Master Data Management auf Open Source-Basis als Alternative zu proprietären Lösungen Open Source macht Stammdatenmanagement erschwinglich
Trotz Krise existieren in der IT noch immer Marktsegmente mit zweistelligen Wachstumsraten. Master Data Management ist ein solches Segment. Je mehr Daten Unternehmen bewegen und somit auch verwalten, umso größer ist der Bedarf nach strukturiertem Handling derselben. Stammdaten sind wertvoll für Unternehmen, insbesondere wenn sie für unternehmensweite Geschäftsprozesse und Analysen zur Verfügung stehen.
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Die Implementierung eines Master-Data-Management-Projekts ist jedoch eine große Herausforderung: architekturseitig komplex, zeitintensiv und vor allem teuer. Entsprechend gefragt sind Softwarelösungen aus diesem Bereich. So prognostiziert Gartner beispielsweise, dass der Umsatz mit MDM-Software bis 2012 einen Umfang von etwa 2,8 Milliarden US-Dollar erreichen soll.
Ein weiteres Indiz lieferte unlängst der Markt mit einer Übernahmewelle: nach mehreren kleinen Zusammenschlüssen und Übernahmen erwarb Informatica den Anbieter Siperian und IBM den Spezialisten Initiate Systems für jeweils dreistellige Millionenbeträge. Die Goldgräberstimmung unter den großen Anbietern könnte aber bald einen Dämpfer erhalten, denn seit kurzem gibt es eine funktional und kostenseitig überzeugende Alternative aus dem Open-Source-Lager: Talend hat im letzten Sommer eine kommerzielle MDM-Technologie erworben und diese quasi „open-sourcifiziert“. Potenziellen Kunden steht damit endlich eine wettbewerbsfähige, lizenzkostenfreie und damit günstige MDM-Lösung zur Verfügung.
Neues Terrain für die Open-Source-Branche
Das Problem mit Stammdaten beginnt da, wo unterschiedliche Lösungen diese separat behandeln. Ein Kunde kann in einer Bank Inhaber eines Girokontos wie auch Manager eines Fonds sein – über beide Funktionen werden aber unterschiedliche Informationen benötigt und in der Addition ergibt die Gesamtzahl der Kunden schnell eine Kennzahl ohne jede Aussagekraft.
Die wachsenden Compliance-Anforderungen im Unternehmen lassen sich nicht in den Griff bekommen, wenn die den Berichten zugrunde liegenden Daten nicht konsistent sind. Das gilt nicht nur für Kundendaten, sondern genauso für Produkte, Partner, Lieferanten oder Warenbestände. Es wird daher immer wichtiger, eine einzige, einheitliche Sicht auf die Organisation zu schaffen.
Der erste Anbieter von Open-Source-MDM war 2008 Sun mit dem Projekt „Mural“. Dabei handelte es sich um eine Hinterlassenschaft der im Sommer 2005 übernommenen SeeBeyond Technology Corporation. Sun hat die SeeBeyond-Software weiterentwickelt und zum Kern seiner Java Composite Application Suite (CAPS) gemacht. Ein Bestandteil davon ist die kommerzielle Sun MDM Suite, die auf der kostenlosen Mural-Software und den Beiträgen der Mural-Community aufbaut. Neben MDM behandelt die Mural-Community auch Themen wie Datenintegration, Datenqualität oder Datenmigration, so dass Organisationen hier eine umfassende Plattform zur Verfügung steht.
Allerdings handelt es sich bei Mural nicht um eine vorkonfektionierte Anwendung. Die Implementierung und Nutzung erfordert einige Erfahrung und Integrationsarbeit, demnach müssen auch höhere Kosten für die Implementierung einkalkuliert werden.
Hinzu kommt die Übernahme durch Oracle, die ein weiteres Problem aufwirft: Oracle selbst. Der Softwaregigant hat nach diversen Übernahmen, darunter Siebel Systems, JD Edwards, Bea Systems und Hyperion eine Reihe von konkurrierenden klassischen MDM-Lösungen im Gepäck. Welche davon bestehen bleibt ist unklar. Für potenzielle Kunden ein Risiko: Wer möchte bei einer unternehmenskritischen Anwendung schon auf das falsche Pferd setzen?
weiter mit: Datenintegration plus MDM gleich Datenmanagement
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