Organisationen sehen sich in der Verantwortung, nachhaltiger zu wirtschaften und ihre CO2-Emissionen zu verringern. Unternehmen sollten die Angebote von Cloud-Anbietern in Hinsicht auf ihre Nachhaltigkeit vergleichen und Anbieter bevorzugen, die umfassende Maßnahmen umsetzen.
Nachhaltige Cloud-Lösungen stellen eine zukunftsorientierte Technologie dar.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Cloud Computing hilft schon länger dabei, den kostspieligen und Ressourcen-intensiven Aufbau eigener IT-Infrastruktur zu vermeiden. Darüber hinaus kann Cloud Computing auch dabei helfen, die Unternehmensziele für Nachhaltigkeit zu verbessern: Denn Cloud Computing kann Energie sparen, da Workloads in der Cloud je nach Auslastung hoch- oder heruntergefahren werden können. Darüber hinaus ist die CPU-Auslastung der Cloud-Infrastruktur effizienter. Unternehmen, die einen Cloud-Anbieter suchen, um ihre Infrastruktur nicht nur kostengünstiger, sondern auch nachhaltiger zu gestalten, sollten sich die entsprechenden Maßnahmen im Detail ansehen. Diese elf Kriterien können dabei helfen, einen nachhaltigen Anbieter zu finden:
1. Nachhaltige Energiequellen – Manche Cloud-Anbieter verpflichten sich dazu, ihren Energiebedarf aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. Einige Anbieter nutzen beispielsweise bereits heute 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen, beispielsweise aus Wasser-, Wind- oder Solarenergie.
2. Energieeffizienzrichtlinie der EU – Ein wichtiges Kriterium, ob ein Cloud-Anbieter nachhaltig arbeitet, ist die Einhaltung der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED, kurz für: Energy Efficiency Directive), deren Anforderungen regelmäßig überprüft und angepasst werden. Die EED der EU hat das Ziel den Energieverbrauch zu reduzieren. Somit trägt es maßgeblich zu den EU-Klimazielen für 2030 bei. Die Richtlinie ist eine Erklärung, die Rechenzentren in Europa von ihren Kunden unterschreiben lassen können. Mit der Unterzeichnung dieser Erklärung erklärt sich der Kunde bereit, dem Rechenzentrum die Servereinstellungen zu melden und diese anzupassen, um den Energieverbrauch zu senken. Auf diese Weise arbeiten Cloud-Anbieter mit ihren Kunden zusammen, um die Energieeffizienz von allen Seiten zu gewährleisten.
3. ISO 14001-Zertifizierung – Diese Zertifizierung für Unternehmen legt detaillierte Kriterien für das Umweltmanagement fest. Um diese Zertifizierung zu erreichen, müssen Cloud-Anbieter Nachhaltigkeit bei zahlreichen Betriebsabläufen unter Beweis stellen, insbesondere in Bezug auf Hardware, Transporte und Kühlsysteme.
4. Energieeffiziente Infrastruktur – Verantwortungsbewusste Cloud-Anbieter verpflichten sich dazu, nur noch Geräte von Lieferanten zu kaufen, die hohe Umweltstandards erfüllen, und stets Geräte anzuschaffen, die sehr energieeffizient arbeiten. Server mit Energiesparmodi bieten etwa standardmäßig die energieeffizienteste Leistung. Dazu gehört auch ein Modus, der einen sehr geringen Energieverbrauch hat, falls die Server stillstehen. Cloud-Anbieter sollten Server, die an einen Kunden verkauft wurden, nicht vollständig abschalten. Zudem sollten flexible Cloud-Plattformen angeboten werden, die es Kunden ermöglichen, Workloads zu kombinieren und die Nutzung der Geräte zu optimieren. Darüber hinaus sollten effiziente CPUs zum Einsatz kommen, die so wenig Strom wie möglich verbrauchen, aber die benötigte Leistung liefern. Im Storage-Bereich bietet moderner Flash-Speicher das bestmögliche Verhältnis zwischen Leistung und Energieverbrauch.
5. Verpackung – Nachhaltige Cloud-Anbieter verfolgen ein Programm zur Abfallreduzierung, das die Verwendung wiederverwertbarer und biologisch abbaubarer Materialien sowie die Einführung geschlossener Kreislaufsysteme zur Minimierung des Abfallaufkommens umfasst.
6. Transport – Auch beim Thema Transport und Logistik lassen sich Verbesserungen erzielen. Verantwortungsbewusste Anbieter bevorzugen es, Hardware-Geräte, wenn möglich in großen Mengen zu verschicken und von lokalen Lieferanten zu kaufen. Das vermeidet unnötige Transporte und verursacht weniger Emissionen. Bei sorgfältiger Transportplanung kann eine Transportmethode mit geringeren CO2-Emissionen gewählt werden. Nachhaltige Cloud-Anbieter führen Gespräche mit ihren Logistikpartnern, um alle CO2-Emissionen für den Transport zu erfassen und gemeinsam nach einer umweltfreundlichen Lösung zu suchen.
7. Isolierung – Um den Energie- und Wasserverbrauch der Kühlsysteme zu reduzieren, sollten insbesondere in Rechenzentren in wärmeren Klimazonen auf Kaltgang-Isolierung (Cold Aisle Containment) und Blind Plating gesetzt werden. Manche Rechenzentren nutzen auch adiabatische Kühlung. Dabei handelt es sich um einen Wärmereduzierung-Prozess durch ein natürliches Phänomen. Die Wärme wird durch die Verdunstung von Wasser abgeführt, wodurch die Luft gleichzeitig befeuchtet und um einige Grad abgekühlt wird.
8. „Team Green“ – Nachhaltige Provider haben oft ein Green-Team von Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen, das sich regelmäßig trifft, messbare Nachhaltigkeitsziele festlegt, Maßnahmen einleitet, den Fortschritt überwacht und die Ergebnisse bewertet.
9. Das „Do No Significant Harm”-Prinzip (DNSH) – Dieses Prinzip legt sechs Kriterien fest, anhand derer bestimmt werden kann, ob eine wirtschaftliche Tätigkeit ökologische Schäden verursacht. Nachhaltige Anbieter erfüllen alle sechs Kriterien, einschließlich Treibhausgasemissionen, Wasserschutz, Kreislaufwirtschaft, Umweltschutz, Anpassung an den Klimawandel und Schutz von Ökosystemen.
10. Der Klimaneutrale Datenpakt (Climate Neutral Data Center Pact Governance) – Diese Zertifizierung zielt darauf ab, die Nettoemissionen von Treibhausgasen bis 2050 auf null zu senken und beinhaltet Maßnahmen zur Reduzierung der Netto-Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030. In Übereinstimmung mit den europäischen Klimagesetzen und dem Green Deal ist der Klimaneutrale Datenpakt eine Vereinbarung, Rechenzentren bis 2030 klimaneutral zu betreiben.
11. Power Usage Effectiveness (PUE) – PUE ist eine Kennzahl, mit der die Energieeffizienz eines Rechenzentrums bestimmt werden kann. Es handelt sich um ein Verhältnis zwischen der für den Betrieb und die Kühlung des Rechenzentrums benötigten und der von den IT-Geräten im Rechenzentrum aufgenommenen Energiemenge. Jedes Rechenzentrum sollte nach einem PUE-Wert so nahe wie möglich an die Zahl eins streben. Rechenzentren, die nicht effizient arbeiten, verbrauchen mehr Energie und weisen höhere PUE-Werte auf. Kunden sollten potenzielle Anbieter nach ihren PUE-Werten fragen und sich für Anbieter entscheiden, die ihren Stromverbrauch und ihre Energiekosten aktiv messen und senken – und die niedrigsten PUE-Werte haben.
Unternehmen sollten nachhaltige Cloud-Anbieter auswählen
Umweltbedenken im Zusammenhang mit Cloud Computing haben bereits einen erheblichen Einfluss auf die Cloud-Branche. Da sich die Welt zunehmend auf Nachhaltigkeit konzentriert, wird auch der Technologiesektor einen wichtigen Teil zur Verringerung der Umweltauswirkungen beitragen müssen. Die Anbieter von Cloud-Diensten werden hier keine Ausnahme bilden. Unternehmen können Teil der Lösung sein, indem sie die Angebote von Anbietern aktiv in Hinsicht auf ihre Nachhaltigkeit vergleichen und solche bevorzugen, die umfassende Maßnahmen zur Nachhaltigkeit umsetzen und alle notwendigen Zertifizierungen nachweisen können.
* Der Autor Marcus Busch ist Geschäftsführer der Leaseweb Deutschland GmbH.
Bildquelle: Leaseweb Deutschland GmbH
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Stand: 08.12.2025
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