Bitkom formuliert Positionspapier zu Rechenzentren

Deutsche Rechenzentren leiden unter Standortnachteilen

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Hohe Stromkosten, ungenutzte Wärmepotenziale und schrumpfende Weltmarktanteile bremsen deutsche RZ-Betreiber aus.
Hohe Stromkosten, ungenutzte Wärmepotenziale und schrumpfende Weltmarktanteile bremsen deutsche RZ-Betreiber aus. (Bild: gemeinfrei - Kewl/Pixabay / Pixabay)

Im internationalen Vergleich haben deutsche Rechenzentren hohe finanzielle Zusatzbelastungen durch die Energiewende und stehen vor der ungelösten Frage der Abwärmenutzung. Und trotz steigender Investitionen am Standort Deutschland sinken die Anteile gegenüber konkurrierenden Märkten in Europa, USA und Asien.

Alles Standortnachteile, wie der IT-Branchenverband Bitkom kritisiert, und fordert bessere Rahmenbedingungen. Rechenzentren sind schließlich ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und Treiber für die digitale Transformation in Deutschland. An den deutschen Standorten arbeiten 130.000 Beschäftigte, weitere 80.000 Jobs hängen indirekt an der Branche. Die auf funktionierende Rechenzentren angewiesene Internetwirtschaft erzielt allein in Deutschland einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Euro jährlich. Angesichts der ökologischen und marktwirtschaftlichen Herausforderungen hat Bitkom das Positionspapier „Rechenzentren – ein Grundpfeiler der Digitalisierung“ vorgelegt.

Darin sind die Ziele formuliert, Rechenzentren von der Ökostrom-Umlage zu befreien und bessere Rahmenbedingungen zur Einspeisung von Abwärme in die Fernwärmenetze zu schaffen. Demnach stellt die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage eine massive Benachteiligung deutscher Rechenzentren dar, die im internationalen Vergleich ein Vielfaches der Stromkosten zahlen müssen. Die Stromkosten machten oft mehr als die Hälfte der Betriebskosten aus, erklärt Roman Bansen, Experte für IT-Infrastrukturen beim Bitkom. Deshalb sollten Rechenzentren „als Rückgrat der Digitalisierung und Grundpfeiler digitaler Souveränität“ in die Liste der stromkosten- oder handelsintensiven Branchen aufgenommen werden, um international faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Zudem solle die Politik bessere Rahmenbedingungen für eine klimafreundliche Energienutzung schaffen. Der Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland beträgt derzeit gut zwölf Milliarden Kilowattstunden pro Jahr – das ist in etwa so viel wie die Millionenstadt Berlin jährlich verbraucht. Bei dem stromintensiven Betrieb entstehen große Mengen Abwärme, die bislang ungenutzt freigesetzt werden.

„Die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union fordert eine bessere Abwärmenutzung. Für Betreiber von Fernwärmenetzen sollten regulatorische Anreize geschaffen werden, um die Wärme aus Rechenzentren abzunehmen, sofern dies wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist“, sagt Bansen. Es wäre sinnvoll, wenn große Abnehmer wie Hotels oder Schwimmbäder diese Abwärme aus Rechenzentren günstig beziehen könnten, statt wie bisher teure Primärenergie für Heizung und Warmwasser einzukaufen. „Das würde einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei der Wärmeversorgung leisten“, so Bansen.

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