesse vereinfacht. Der Mittelstand kann von ihr profitieren, indem er pragmatisch anfängt, Erfahrungen teilt und Stärken nutzt.(Bild: ©  Zamrznuti tonovi - stock.adobe.com)
KI sollte als praktisches Werkzeug betrachtet werden, das Prozesse vereinfacht. Der Mittelstand kann von ihr profitieren, indem er pragmatisch anfängt, Erfahrungen teilt und Stärken nutzt.
(Bild: © Zamrznuti tonovi - stock.adobe.com)

In der öffentlichen Debatte über Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) wird der Mittelstand oft mit Defiziten beschrieben: fehlende Strategien, überlastete IT oder begrenzte Kapazitäten. Doch diese Sicht greift zu kurz. Mittelständische Unternehmen treffen Entscheidungen anders – pragmatisch, gemeinschaftlich und mit klarem Fokus auf den tatsächlichen Nutzen im Alltag.

Gerade weil viele Betriebe keine eigenen großen KI-Modelle entwickeln, können sie sich auf das konzentrieren, was zählt: bestehende Lösungen klug einsetzen und schnell integrieren. Der Vorteil liegt im Tempo – Ideen lassen sich ohne lange Abstimmung umsetzen und direkt in der Praxis erproben. Mit der richtigen Plattform und einer Kultur, die Veränderung als Chance versteht, kann KI hier besonders schnell vom Pilotprojekt zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags werden.

Strukturen, die Innovation ermöglichen

„Rückgrat“, „Motor“ oder „Herz der deutschen Wirtschaft“ – diese Begriffe hört man oft, wenn vom Mittelstand die Rede ist. Zu ergänzen wäre: Hidden Champions. Viele mittelständische Betriebe sind Spezialisten, fokussiert auf ihre Domäne, mit tiefem Prozessverständnis und technischer Exzellenz. Genau diese Spezialisierung schafft ideale Voraussetzungen für den Einsatz von KI: Abläufe sind klar definiert, Ergebnisse messbar – und der Nutzen wird dadurch unmittelbar sichtbar, etwa durch weniger Routinearbeit, schnellere Abläufe und besseren Service.

Entscheidungen fallen im Mittelstand schneller und gemeinschaftlicher, häufig im direkten Austausch zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und Belegschaft. Diese Nähe fördert Akzeptanz und sorgt dafür, dass neue Technologien dort eingeführt werden, wo sie den größten Hebel haben. So entstehen passgenaue Lösungen, die den Arbeitsalltag spürbar erleichtern und schnell Wirkung zeigen.

Diese kulturelle Stärke ist ein echter Wettbewerbsvorteil. Gerade jetzt kann, wer Chancen erkennt und pragmatisch handelt, mit KI in der digitalen Transformation nicht nur aufholen, sondern ganze Schritte überspringen – von der Digitalisierung direkt zur Automatisierung.

Die Grundlage dafür bieten integrierte Plattformen wie die ServiceNow KI-Plattform, die Prozesse End-to-End verbindet, das im Mittelstand gewachsene Erfahrungswissen mit Daten zusammenführt und KI im Unternehmensalltag unmittelbar nutzbar macht.

Wo KI im Mittelstand konkret Mehrwert schafft

Nach dem Prinzip „klein starten, groß denken“ kann KI im Mittelstand besonders schnell Wirkung zeigen – überall dort, wo Routine, Wiederholung und Schnittstellen dominieren. Dabei stechen drei Bereiche hervor:

  • Service Operations Management: IT ist das Rückgrat jedes Unternehmens – und gerade im Mittelstand personell oft knapp besetzt. KI kann hier Prozesse automatisieren, Störungen früh erkennen und Services stabil halten. So bleibt mehr Zeit für strategische Aufgaben, während der Betrieb verlässlicher läuft.
  • Customer Service Management: Kunden- und Mitarbeiteranfragen lassen sich durch Self-Service-Portale und KI-gestützte Assistenten schneller und gezielter beantworten. Das entlastet Teams, steigert Zufriedenheit und schafft Spielraum für persönlichen Service.
  • Enterprise Service Management: Viele mittelständische Betriebe arbeiten noch mit gewachsenen Systemlandschaften. Eine zentrale Plattform, die alle Abteilungen verbindet, schafft hier Transparenz und Effizienz. KI hilft, Prozesse End-to-End zu denken und Silos aufzubrechen – von HR über IT bis zur Verwaltung.

Der Vorteil für den Mittelstand: Man muss nicht mit dem großen Wurf beginnen. Ein digitaler Onboarding-Prozess oder ein intelligenter Self-Service genügen oft, um sofort spürbaren Nutzen zu schaffen.

Langfristig wirksam wird dieser Mehrwert nur, wenn klare Leitplanken vorhanden sind: Unternehmen sollten jederzeit wissen, wo KI im Einsatz ist, mit welchen Daten sie arbeitet und welche Entscheidungen sie beeinflusst. Transparenz und Governance sorgen dabei nicht nur für die Einhaltung von Compliance-Regeln, sondern bilden auch die Grundlage für Vertrauen und breite Akzeptanz im Unternehmen.

Stolpersteine auf dem Weg zur gelebten Digitalisierung

Der Einstieg in die Arbeit mit KI gelingt meist über kleine Pilotprojekte und das ist richtig so. Doch viele Unternehmen bleiben genau dort stehen: Was als Testlauf beginnt, schafft oft nicht den Sprung in den Alltag. Der Weg von der Idee zur echten Wirkung ist selten linear und gerade deshalb lohnt sich der Blick auf typische Stolpersteine – und wie man sie vermeidet.

Ein häufiger Fehler: Projekte werden gestartet, ohne dass klar ist, wann sie als erfolgreich gelten oder wie sie anschließend weitergeführt werden. Wer schon zu Beginn festlegt, ab welchem Punkt ein Projekt skaliert werden soll, sorgt für Verbindlichkeit und Tempo. Auch unstrukturierte Datenbestände bremsen viele Vorhaben. Für den Anfang reicht ein solides Fundament – einige zentrale, gut gepflegte Datenquellen, auf die KI-Lösungen zuverlässig zugreifen können.

Ein weiteres Risiko ist der Tool-Wildwuchs. Wenn jede Abteilung mit eigenen Anwendungen arbeitet, fehlt der Überblick. Einheitliche Plattformen schaffen hier Verbindung: Prozesse werden zusammengeführt, Schnittstellen harmonisiert und Informationen unternehmensweit nutzbar gemacht.

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Und schließlich entscheidet die Akzeptanz der Mitarbeitenden über Erfolg oder Scheitern. KI darf nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung verstanden werden. Wenn Beschäftigte früh eingebunden werden – etwa bei der Auswahl der Anwendungsfälle – und spürbare Verbesserungen erleben, entsteht Vertrauen und daraus nachhaltige Akzeptanz.

Digitalisierung als Kulturfrage

Entscheidend ist, KI nicht als Trendthema zu betrachten, sondern als Werkzeug, das Prozesse vereinfacht und Menschen entlastet. Denn: Sie verändert nicht, wer arbeitet, sondern wie gearbeitet wird.

Eine pragmatische Kultur ist dabei der entscheidende Erfolgsfaktor: lieber klein anfangen, ausprobieren, dazulernen – statt auf das perfekte Konzept zu warten. Wenn Unternehmen Erfahrungen sammeln, Erfolge teilen und daraus Vertrauen wächst, entsteht die kulturelle Veränderung, die digitale Transformation erst möglich macht.

Der Mittelstand muss das Rad nicht neu erfinden, um von KI zu profitieren – er muss nur das nutzen, was ihn ohnehin stark macht: Nähe, Pragmatismus und Gestaltungswille.


* Der Autor Robert Rosellen ist VP Sales and Country Manager Germany bei ServiceNow und in dieser Rolle für das Geschäftswachstum in Deutschland verantwortlich. Als erfahrene Führungskraft ist seine Kernaufgabe die Pflege von Kunden- und Partnerbeziehungen in verschiedenen Branchen.

Bildquelle: Brand Blue

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