ERP in der Public Cloud So wird SAP Cloud ERP zum iPhone-Moment für Unternehmen

Ein Gastbeitrag von Yannik Lotz* 4 min Lesedauer

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ERP-Systeme folgen seit Jahren demselben Muster: Sie werden eingeführt, über lange Zeit unverändert betrieben und in aufwändigen Zyklen mühsam aktualisiert. Dieses Modell passt jedoch immer weniger zu einer Wirtschaft, die schnelle Anpassungen verlangt. Durch die Public Cloud entsteht ein ERP, das sich laufend weiterentwickelt, ohne zusätzliche Upgrade-Projekte oder lange Stillstandszeiten.

Der „iPhone-Moment“ bezeichnet ein transformatives Ereignis oder einen technologischen Fortschritt, der bisherige Strukturen verändert und einen neuen Standard setzt.(Bild: ©  allvision - stock.adobe.com)
Der „iPhone-Moment“ bezeichnet ein transformatives Ereignis oder einen technologischen Fortschritt, der bisherige Strukturen verändert und einen neuen Standard setzt.
(Bild: © allvision - stock.adobe.com)

Dieser Wandel lässt sich gut mit dem „iPhone-Moment“ vergleichen. Vor dem iPhone blieben Mobiltelefone über Jahre nahezu unverändert. Funktionen und Software waren fest mit dem Gerät verbunden. Selbst als Updates möglich wurden, gab es Einschränkungen: Nicht jedes Gerät war dafür ausgelegt. Wer die neuen Funktionen wollte, musste früher oder später ein neues Endgerät kaufen. Die Innovation war an die Hardware gebunden.

Mit ERP in der Public Cloud ist es genau umgekehrt. Das System bleibt, aber die Software erneuert sich fortlaufend im Hintergrund. Unabhängig davon, wie lange eine Lösung bereits im Einsatz ist. Unternehmen müssen nichts austauschen, keine neue „Hardware“ anschaffen und keine komplexen Upgrade-Projekte starten, um auf aktuellem Stand zu bleiben.

Ein Paradigmenwechsel für ERP-Systeme

Die beschriebenen Veränderungen entstehen nicht zufällig. Sie beruhen auf einer klar definierten Architektur, die SAP Cloud ERP grundlegend von bisherigen ERP-Modellen unterscheidet. SAP Cloud ERP fungiert dabei wie ein Betriebssystem, das ständig verfeinert, erweitert und abgesichert wird. Unternehmen erhalten nicht mehr nur ein Softwarepaket, sondern eine Plattform, die sich in festen Intervallen weiterentwickelt, ohne dass sie selbst eingreifen müssen.

Kern dieses Modells sind kurze Innovationszyklen. Funktionen, regulatorische Anpassungen und Sicherheitsmechanismen werden in kleinen, stabilen Paketen ausgeliefert. Das reduziert Komplexität im Betrieb und stellt sicher, dass Systeme dauerhaft aktuell bleiben. Statt alle paar Jahre große Upgrade-Projekte zu planen, fließen Verbesserungen kontinuierlich ein und werden durch SAP getestet, bevor sie produktiv gehen.

Gleichzeitig folgt SAP Cloud ERP einer klaren Logik: Prozesse sind vordefiniert, Integrationen strukturiert, und Erweiterungen laufen über geprüfte Schnittstellen. Das sorgt für Stabilität und dafür, dass neue Funktionen ohne menschlichen Anpassungsaufwand genutzt werden können. Für Unternehmen bedeutet das weniger technischen Ballast und mehr Fokus auf Inhalte und Prozesse statt Infrastruktur.

Halbierte Projektlaufzeiten und verbesserte Prozessqualität

Die Public Cloud wirkt sich nicht nur technisch aus, sondern verändert die Art, wie ERP-Projekte umgesetzt werden. In vielen Unternehmen zeigt sich inzwischen ein wiederkehrendes Muster: Projekte werden schneller, strukturierter und planbarer. Ein Grund dafür ist der Startpunkt. Public-Cloud-ERP beginnt nicht mehr auf einem leeren System, sondern auf einer vorkonfigurierten Grundlage mit definierten Prozesspfaden und einem durchdachten Setup.

Diese vorbereiteten Strukturen verkürzen die Implementierung. Was früher Monate der Grundlagenarbeit erforderte, ist heute in den Systemen bereits angelegt. Dadurch verschiebt sich der Fokus, vom Aufbau der Technik hin zur gemeinsamen Bewertung, welche Prozesse übernommen, angepasst oder bewusst verändert werden sollen. In der Praxis führt das dazu, dass viele Unternehmen deutlich schneller produktiv arbeiten können als mit Private Cloud-Modellen.

Die Erfahrung aus realen Projekten zeigt, dass dieser Ansatz branchenübergreifend funktioniert: Produktionsunternehmen profitieren von integrierten Fertigungs- und Beschaffungsprozessen, regulierte Industrien wie Medtech oder Pharma nutzen Track-and-Trace-Funktionen und standardisierte Compliance-Pakete, während Unternehmen aus Finanzwesen und Professional Services schnelle Skalierungs- und Abrechnungsmodelle realisieren können. Selbst sicherheitskritische Bereiche wie Defense und Energie zeigen inzwischen stabile und auditierbare Setups in der Public Cloud.

Das Ergebnis: Die Time to Value hat sich halbiert. Viele Unternehmen erreichen Go-Live-Zeitfenster von 12–18 Monaten. Mit stringent gelebter Projektmethodik und einem starken Enablement der Projektbeteiligten von Beginn an werden Public Cloud-Projekte sogar innerhalb eines Realisierungszeitraumes von 6 Monaten, zwischen erstem Implementierungsworkshop und Go-Live-Datum, möglich. Gleichzeitig stärkt das Modell die Prozessqualität. Standardisierte Abläufe verhindern, dass sich über Jahre gewachsene Sonderlösungen verfestigen, die später nur schwer zu warten sind.

Vom Customizer zum Architekten

Mit der Public Cloud verschiebt sich auch die Rolle der Beratung grundlegend. In der klassischen ERP-Welt standen technische Umsetzung und individuelles Customizing im Mittelpunkt. Dieses Vorgehen war üblich, aber es führte zu komplexen Landschaften, die schwer zu pflegen und nur mit großem Aufwand upgradefähig waren.

In der Public Cloud funktioniert dieses Modell nicht mehr. Die Updates kommen nicht nur in festen Intervallen: nur Prozesse, die innerhalb des Standards bleiben, können diese Dynamik auch voll nutzen. Dadurch verändert sich die Aufgabe der Beratung: Sie wird stärker zum Navigator, der Unternehmen hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Im Mittelpunkt steht heute die Frage, welche Standardprozesse bereits passen und wo eine gezielte Erweiterung wirklich geschäftskritisch ist. Das erfordert weniger Programmierung und mehr inhaltliche Analyse.

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Sicherheit: Architektur schlägt Standort

Kaum ein Thema wird im Zusammenhang mit Public-Cloud-ERP so kontrovers diskutiert wie die Frage nach der Datensicherheit. Oft richtet sich der Blick dabei auf den physischen Standort des Servers. Doch dieser Aspekt greift zu kurz. Moderne Sicherheitsmechanismen entstehen durch Architektur, nicht durch Geografie. Verschlüsselung, Rollen- und Berechtigungskonzepte, Protokollierung, Zero-Trust-Modelle und automatisierte Überwachung sind heute zentrale Bausteine, die unabhängig vom Standort wirken und im Public-Cloud-Umfeld standardmäßig bereitstehen.

In der Praxis nutzen Unternehmen überwiegend die Infrastrukturen der großen Hyperscaler. Diese Plattformen erfüllen eine Vielzahl internationaler Sicherheits- und Compliance-Vorgaben, betreiben redundante Rechenzentren und aktualisieren ihre Schutzmechanismen in kurzen Intervallen. Damit erreichen sie ein Sicherheitsniveau, das in vielen Eigenbetrieben nur mit hohem Aufwand möglich wäre.

Nicht „ob“, sondern „wann“

Gleichzeitig wächst die Bedeutung europäischer Cloud-Initiativen. Sie bieten langfristig Optionen, um regulatorische oder geopolitische Anforderungen stärker zu berücksichtigen. Doch viele dieser Angebote befinden sich noch im Aufbau und können die ausgereiften Strukturen der Hyperscaler derzeit nicht vollständig ersetzen. Die Frage ist daher nicht mehr, ob Unternehmen wechseln, sondern wann.


* Der Autor Yannick Lotz begleitet Unternehmen auf ihrem Weg in die SAP Public Cloud, von der ersten Idee bis zum erfolgreichen Go-Live. Als Solution Architect und Teamlead verantwortet er bei NTT DATA Business Solutions einerseits die Implementierung standardisierter SAP-Lösungsarchitekturen, schwerpunktmäßig mit End-to-End-Prozessen in den Bereichen Sales, Service und R&D, und andererseits die Ausbildung von SAP Cloud Consultants im hauseigenen Consulting Traineeprogramm.

Bildquelle: NTT Data

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