KI und Cloud treiben Bilanz 2025 auf Rekordniveau „Oh mein Gott, die Vorschriften!“ – und doch Grund zur Freude bei SAP

Von Elke Witmer-Goßner 4 min Lesedauer

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SAP hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem starken Schlussspurt beendet. Der Softwarekonzern übertraf seine eigenen Erwartungen beim Betriebsergebnis und Free Cashflow und legte insbesondere im Cloud-Geschäft deutlich zu. CEO Christian Klein sprach auf der Bilanzpressekonferenz von einem „historischen Erfolg“ und kündigte zugleich ambitionierte Pläne für das laufende Jahr 2026 an.

Positive Bilanz: Die starke Nachfrage nach Cloud- und ERP-Lösungen trieb 2025 Umsatz und Betriebsergebnis von SAP.(Bild:  SAP SE)
Positive Bilanz: Die starke Nachfrage nach Cloud- und ERP-Lösungen trieb 2025 Umsatz und Betriebsergebnis von SAP.
(Bild: SAP SE)

„Wenn man sich die Zahlen anschaut, können wir sehr zufrieden sein“, so Christian Klein zum Auftakt der Pressekonferenz. Die Cloud-Erlöse stiegen im Gesamtjahr um 23 Prozent auf 21,02 Milliarden Euro, währungsbereinigt (@cc) sogar um 26 Prozent. Treiber war insbesondere die Cloud-ERP-Suite mit einem Erlösplus von 28 Prozent (@cc plus 32 %) auf 18,12 Milliarden Euro.

Wesentliche Finanzkennzahlen 2025: Das anhaltend starke Wachstum im Bereich SaaS und PaaS liegt weit über dem Markt und schlägt sich auch im Betriebsergebnis und Free Cashflow nieder.(Bild:  SAP SE)
Wesentliche Finanzkennzahlen 2025: Das anhaltend starke Wachstum im Bereich SaaS und PaaS liegt weit über dem Markt und schlägt sich auch im Betriebsergebnis und Free Cashflow nieder.
(Bild: SAP SE)

Klein betonte, SAP habe mit der Cloud-Transformation „eine der größten Erfolgsgeschichten und definitiv die größte Transformation in der Geschichte von SAP“ erreicht. Man habe „die Kunden nicht einfach nur in die Cloud gehoben, sondern deren Geschäftsprozesse neu aufgestellt“.

SAP Business AI wird zum Kernprodukt

Bereits in zwei Drittel aller Cloud-Vertragsabschlüsse im Q4 war SAP Business AI enthalten. CEO Klein sieht hier einen strategischen Wendepunkt: „Die Welt verändert sich rapide. Wir leben in der sich vermutlich am schnellsten wandelnden Branche überhaupt – Stillstand ist Rückschritt.“ Die Integration von auf künstlicher Intelligenz (KI) basierender Funktionalität in alle Geschäftsbereiche, insbesondere in ERP, Commerce und Patientenmanagement, habe laut Klein zu „durchschlagendem Feedback“ bei Pilotkunden geführt.

Mit Blick auf die Konkurrenz betonte Klein: „Wenn man AI wirklich skalieren will, braucht man Businessdaten – und niemand hat so viele strukturierte Unternehmensdaten wie SAP.“ Dies sei der Schlüssel für SAPs AI-Strategie, kombiniert mit führenden LLMs für konkrete Anwendungsfälle.

Finanzkennzahlen übertreffen Ausblick

SAP hat seine Ziele für das Gesamtjahr 2025 nicht nur erreicht, sondern in zentralen Bereichen übertroffen:

  • Betriebsergebnis (Non-IFRS): 10,42 Milliarden Euro (+28 %, @cc +31 %) und damit oberes Ende der Prognose.
  • Free Cashflow: 8,24 Milliarden Euro (+95 %) – übertrifft Ziel von 8 Milliarden Euro.
  • Gesamterlöse: 36,8  Milliarden Euro (+8 %, @cc +11 %).
  • Cloud-Auftragsbestand (Total Cloud Backlog): +30 % auf 77 Milliarden Euro.

Finanzvorstand Dominik Asam sieht SAP mit diesen Zahlen klar auf Kurs: „Dieses Ergebnis unterstreicht die gezielte Umsetzung unserer Strategie und unsere Kostendisziplin. Unser SaaS- und PaaS-Wachstum liegt weit über dem Markt.“

SAP plant Aktienrückkauf und betont Transformation

Angesichts des starken Cashflows kündigte SAP ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu zehn Milliarden Euro an, das bis Ende 2027 laufen soll. Klein hob hervor, dass der Umbau des Konzerns in eine Cloud-Company weit fortgeschritten sei – auch durch neue Partnerschaften mit Snowflake, Mistral AI oder Bleu. Zudem wurden im Rahmen von „Rise with SAP“ große Neukunden gewonnen, darunter Adidas, Biontech, Deloitte und Toyota.

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Bildquelle: SAP SE

Ohne Daten keine KI und ohne unsere ERP-Plattform kein Business-AI-Erfolg. Wir haben eine klare Strategie, wir haben das Vertrauen unserer Kunden – und wir haben das Momentum.

Christian Klein, CEO von SAP

Zukunft mit fünf KI-Säulen und branchenspezifischer Ausrichtung

Klein kündigte für 2026 eine klare KI-Roadmap entlang von fünf strategischen Säulen an, darunter:

  • Agentenbasierte Automatisierung: „Wir bauen keine neuen Features – wir bauen Agenten, die Features übernehmen.“
  • Industriespezifische KI: Etwa bei Fresenius, wo ein intelligentes Patientenmanagement mit Avalia entwickelt wurde.
  • Prozessneudenken durch KI: Nicht nur KI einsetzen, sondern bestehende Prozesse für AI neu denken.
  • Verzahnung von Struktur- und Prozesswissen: „Ohne Businessprozesse kein funktionierender Agent.“
  • Vertrauen durch Sicherheit und Compliance: „SAP ist in der DNA für hochregulierte Branchen gebaut.“

Ausblick 2026: SAP will weiter zulegen

Für das Jahr 2026 peilt SAP laut Prognose währungsbereinigte Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an (+23 % bis +25 %), ein Betriebsergebnis (Non-IFRS) zwischen 11,9 und 12,3  Milliarden Euro (+14 % bis +18 %) sowie einen Free Cashflow von rund 10  Milliarden Euro.

SAP erreicht Umsatzziele und übertrifft Ausblick für Betriebsergebnis (Non-IFRS) und Free Cashflow für das Gesamtjahr 2025 getrieben durch erfolgreiches Cloud-Geschäft.(Bild:  SAP SE)
SAP erreicht Umsatzziele und übertrifft Ausblick für Betriebsergebnis (Non-IFRS) und Free Cashflow für das Gesamtjahr 2025 getrieben durch erfolgreiches Cloud-Geschäft.
(Bild: SAP SE)

Klein zeigte sich zuversichtlich: „SAP wird auch im KI-Zeitalter eine Qualitätsfirma bleiben. Wir sind auf dem besten Weg, SAP zu einem der Gewinner von Business AI zu machen.“ Der Fokus liege nun auf Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und der Entwicklung neuer Skills im Unternehmen.

Appell an die Politik: Weniger Regulation, mehr Innovation

„Wenn ich an unseren Heimatmarkt denke und ihn mit den USA vergleiche – oh mein Gott, die Vorschriften!“ Christian Kleins Frustration über die Vielzahl unterschiedlicher Datenschutzregelungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene, die sich überlagern und widersprechen können, ist nicht zu überhören.

Klein fordert eine stärkere Harmonisierung von Regulierungen, um europäische Unternehmen und Start-ups wettbewerbsfähiger zu machen. Seine zentrale Botschaft: „Eine digitale Union muss zusammenkommen.“ Es gehe nicht nur um Finanzierung und Kapitalzugang, „es geht um Geschwindigkeit und die ist besonders wichtig für all die großartigen Start-ups, die wir hier haben.“ Gleichzeitig fordert der SAP-Chef mehr Tempo in der politischen Entscheidungsfindung, insbesondere bei der digitalen Transformation in Deutschland. Er zeigt sich zwar optimistisch und sieht auch viel Bewegung in der Digitalisierung Deutschlands. Er fordert aber konkretes Handeln: „Speed is especially super important“ – „Geschwindigkeit ist ungeheuer entscheidend“.

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