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IT-Branche: Trend zum Outsourcing ungebrochen

Sprachprobleme behindern IT-Auslagerung ins Ausland

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Auch das Offshoring, also das Outsourcing in ferne Länder wie Indien, gewinnt an Bedeutung. 60 Prozent erwarten hier eine Zunahme in der IT-Branche. Bei Softwaretests setzen mit 22 Prozent sogar mehr Unternehmen auf Offshore als auf die Auslagerung ins benachbarte Ausland – 17 Prozent setzen auf Nearshoring. Dieser Wert liegt deutlich über dem Durchschnitt aller in der Studie aufgeführten Branchen.

Allerdings zieht sich dieser Trend zum Offshoring in der IT nicht durch alle Bereiche: Bei der Auslagerung ganzer Geschäftsbereiche und der Infrastruktur etwa setzen die Befragten gar kein Offshoring ein. In diesen Bereichen stehen andere Branchen den fernen Standorten deutlich aufgeschlossener gegenüber. So verlagern 33 Prozent der Firmen aus der Energie- und Wasserversorgung ihre Infrastruktur und elf Prozent ganze Geschäftsprozesse in die Ferne.

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Vor allem die Tatsache, dass Offshore- und teilweise auch Nearshore-Personal der Provider primär in Englisch kommuniziert, trägt dazu bei, dass mittelständisch geprägte IT-Unternehmen dem Offshoring und Nearshoring teilweise noch verhalten begegnen. So begründen 80 Prozent der Firmen ihre Zurückhaltung damit, dass ihre Geschäftssprache Deutsch sei. Zusätzlich klagen 76 Prozent über Probleme mit der deutschen Dokumentation, wenn sie Aufgaben an ausländische Partner übertragen.

Trend hält weiter an

Fest steht in jedem Fall: Der Trend zur Auslagerung wird in der IT-Branche weiter anhalten. Das sehen auch die Befragten so. 44 Prozent von ihnen erwarten, dass Auslagerungen im eigenen Unternehmen zunehmen werden. Diese Entwicklung ist nicht nur in Deutschland zu beobachten, im Gegenteil: Gerade IT-Unternehmen aus Ländern wie den USA und Großbritannien setzen auf indische Firmen als Partner. Gleichzeitig stehen in Indien gut ausgebildete Nachwuchskräfte mit zum Teil langjähriger Berufserfahrung zur Verfügung. Der Faktor Qualität ist kein Hindernis für das Offshoring.

In Deutschland hingegen haben IT-Unternehmen zunehmend Probleme, Firmen oder Mitarbeiter mit dem nötigen Know-how zu finden. Denn die Branche klagt über massiven Fachkräftemangel. Laut dem Branchenverband Bitkom sind bereits jetzt rund 45.000 Stellen bei deutschen IT-Unternehmen unbesetzt. Die deutschen IT-Firmen werden also ihre verbleibenden Bedenken gegenüber dem Outsourcing ins Ausland überwinden müssen, um weiterhin im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Dr. Stefan Schlöhmer, Steria Mummert Consulting.
Dr. Stefan Schlöhmer, Steria Mummert Consulting.
* Dr. Stefan Schlöhmer ist Outsourcing-Experte bei Steria Mummert Consulting.

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