WhatsApp schaltet bald Werbung. Dies könnten Unternehmen wie auch Privatpersonen zum Anlass nehmen, sich nach sicheren Messenger-Alternativen umzusehen. Welche Dienste wirklich auf Datenschutz, Verschlüsselung und europäisches Hosting setzen, zeigt unser Überblick.
Für viele Privatpersonen aber auch Unternehmen sind die geplanten, personalisierten Werbeanzeigen in WhatsApp ein Ärgernis. Zeit also, sich nach einem datensichereren Messenger umzusehen?
Meta, der Konzern hinter WhatsApp, macht ernst und teilt mit: Bald sollen weltweit Nutzerinnen und Nutzer im Status-Bereich des Messengers personalisierte Werbung erhalten. Welche ausgespielt wird, hängt ab von Standort, Sprache, Uhrzeit oder bisherigen Anzeigeninteraktionen.
Diese Entwicklung ist der jüngste Schritt einer Reihe kontroverser Maßnahmen, die WhatsApp in puncto Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit in die Kritik gebracht haben. Neben der Integration von Meta AI – einer nicht abschaltbaren, KI-basierten Assistenz – sorgt nun die Einführung von Werbung dafür, dass immer mehr Menschen über alternative Messenger-Dienste nachdenken. Doch welcher Nachrichtendienst ist der beste und sicherste? Und welche europäischen Alternativen gibt es zu WhatsApp?
Ab wann gibt es Werbung in WhatsApp?
An sein Versprechen, WhatsApp solle werbefrei bleiben, welches Will Cathcart Ende 2023 gab, hielt sich der WhatsApp-Chef nicht besonders lange. Denn mittlerweile hat Meta angekündigt, dass WhatsApp in den kommenden Monaten personalisierte Werbung enthalten wird. Doch für die EU wird das nicht gelten. Hier wird erst im nächsten Jahr mit Werbeanzeigen zu rechnen sein. Dies teilte Meta der irischen Datenschutzbehörde mit, die für die Durchsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gegenüber Meta zuständig ist. „Das neue Produkt wird erst 2026 auf dem EU-Markt eingeführt. WhatsApp hat uns informiert und wird sich mit ihnen treffen, um weitere Fragen zu besprechen“, sagte Datenschutzbeauftragter Des Hogan. Außerdem werde das Werbemodell mit anderen Datenschutzbehörden besprochen, um etwaige Bedenken der europäischen Regulierungsbehörden berücksichtigen zu können.
Alternativen zu WhatsApp
Mit dieser bevorstehenden Einführung personalisierter Werbung wächst auch der Druck auf CISOs, IT-Abteilungen und Führungskräfte, sichere Messenger-Lösungen zu prüfen. Die Kombination aus datenschutzkritischen AGB, der nicht abschaltbaren Meta AI und zunehmender Monetarisierung bietet Anlass genug, mögliche Alternativen näher zu bewerten.
Die Verbraucherzentrale NRW hat mehrere Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Hinblick auf Datenschutz und Sicherheitsmerkmale verglichen. Eine Übersicht dieser Messenger sowie Ergänzungen hinsichtlich der Hersteller, des Hostings, technischer Details und der Risiken finden Sie hier.
Der Signal-Messenger der Signal Foundation gehört zu den bekanntesten Messenger-Alternativen. Allerdings müssen Nutzer hier zur Registrierung ihre Telefonnummer angeben. Die Angabe eines Vornamens, welcher auch ein Pseudonym oder ein Emoji sein kann, ist Pflicht, der Nutzername ist optional. Wer seine Kontakte nicht freigibt, muss die Nummern seiner Chat-Partner manuell eingeben, um mit ihnen zu kommunizieren. Interessanterweise gehört Brian Acton zu den Gründern der Signal Foundation (2018) und ist gleichzeitig auch Mitgründer von WhatsApp (2009). Nachdem die WhatsApp-Gründer den Messenger 2014 an Meta (früher Facebook) verkauft hatten, distanzierte sich Acton mehr und mehr von WhatsApp. Er nahme eine kritische Haltung gegenüber der Monetarisierung des Messengers ein und verließ das Unternehmen 2017, woraufhin er die Signal Foundation gründete.
Threema
Threema ist der einzige Messenger im Vergleicher der Verbraucherzentrale, den es nur in einer kostenpflichtigen Variante gibt. Die gleichnamige GmbH sitzt in der Schweiz, wo auch die Server stehen. Neue Nutzer erhalten nach der Anmeldung eine zufällig generierte ID, mit der sie für andere Anwender angezeigt werden. Angegebene Telefonnummern und E-Mail-Adressen speichert Threema nur auf Wunsch und verschlüsselt auf seinen Servern.
Ginlo
Nachdem Brabbler, das deutsche Unternehmen, welches Ginlo entwickelt hat, 2019 Insolvenz angemeldet hat, wurde der Messenger von Ginlo.net, einer Tochtergesellschaft von der Cubenet AG übernommen. Das Unternehmen bietet Datenkommunikationsdienste an und sitzt in München. Neben der kostenpflichtigen Business-Version von Ginlo gibt es auch eine kostenlose Open-Source-Version, Ginlo now. Endverbraucher, die sich dort registrieren, müssen dafür weder ihre E-Mail-Adresse noch Mobiltelefonnummer angeben. Die Registrierung erfolgt komplett anonym mit einer Ginlo-ID. Bei der Business-Version können E-Mail-Adresse und Mobilrufnummer verarbeitet werden. Dass Nachrichten sich selbst löschen oder erst nach einer festgelegten Zeit versendet werden, kann eingestellt werden. Das nachträgliche Löschen von Nachrichten ist möglich, allerdings nur im eigenen Chat und nicht in dem des Empfängers.
Auch Telegram ist ein mittlerweile bekannter und weitverbreiteter Kommunikationsdienst. Der Messenger gehört der gleichnamigen Telegram Messenger Inc. Während für die Registrierung die Angabe einer Mobilnummer erforderlich ist, können Nutzer flexibel einstellen, was andere Telegram-User von ihnen sehen können. Allerdings werden Telefonnummern und Namen von Kontakten aus dem Adressbuch gespeichert, wenn die entsprechende Kontaktsynchronisation genutzt wird. Bereits synchronisierte Kontakte können wieder gelöscht werden. Ist ein Nutzer wahlweise einen, drei, sechs Monate oder bis zu einem Jahr inaktiv, wird sein Koto automatisch gelöscht. Diesen Zeitraum kann man in den Einstellungen ändern. Wo Telegram seine Server hostet, ist nicht bekannt. Eigenen Angaben zufolge verfügt das Unternehmen über eine selbst entwickelte, weltweit verteilte Serverarchitektur. Der Hauptsitz befindet sich in Dubai. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es bei den normalen Einzel- und Gruppenchats nicht. Dafür müssen sogenannte Secret Chats eröffnet werden.
Stand: 08.12.2025
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In Deutschland und in anderen Ländern steht Telegram allerdings in der Kritik, da über der Messenger für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte genutzt wird. Dagegen ging Telegram nicht konsequent vor, Hassbotschaften wurden teilweise nicht gelöscht.
Viber
Weltweit hat die Messaging- und Anruf-App Viber der Rakuten Group mittlerweile über eine Milliarde Nutzer. Die Gruppe hat zwar ihren Sitz in Tokio, für den Betrieb in der EU ist jedoch die Viber Media s.à.r.l. in Luxemburg verantwortlich. Für die Registrierung bei Viber ist eine Telefonnummer zwingend erforderlich, auch der Zugriff auf die gespeicherten Kontakte ist notwendig. Nachrichten können mit der Selbstlöschfunktion versendet werden und sowohl auf dem eigenen wie auch dem Empfänger-Gerät gelöscht werden.
Betreiber von KakaoTalk ist das koreanische Unternehmen Kakao Corporation. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist hier nicht standardmäßig integriert, stattdessen müssen dafür sogenannte geheime Chats genutzt werden. Für die Nutzung des Messengers ist eine Telefonnummer notwendig. Daneben kann die App auf Android nicht genutzt werden, wenn ihr nicht der Zugriff auf die gespeicherten Kontakte gewährt wird. Auf iPhones hingegen funktioniert KakaoTalk auch ohne den Kontaktzugriff. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass sie bei ihrem Test zwei Accounts verwendet habe. Beide hätten nicht gelöscht werden können, da sie angeblich ohne erkennbaren Grund gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen hätten.
Fazit
Den richtigen Messenger zu finden, braucht Zeit. Gerade für Unternehmen ist diese Entscheidung keine Geschmacksfrage mehr, sondern eine strategische. Die zunehmende Monetarisierung bei WhatsApp durch personalisierte Werbung, Meta AI und Cloud-Anbindung stellt das Vertrauen in den Dienst in Frage. Doch die gute Nachricht ist, dass unter den von der Verbraucherzentrale NRW vorgestellten Messenger gut geeignete Alternativen sind: von datensouveränen Lösungen aus der Schweiz und Deutschland wie Threema und Ginlo bis hin zu spendenfinanzierten Projekten wie Signal.
Doch nicht jeder Messenger ist so sicher, wie er sich gibt: Bei Telegram oder KakaoTalk fehlt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Standardbetrieb, Hostingstandorte sind oft intransparent oder rechtlich problematisch.Und Dienste mit US-Infrastruktur bleiben unter dem Risiko des Cloud Acts verwundbar – selbst wenn sie in Europa betrieben werden.
Wer seine Kommunikation langfristig sicherstellen will, sollte sich folgende Fragen stellen:
Wo werden die Daten gespeichert?
Wer hat Zugriff auf die Infrastruktur?
Wie konsequent wird die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umgesetzt?
Ist der Anbieter unabhängig oder ein datengesteuerter Konzern?
Insbesondere sicherheitskritische Branchen, Behörden oder datenschutzsensible Organisationen sollten sich ernsthafte Gedanken um den Abschied von WhatsApp machen und den Wechsel zu einem Messenger, der nicht nur technisch überzeugt, sondern auch vertrauenswürdig agiert.