DevOps, NetOps, SecOps oder FinOps: Die Familie der neuen IT-Ansätze wird immer größer. Der jüngste Zuwachs heißt nun Platform Ops. Doch was ist das genau und wo wird es eingesetzt?
Platform Ops dient im Zeitalter der Cloud als wesentliche Grundlage für unternehmensweite Zusammenarbeit und Sicherheit und bringt Ordnung in die Vielzahl der zur Verfügung stehenden digitalen Tools.
Bei Platform Ops handelt es sich nicht einfach um einen weiteren Ansatz. Hier geht es um die Verbindung der verschiedenen Abteilungen und Anwendungsfälle, die zur Entwicklung moderner, verteilter und Cloud-nativer Anwendungen erforderlich sind. Daher spielt Platform Ops eine zentrale Rolle.
Was bedeutet Platform Ops?
Eine Plattform ist eine Sammlung von Technologien, die von verschiedenen Entwicklungsteams zur Ausführung von Funktionen verwendet werden. Zum Beispiel ist ein Web-Anwendungsteam auf Webserver, Middleware wie Node.js, ein Frontend und Load Balancer angewiesen. Ein Team, das Marketingtechnologien einsetzt, nutzt etwa SaaS-Produkte wie Adobe Creative Cloud und Salesforce. Ein Team für den Netzwerkbetrieb stützt sich auf Kubernetes, Application Delivery Controller und virtuelle Netzwerklösungen.
Im Zeitalter der nativen Cloud-Anwendungen setzen alle Teams eine Plattform ein, die nicht nur die wichtigsten Server-, Speicher- und Netzwerkfunktionen, sondern auch Tools für die Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen bietet. Platform Ops ist das Team, das die Verwaltung, Wartung, Verbindung und Sicherung der Plattform verantwortet, die DevOps-Teams nutzen. Da immer mehr Technologien in die Cloud verlagert werden, ist Platform Ops auch eng in die Bereitstellung von Kernfunktionen wie unternehmensweite Netzwerke und Sicherheit eingebunden.
Wer braucht Platform Ops?
Klassische monolithische Anwendungen werden zunehmend in Dienste umgewandelt, die über APIs verbunden sind. Verteilte Anwendungen können nicht nur mehrere Services umfassen, sondern sich auch über mehrere Clouds erstrecken. Dabei erhalten die Entwickler häufig die Möglichkeit, Tools selbst auszuwählen.
In einigen Unternehmen nutzen Dutzende von DevOps-Teams jedoch mehrere hundert oder tausend verschiedene Tools und Lösungen für Datenverarbeitung, Message Queues, Observability, Sicherheit und Netzwerke. Dies gilt insbesondere für die Anwendungsschicht (Layer 7). So betreibt beispielsweise eines der größten Unternehmen für mobile Anwendungen mehrere Kubernetes-Cluster und verschiedene Arten von Service Meshes. Denn seine Anwendungsteams setzen viele verschiedene Tools und Lösungen ein, die nicht kompatibel sind oder nicht von einer einheitlichen Plattform unterstützt werden.
Viele Technologien bewältigen
Um die übermäßige Verbreitung verschiedener Tools zu bewältigen, bietet Platform Ops eine vielversprechende Lösung. Das Platform-Ops-Team arbeitet mit allen Nutzern von IT und Anwendungen im Unternehmen zusammen. Das Team fragt sie, was sie möchten und benötigen, und reduziert die Anfragen auf eine kleine Anzahl von Auswahlmöglichkeiten. Grundsätzlich geht es bei Platform Ops also darum, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos zu finden. Es soll Unternehmen ermöglichen, schneller zu werden sowie gleichzeitig hohe Sicherheit, Governance und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Einige Unternehmen werden ihren Anwendungs- oder DevOps-Teams weiterhin die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Tools zu wählen, die nicht unbedingt von Platform Ops unterstützt werden. Netflix lässt etwa auch Tools außerhalb seines kuratierten Portfolios zu. Die Bedingung ist jedoch, dass sich die jeweiligen Teams dann selbst um den Support für diese Tools kümmern – ohne Unterstützung von Platform Ops, IT oder anderen DevOps-Teams.
Entscheidung von unten
Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen Platform Ops und IT-Konsolidierung. Während die Konsolidierung meistens eine klare Vorgabe der Führungsebene ist, erfolgt die Einschränkung der Tools bei Platform Ops beratend von unten nach oben. Platform-Ops-Teams müssen die Auswahlkriterien erklären, damit alle Benutzer der Plattform verstehen, warum die Entscheidungen getroffen wurden und wie sie die verfügbaren Funktionen optimal nutzen.
Die Platform-Ops-Teams kommen in der Regel aus den Reihen von Anwendungsentwicklung und DevOps. Daher verstehen sie die Bedürfnisse und Wünsche dieser Teams am besten. Platform-Ops-Teams schreiben in der Regel auch Code – entweder für interne Tools oder für Konfiguration und IT-Management. So nutzen sie letztendlich genau die Plattform, die sie betreuen. Das unterscheidet sich deutlich von der üblichen Praxis der IT-Teams, die zwar Lösungen vorgeben, diese aber nicht für ihre eigenen Tätigkeiten verwenden.
Unternehmen müssen sich in der neuen und ständig verändernden IT-Landschaft aus Clouds, Cloud-nativen Anwendungen, verteilten Infrastrukturen, agiler Software-Entwicklung und dynamischer Sicherheit zurechtfinden. Hier dient das Platform Ops-Team als wichtige Quelle für Informationen und Bewertungen. Damit können nicht nur der CTO, sondern auch der CFO sowie die Beschaffungs- und Prüfungsteams besser verstehen, was benötigt wird und wie hoch in etwa die Kosten dafür sind. In dieser Hinsicht ist Platform Ops der neutrale Vermittler, der zu einem wichtigen Kanal für den Austausch von Informationen und institutionellem Wissen wird.
Stand: 08.12.2025
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Platform Ops zunehmend erfolgsentscheidend
Angesichts des Fachkräftemangels müssen Unternehmen attraktive Arbeits- und Gestaltungsmöglichkeiten für Entwickler bieten. Dabei erfordert eine Cloud-native, verteilte IT-Landschaft die richtige Mischung aus Freiheit und Kontrolle. Denn einerseits führt eine freie Auswahl zu einem chaotischen Mischmasch aus inkompatiblen sowie verschiedenartig konfigurierten und strukturierten Tools. Mit der Zeit wird diese Umgebung nicht nur unüberschaubar, sondern auch unsicher.
Roman Borovits, F5 Networks.
(Bild: F5 Networks)
Andererseits sind Entwickler durch zu starke Einschränkungen schnell frustriert. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich anderswo nach einem Arbeitsplatz umsehen. Wie gut das Platform Ops-Team diese Extreme ausbalancieren kann, entscheidet darüber, ob das Unternehmen die digitale Transformation erfolgreich bewältigt.
* Der Autor Roman Borovits ist Senior Systems Engineer bei F5 Networks.