AWS, Azure und zuletzt auch noch Cloudflare: Die jüngsten Ausfälle führen die digitale Abhängigkeit Europas schmerzlich vor Augen. Wir brauchen endlich eigene Infrastrukturen – mit digitalen Ökosystemen nach europäischen Sicherheitsstandards.
Die jüngsten Ausfälle zeigen die Dringlichkeit, dass Europa sich entscheidet: für mehr technologische Unabhängigkeit und Eigenkontrolle oder teure Abhängigkeit von wenigen Anbietern.
Drei spektakuläre Ausfälle in diesem Jahr innerhalb weniger Wochen. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden. Bei AWS war es ein DNS-Fehler, bei Azure eine fehlerhafte Richtlinie, bei Cloudflare eine überdimensionierte Konfigurationsdatei. Die Gemeinsamkeit: Interne Unregelmäßigkeiten potenzierten sich unkontrolliert durch hochkomplexe, global vernetzte Systeme.
Unsere Sicherheit steht auf dem Spiel!
In dieser Häufung mögen die Störungen Zufall sein. Doch sie verstärken allemal die Sorgen vor schwerwiegenden Blackouts. Wie sicher sind unsere globalen IT-Infrastrukturen wirklich? Vor allem zeigen die Vorfälle einmal mehr, wie verletzlich und abhängig wir in Europa sind. Abhängig von Tech-Riesen aus den USA oder China, die Cloud-, Sicherheits- und KI-Systeme monopolartig beherrschen.
Wer kontrolliert die digitalen Lebensadern Europas? Wer entscheidet über Verfügbarkeit, Zugriff und Datenhoheit? Die Antwort ist ernüchternd: nicht wir. Europa hat seine digitale Handlungsfähigkeit ausgelagert – an Konzerne, deren Entscheidungen wir weder beeinflussen noch vorhersehen können. Und an Regierungen und Gerichte, deren Interessen nicht zwangsläufig mit den unseren übereinstimmen.
Ohne Anbindung an globale Anbieter von Rechenzentrumsdiensten würden viele Unternehmen stillstehen. Und das Risiko beinhaltet nicht nur Ausfallzeiten, Umsatzverluste und verlorenen Daten. Wenn Banken ihre Kundendaten auf Servern in Virginia speichern; wenn die Nutzung von KI-Software jederzeit per Dekret eingeschränkt werden könnte; wenn ein technischer Fehler in einem US-Rechenzentrum europäische Behörden, Krankenhäuser und kritische Infrastrukturen lahmlegen kann – dann ist das weit mehr als Betriebsrisiko. Es ist ein gravierendes strukturelles Problem und eine ernsthafte Bedrohung für unsere Sicherheit.
Der Umkehrschluss ist klar: Wir brauchen mehr digitale Souveränität. Aber was bedeutet das strapazierte Schlagwort überhaupt, gerade mit Blick auf Cloud-Strategien? Letztendlich geht es darum, selbstbestimmt handeln zu können.
Europäische Unternehmen benötigen die technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, um alle Risiken der Cloud-Nutzung abwägen und darauf reagieren zu können. Ihrerseits müssen die Unternehmen ihre Cloud-Strategien stärker auf Faktoren wie Kontrolle und Abhängigkeiten ausrichten und nicht nur auf Kosten und Geschwindigkeit.
Drei Schritte zu souveränen Infrastrukturen
Noch fehlt es vor allem an der Basis: Erstens, mehr leistungsfähige Rechenzentren in Europa, die uns unabhängig(er) von Kapazitäten und Servern aus Übersee machen. Initiativen wie Gaia-X verfolgen den richtigen Ansatz. Aber sie müssen mit größerer Entschlossenheit, finanzieller Unterstützung und Nachhaltigkeit vorangetrieben werden. Es braucht eine redundante, dezentrale Architektur mit verteilten Datenknoten, um Ausfälle und Angriffe abzufedern. Eine breite, gemeinsame europäische Basis statt monolithischer Strukturen. Eigene Datenräume, betrieben in Europa, nach europäischem Recht.
Zweitens benötigen wir eigene KI-Modelle und Trainingsdaten, hier entwickelt und kontrolliert. Der Zugang zu Wissen, Innovation und Wertschöpfung darf nicht von Anbietern außerhalb unserer Kontrolle abhängen.
Unverzichtbar sind drittens einheitliche, verbindliche Sicherheits- und Identitätsstandards. Nur so lassen sich europäische Daten und KI-Systeme wirksam vor Manipulationen schützen. Dazu ist an vielen Stellen ein Umdenken nötig. Klassischer Perimeterschutz reicht längst nicht mehr aus: Bedrohungen können an jeder Stelle auftreten, auch innerhalb des eigenen Netzwerks. Die Zukunft liegt in Zero-Trust-Modellen, durchgängiger Verschlüsselung und einem Zugriffsmanagement, das auf Identitäten basiert. Jede Aktion und jeder Akteur muss kontinuierlich verifiziert werden.
Wie ein europäisches digitales Ökosystem Wirklichkeit wird
Diese Transformation kann niemand allein stemmen. Nötig ist eine länderübergreifende Anstrengung. Das Ziel muss ein europäisches digitales Ökosystem sein – mit einheitlichen Datenräumen, vollständiger Datenhoheit, souveränen Cloud-Strukturen und vertrauenswürdiger KI. Die technologische Basis dafür sind Plattformtechnologien. Sie vereinen verschiedenste Dienste unter dem Dach eines einheitlichen Sicherheits- und Governance-Modells. So kann eine konsolidierte Architektur entstehen, beispielsweise in Form einer SuperApp, in der sich Unternehmen, Kommunen oder Privatnutzer gleichermaßen sicher bewegen.
Stand: 08.12.2025
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Entsprechende Lösungen gibt es bereits – entwickelt in Europa, betrieben nach europäischem Recht. Die Technologie für hochsichere, regelkonforme digitale Ökosysteme ist also da. Was bisher noch fehlt, sind Selbstbewusstsein und politischer Wille. Statt Milliarden für US-Lizenzen auszugeben, braucht es Investitionen in europäische Infrastrukturen, Forschung und Fachkräfte. Und es braucht einen regulatorischen Rahmen, der europäische Anbieter fördert.
Die jüngsten Ausfälle haben gezeigt: Internet und Cloud sind nur so stabil wie die Infrastrukturdienstleister, auf die sie aufbauen. Für Europa bedeutet das eine existenzielle Entscheidung. Entweder wir übernehmen jetzt die Kontrolle – oder wir akzeptieren, dass unsere (wirtschaftliche) Handlungsfähigkeit vom Wohlwollen externer Akteure abhängt.
Die Kosten für eigene Infrastrukturen sind hoch. Aber die Kosten der Abhängigkeit sind höher – und sie steigen mit jedem Ausfall, mit jeder geopolitischen Verschiebung. Weiteres Zögern können wir uns nicht leisten. Wir haben in Europa das Know-how, die technischen Grundlagen und ein gemeinsames Werteverständnis. Wenn wir alles zusammenbringen und endlich von der Theorie in die Umsetzung kommen, haben wir eine realistische Chance auf digitale Souveränität.
* Der Autor Ismet Koyun ist Pionier für digitale Identität und Sicherheit. Mit 18 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, hat er kurz darauf Kobil gegründet und zu einem Weltmarktführer für digitale Identitäts- und Sicherheitslösungen entwickelt. Sein Fokus liegt auf sicheren, autarken digitalen Ökosystemen für ein digital unabhängiges und sicheres Deutschland.
Bildquelle: Kobil
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Eine hochsichere Super-App-Plattform wie etwa OneApp4All von Kobil ist ein digitales Ökosystem, das auf starken Identitäts-, Verschlüsselungs- und Compliance-Standards basiert. Alle digitalen Dienste werden unter einem einheitlichen Sicherheits- und Governance-Modell gebündelt. Die Plattform bietet Städten, Kommunen und Unternehmen die Möglichkeit, eigene, souveräne Infrastrukturen zu betreiben – mit durchgängiger Datenhoheit und überprüfbarer Sicherheit.
Technologische Grundlagen: Moderne SuperApp-Plattformen setzen auf verifizierte digitale Identitäten mit flexibler Authentifizierung – von einfachen Logins bis zur mehrstufigen Verifizierung. Zero-Trust-Architekturen prüfen kontinuierlich jede Interaktion. Geschlossene Sicherheitskonzepte mit mehreren Schutzschichten und Verschlüsselung nach Advanced Encryption Standard schützen kritische Daten.
Regelkonformität: Europäische SuperApp-Lösungen müssen Regularien wie Datenschutz-Grundverordnung, Onlinezugangsgesetz 2.0 und eIDAS-Verordnung erfüllen. Der modulare Aufbau ermöglicht die Integration verschiedener Dienste – von Verwaltungsanwendungen über sichere Zahlungsfunktionen bis zu verschlüsselter Kommunikation und Dokumentenmanagement.