Die Modernisierung von Legacy-Systemen gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der IT. Ohne eine klare Sicht auf unzählige Abhängigkeiten, versteckte Risiken und messbare Erfolge gleichen solche Transformationen einem Flug ohne Instrumente.
Mit strategischer Modernisierung und Observability kommen Unternehmer sicher ans Ziel der digitalen Transformation.
Observability ist der entscheidende Co-Pilot, der in jeder Phase die nötige Orientierung schafft, um sicher ans Ziel zu kommen. Jeder kennt die Situation: Ein langwieriges Migrationsprojekt wird technisch für beendet erklärt, das neue System ist produktiv. Doch statt des erhofften Qualitätssprungs macht sich bei den Anwender Frust breit. Anwendungen sind plötzlich langsamer, etablierte Arbeitsabläufe stocken und die Support-Hotline steht nicht mehr still.
Dieses Phänomen ist oft kein technisches Versagen, sondern ein strategisches. Die Projekte scheitern nicht objektiv, sondern in der subjektiven Wahrnehmung, weil ihre Ziele weder messbar geplant noch datengestützt validiert wurden. Anstatt den Erfolg am realen Ausgangszustand zu messen, wird er mit einem vagen Idealbild verglichen. Ohne harte Metriken bleibt am Ende nur ein Bauchgefühl, und das ist oft schlecht.
Fundament schaffen und die Blackbox entschlüsseln
Man kann nicht verbessern, was man nicht versteht. Der erste Schritt jeder erfolgreichen Migration ist daher, die Blackbox des Altsystems vollständig zu entschlüsseln. Legacy-Systeme sind oft über Jahre oder Jahrzehnte organisch gewachsen und voller „Anekdotenwissen“. Wichtige Funktionen hängen von undokumentierten Schnittstellen ab, kritische Prozesse nutzen unbemerkte zusätzliche Datenbanken oder die tatsächliche Systemauslastung ist reine Spekulation. Ganz zu schweigen davon, dass die Architektinnen und Architekten dieser Systeme sich oft bereits in den Ruhestand oder zum nächsten Arbeitgeber verabschiedet haben.
Hier schafft Observability ein solides, datengestütztes Fundament. Anstatt sich auf Vermutungen zu verlassen, liefert sie harte Fakten und die Informationen, die es zur erfolgreichen Migration braucht:
Vollständige Abhängigkeits-Maps: Welche Services kommunizieren wirklich miteinander? Wo gibt es versteckte Verbindungen?
Reale Nutzungsmuster: Welche Funktionen werden intensiv genutzt? Welche sind die kritischsten Pfade aus User-Sicht?
Genaue Performance-Baselines: Wie schnell oder langsam ist das System heute unter realer Last, und welches Lastprofil ist real und erwartbar?
Auf Basis dieser Daten lassen sich konkrete Service Level Objectives (SLOs) definieren, sowie deren Erreichbarkeit einschätzen. Das sind messbare Versprechen wie: „Die Antwortzeit der Warenkorb-API muss in 99 Prozent der Fälle unter 200 Millisekunden liegen.“ Damit wird Erfolg erstmals definierbar und der gesamte Migrationsplan verlässt den Bereich des Hoffens und Betens.
Risiken managen und den Wandel in Echtzeit absichern
Während der eigentlichen Migration agiert Observability als Frühwarnsystem. Ob bei einem „Big-Bang“-Go-live oder bei schrittweisen Canary-Rollouts: Sie vergleicht kontinuierlich die Performance der alten und neuen Umgebung. So werden Anomalien, Instabilitäten oder unerwartete Engpässe sofort sichtbar, bevor sie zu einem systemweiten Ausfall führen, der Worst Case bei jeder Migration.
Besonders wertvoll ist dabei das Aufdecken der bereits erwähnten Anekdoten. Ein klassisches Beispiel: Ein produktives System greift für eine Nischenfunktion auf eine alte, undokumentierte Testdatenbank zu – einfach, weil es jahrelang unbemerkt funktioniert hat. In der neuen, sauberen Cloud-Architektur fehlt dieser Zugriff, und die Funktion fällt aus. Ohne lückenlose Überwachung aller Interaktionen würde ein solcher Fehler erst durch verärgerte Kunden gemeldet.
Erfolg validieren und den Wert der Modernisierung beweisen
Ist die Migration technisch abgeschlossen, müssen die entscheidenden Fragen der Stakeholder beantwortet werden: Hat sich die Investition gelohnt? Ist das System nun schneller, stabiler, kosteneffizienter? Ohne die in der ersten Phase definierten SLOs und die kontinuierliche Datenerfassung ist die Antwort wieder nur ein Schulterzucken.
Observability liefert hier den unbestreitbaren Beweis. Sie ermöglicht einen direkten Vorher-Nachher-Vergleich und beantwortet Fragen mit Daten statt Meinungen:
„Unsere durchschnittliche Latenz hat sich von 800 ms auf 150 ms verbessert.“
„Die Fehlerquote im Checkout-Prozess ist von zwei Prozent auf 0,1 Prozent gesunken.“
„Die Server-Auslastung und damit die Cloud-Kosten konnten um 30 Prozent reduziert werden.“
Warum KI ohne Observability-Daten blind bleibt
KI verspricht, zukünftige Migrationen durch automatisierte Code-Analyse, intelligentes Testing oder proaktive Performance-Optimierung zu beschleunigen. Doch diese fortschrittlichen Werkzeuge sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert werden. Eine KI, die auf Basis von unvollständigem „Anekdotenwissen“ trainiert wird, produziert im besten Fall unbrauchbare, im schlimmsten Fall gefährliche Empfehlungen.
Observability liefert den sauberen, kontextreichen und vollständigen Datenstrom, der für eine sinnvolle KI-Unterstützung unerlässlich ist. Gleichzeitig ist sie notwendig, um das Verhalten der KI-Systeme selbst zu überwachen und sicherzustellen, dass deren Automatisierung die gewünschten Ergebnisse liefert und nicht unkontrolliert agiert.
Stand: 08.12.2025
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Legacy-Migrationen müssen kein unkalkulierbares Risiko sein. Wer sie beherrschbar machen will, braucht durchgehende Transparenz. Observability liefert das nötige Rüstzeug, um Meinungen durch Metriken zu ersetzen, verborgene Risiken aufzudecken und den Erfolg messbar zu machen. Unternehmen, die diesen datengestützten Weg gehen, gewinnen weit mehr als nur ein modernes System: Sie gewinnen die volle Kontrolle über ihre technologische Landschaft und damit die Fähigkeit, sich schneller und sicherer an die Anforderungen der Zukunft anzupassen. Die Migration wird vom gefürchteten Kostentreiber zum strategischen Vorteil.
* Der Autor Stefan Marx ist Senior Director Platform Strategy für die EMEA-Region beim Cloud-Monitoring-Anbieter Datadog. Marx ist seit über 20 Jahren in der IT-Entwicklung und -Beratung tätig. In den vergangenen Jahren arbeitete er mit verschiedenen Architekturen und Techniken wie Java Enterprise Systemen und spezialisierten Webanwendungen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Planung, dem Aufbau und dem Betrieb der Anwendungen mit Blick auf die Anforderungen und Problemstellungen hinter den konkreten IT-Projekten.