Definition: KI-Alternative aus dem Hause Alphabet Was ist Google Bard?

Von Laimingas 5 min Lesedauer

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Bard ist ein generativer Chatbot von Google, der auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Laut Angaben der Entwickler kann Bard ähnlich wie Menschen Dialoge führen, Fragen beantworten, Texte erstellen, mathematische Probleme lösen und programmieren.

Google Bard ist das Alphabet-Pendant zu ChatGPT, basiert auf Künstlicher Intelligenz und steht Google-Anwendern als experimenteller ChatBot zur Verfügung.(Bild:  frei lizenziert © Gerd Altmann /  Pixabay)
Google Bard ist das Alphabet-Pendant zu ChatGPT, basiert auf Künstlicher Intelligenz und steht Google-Anwendern als experimenteller ChatBot zur Verfügung.
(Bild: frei lizenziert © Gerd Altmann / Pixabay)

In den 2010er Jahren galt Google mehr oder weniger als führend im KI-Segment. Allerdings kamen die verschiedenen Initiativen des Unternehmens in diesem Bereich nie so richtig aus den Startlöchern. Das änderte sich erst mit dem rasanten Erfolg des Konkurrenzprodukts ChatGPT von OpenAI, in das Microsoft in den letzten Jahren mehrere Milliarden Dollar investiert hat. Für Google bedeutete der Erfolg von ChatGPT laut eigenem Management einen „Code Red“ und trieb das Unternehmen an, eine eigene Entwicklung auf den Markt zu bringen.

Nach einem etwas holprigen Start und einem massiven Kurssturz der Alphabet-Aktien im Februar 2023 ging Bard im März 2023 in den USA und im Vereinigten Königreich an den Start. Der Kurssturz an der Wall Street wurde durch eine falsche Antwort des Chatbots während einer Präsentation auf Twitter im Zusammenhang mit dem James Webb Space Telescope verursacht. Die Aktie verlor auf einen Schlag 7,6 Prozent an Wert, was etwa 100 Milliarden US-Dollar entsprach.

Im Mai war Bard in 180 Ländern verfügbar, allerdings noch nicht in der EU, wo es Bedenken gab, ob der Chatbot die Datenschutz-Grundverordnung einhalten würde. Dies ist seit Juli 2023 Geschichte. Google Bard ist mittlerweile in mehr als 230 Ländern nutzbar und kann in 40 Sprachen zu einer Antwort aufgefordert werden. Der Dienst ist (noch) kostenlos und kann nur über den Browser aufgerufen werden, während es von ChatGPT auch eine kostenpflichtige Version mit zahlreichen Extras und eine mobile App gibt. Bei den beherrschten Programmiersprachen liegt Bard mit über 20 verschiedenen Möglichkeiten jedoch vor der Konkurrenz. Die Funktion ist in der Lage, Programmierer bei der Codegenerierung, der Codeerklärung und beim Debugging zu unterstützen.

Der Name Bard geht auf William Shakespeare zurück, der häufig als „Bard of Avon“ bezeichnet wird, auf Deutsch „Dichter (oder Sänger) von Stratford-upon-Avon“, dem Tauf- und Sterbeort Shakespeares.

Funktionsweise und Fähigkeiten von Bard

Bard funktionierte zunächst auf der Basis des Large Language Model (LLM) LaMDA, seit Mai 2023 auf PaLM 2. Der Chatbot kann ähnlich wie Menschen Dialoge führen und auf der Grundlage von Fragen oder Aufforderungen eigene Texte erstellen. Im Unterschied zu ChatGPT greift Bard nicht auf einen gespeicherten Datensatz zurück, sondern bezieht seine Informationen aus aktuellen Inhalten des Internets. Bei ChatGPT enden die Antworten mit Daten, die bis 2021 erfasst wurden. Das Google-Produkt ist also auf einem aktuelleren Stand als das Produkt von OpenAI, da es auf jede neu ins Netz gestellte Information zugreifen kann.

Bard zielt vor allem darauf ab, anstelle von Schlüsselwörtern für die Suche nach Informationen deutlich mehr natürlich-sprachliche Abfragen zu ermöglichen. Dementsprechend ist die KI des Chatbots auf natürlicher und menschlicher klingende Fragen und Antworten trainiert. Statt wie die Google-Suchmaschine nur eine Liste von Antworten bzw. Links anzuzeigen, liefert Bard Kontext zu seinen Antworten. Dies soll auch bei Folgefragen weiterhelfen.

Nutzer, die sich intensiv mit beiden Chatbots beschäftigt haben, berichten, dass es auch bei der Qualität der Antworten deutliche Unterschiede gibt. So liefert Bard wohl häufig besser lesbare und leichter zu verstehende Antworten, während ChatGPT flüssigere und intelligentere Rückmeldungen gibt, was das Erstellen von Inhalten oder das Verfassen von Gedichten betrifft.

Wie und wo kann Bard genutzt werden?

Wer Bard nutzen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein und über einen Google-Account verfügen. Falls man nicht ohnehin bereits im Browser eingeloggt ist, kann die Anmeldung über den eigenen Account auf der Website bard.google.com erfolgen. Die weiteren Schritte sind unkompliziert und intuitiv. In das Textfeld auf der Seite können Fragen, Wünsche, oder Aufforderungen eingegeben werden. Die Antwort erscheint relativ schnell.

Nutzer können sich die Antworten auch vorlesen lassen. Das soll unter anderem dabei helfen, die eigene Aussprache von Fremdwörtern zu optimieren. Inhalte lassen sich recht schnell teilen, indem man einen entsprechenden Link generiert. Chats können angepinnt werden, um sie später leicht wiederzufinden. Interessant ist auch die Möglichkeit, ein Bild hochzuladen und zu fragen, was darauf dargestellt ist, falls man mehr Informationen und Details wissen möchte.

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Schwachpunkte von Bard

„Bard liegt nicht immer richtig“ – Google stellt gleich zu Beginn klar, dass nicht alle Aussagen seitens der KI korrekt sein müssen.(Bild:  © Screenshot Google)
„Bard liegt nicht immer richtig“ – Google stellt gleich zu Beginn klar, dass nicht alle Aussagen seitens der KI korrekt sein müssen.
(Bild: © Screenshot Google)

Stand September 2023 gibt es in der deutschen Version jedoch noch einige Schwachpunkte, sei es sprachlicher oder faktischer Natur. Unter dem Eingabefeld warnt Google Bard selbst, dass nicht alles perfekt ist und die ausgegebenen Informationen fehlerhaft oder auch anstößig sein können und "nicht die Auffassung von Google widerspiegeln". Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn man sich einen rechtlichen, medizinischen, finanziellen oder anderen Rat einholen will. Man sollte sich hier nicht allein auf den Chatbot verlassen, sondern auch in anderen Quellen recherchieren.

Kritische Stimmen zu Bard

Die späte Einführung von Bard in der EU ist – wie oben bereits erwähnt – auf datenschutzrechtliche Bedenken zurückzuführen, die von der irischen Datenschutzkommission DPC geäußert wurden. Es hat wohl inzwischen eine Einigung zwischen der DPC und der irischen Tochtergesellschaft Google Ireland Ltd. gegeben, allerdings ist der Ablauf der Einigung nicht ganz transparent geworden.

Laut der deutschen Stiftung Datenschutz hätte es zunächst eine Folgenabschätzung geben müssen, um das Risiko von Bard für europäische Nutzer erfassen, beurteilen und eventuell verringern zu können. Hierüber herrscht bisher keine Klarheit, was als großes Problem angesehen wird, da die Nutzer im Umgang mit einem solchen KI-Chatbot so gut wie gar nicht geübt sind.

Die Schwierigkeit liegt darin, richtige Antworten von vielleicht ausgedachten zu unterscheiden. Ein blindes Vertrauen in die Antworten könnte die Meinungsbildung der Nutzer negativ oder in falscher Weise beeinflussen. Eine weitere Gefahr wird darin gesehen, dass Kinder sich über den Account der Eltern bei Bard einloggen und dort Dinge lernen, die vielleicht nicht stimmen.

Kritiker empfehlen zudem, keine vertraulichen und sensiblen Informationen preiszugeben, denn die könnten später von Mitarbeitern bei Google, die mit Prüfungen und Bearbeitungen beschäftigt sind, oder von anderen Dritten eingesehen werden. Google erfasst alle Aktivitäten auf Bard und speichert sie standardmäßig für 18 Monate. Diese Einstellung lässt sich von den Nutzern auf drei oder 36 Monate ändern. Dazu zählen auch die IP-Adresse des Nutzers, der Standort des Geräts sowie die Adresse, die im Google-Konto angegeben ist. Wie die Daten weiter verwertet werden, ist ebenfalls unklar.

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