Amazon Web Services (AWS) plant Investitionen in Milliardenhöhe in Deutschland. Jeffrey Kratz, Vice President, Worldwide Public Sector Industry International Sales bei AWS, erklärt im Interview, was es damit auf sich hat und wie er zum digitalen Wandel in Deutschland beitragen möchte.
Jeffrey Kratz, Vice President, Worldwide Public Sector Industry International Sales bei AWS.
Amazon Web Services (AWS) kündigte Pläne an, diverse hohe Geldsummen in Deutschland zu investieren. Dabei fließen 8,8 Milliarden Euro in die AWS Europa Region in Frankfurt und 7,8 Milliarden Euro in die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg. Das bedeutet zunächst ein Gewinn von 15,4 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren. Bis 2040 wird allein durch die European Sovereign Cloud etwa 17,2 Milliarden Euro Profit erwartet.
Was steckt hinter den hohen Investitionsmengen?
Weshalb gerade Deutschland von dem Milliardengeschäft profitieren darf und welche Auswirkungen das auf die Infrastruktur im Land hat, erklärt Jeffrey Kratz, Vice President, Worldwide Public Sector Industry International Sales bei AWS, ganz einfach: „Überall auf der Welt investieren wir in Rechenzentren – und das bereits seit 2006. Wir investieren in die Infrastruktur, in Schulungen und Ausbildungen und vieles mehr. Der Grund, weshalb wir gerade in Deutschland Investitionen tätigen ist, dass wir Deutschland als das Herz für Innovationen in Europa sehen.“
Über 13 Jahre ist Kratz nun schon involviert – seit die AWS Europa Region in Frankfurt eröffnete. Dabei erzählte er, wie inspiriert sie in das Innovationsgeschehen in Deutschland seien: „Wir sind mehr als bereit, Deutschland dahingehend zu unterstützen. Wir sehen ein großes Potenzial in generativer KI, in der Digitalisierung und in der Cloud. Aktuell entfallen noch 85 Prozent der globalen IT-Ausgaben auf lokale On-Premise Lösungen. Die Nachfrage nach Cloud-Kapazitäten wächst aber rasant. Wir wollen das fördern und einen Beitrag zur wachsenden digitalen Infrastruktur leisten.“ Cloud Computing ist dabei stark im Kommen. Auch die Region in Frankfurt wuchs enorm. Deshalb hat sich AWS dazu entschieden, diese weiter auszubauen, den Wachstum und den Fortschritt beizubehalten und neue Dienstleistungen einzubringen, wodurch wieder neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
„Mit unseren Investitionen stärken wir die lokale Wirtschaft. Dabei streben wir positive Veränderungen an und unterstützen so über 15.000 Vollzeitstellen“, sagt Kratz. Laut der veröffentlichten Studie „AWS Economic Impact Study“ wird die geplante Investition die Region Frankfurt, genau genommen sogar (voraussichtlich) 15.200 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze in lokalen deutschen Unternehmen pro Jahr unterstützen.
Jedes Jahr nutzen etliche aktive Kunden in Deutschland die Dienstleistungen von AWS, um die digitale Transformation zu beschleunigen. Deshalb möchte sich AWS mehr auf die Bedarfe ihrer Kunden konzentrieren. Im Bereich der Wirtschaft konnte Deutschland bereits in den vergangenen Jahren von den Vorteilen der Investition von 2014 bis 2023 profitieren: Die Studie zeigte, dass mit einer Steigerung von 18,4 Milliarden Euro in die deutsche Wirtschaft über 5.900 Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. In einer weiteren Studie – die Gallup-Studie von 2022 – hieß es, dass rund 244 Millionen Euro in das Bruttoinlandsprodukt und etwa 5,9 Billionen Euro jährlich in die globale Wirtschaft durch höhere Einkommen und Produktivität fließen.
Da etwa 70 Prozent der deutschen Unternehmen mit dem Fachkräftemangel im Bereich der Digitalkompetenz kämpfen, wird deutlich, dass auch digitale Kompetenzen wesentlich zur Wirtschaft beitragen. Teil des Plans ist deshalb die Vorbereitung zukünftiger Generationen durch die Stärkung der Cloud-Belegschaft: Dafür wird in Aus- und Weiterbildungsprogramme investiert, um Tech-Arbeitskräfte in Deutschland zu qualifizieren. Beispiele hierfür sind die Ausbildungsprogramme in Frankfurt, die in Zusammenarbeit mit der Siemens AG stattfinden und die erste nationale Cloud-Computing-Zertifizierung als „Cloud Business Expert“ in Zusammenarbeit mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer.
Wie wird der öffentliche Sektor mit der European Sovereign Cloud gestärkt?
Die AWS European Sovereign Cloud ist eine unabhängige Cloud für Europa und bietet ein Paket an Services, das vor allem dem öffentlichen Sektor helfen soll, die Anforderungen an die digitale Souveränität zu meistern. Da die Cloud dieselbe API (Application Programming Interface) nutzt und bereits auf der AWS-Infrastruktur aufbaut, steht das Angebot nur AWS-Kunden zur Verfügung. Diese erhalten mit den verfügbaren Services Zugriff auf Datenbanken, -verarbeitung, -speicherung und Analytics, maschinelles Lernen (ML) und künstliche Intelligenz (KI), Netzwerke, mobile Applikationen, Entwickler-Tools, Internet of Things (IoT), Sicherheit und Unternehmensanwendungen.
Vorteile der European Sovereign Cloud liegen besonders in der Kosteneffizienz und in der Zeiteinsparung: Das Leukämielabor in München konnte beispielsweise seine Krebsdiagnosen um bis zu 17 Stunden schneller durchführen.
Stand: 08.12.2025
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Schließlich soll die erste Region für die AWS European Sovereign Cloud Ende 2025 in Brandenburg entstehen. Mit ihr profitieren Hilfsorganisationen, Bildungseinrichtungen, Gesundheitswesen und die Regierung in Deutschland.
Weltweit nutzen Regierungen die Cloud, um Verwaltungsdienstleistungen für Bürger zu digitalisieren. Statt langer Wartezeiten vor Ort können so Anträge wie Kfz-Zulassungen oder Baugenehmigungen bequem digital gestellt werden. Damit werden effiziente Wege gestaltet, um auf die Belange der Bürger und Bürgerinnen zu reagieren. Weitere Ziele decken die Arbeit an Nachhaltigkeitskonzepten ab: Die Bahn setzt beispielsweise auf die Cloud, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und über 34.000 Kilometer Schiene sicher zu halten. „Dabei nutzen sie Live-Daten auf verschiedenen Machine-Learning-Modellen für eine positive Klimabilanz oder um ihre Funktionsweise zu verbessern“, erklärte Kratz.
Auch im Bildungsbereich treibt der öffentliche Sektor die Digitalisierung und Automatisierung sicher mit der Cloud voran. Die Max-Planck-Gesellschaft tauscht mithilfe der Cloud Forschungsdaten sicher und effizient zwischen ihren 86 Instituten aus.
Aktuelle Herausforderungen sieht Jeffrey Kratz in der Zeit: „Wir verbringen sehr viel Zeit damit, unseren Kunden bei der digitalen Transformation zu helfen, wie in der Cloud-Migration. Dabei sehe ich die Vorteile in der Sicherheit – etwas, worauf wir seit Tag eins fokussiert sind. Ich sehe den Nutzen auch in der Resilienz, den Kosteneinsparungen und der Flexibilität.“ Er unterstützt Sektoren und Unternehmen Daten zu bewegen, von einem System in das andere ohne dabei die Kontinuität des Betriebs zu stören. Auf Seiten der Betriebe weiß Kratz auch um deren Herausforderung: „Macht es denn eigentlich Sinn, zur Cloud zu wechseln?“
„Wir haben über 300 verschiedene Sicherheitstools, sodass die Kunden weiterhin schnell und agil arbeiten können.“ Die Kontinuität des Geschäftsbetriebs ist entscheidend, oft lassen sich bestehende Systeme nicht einfach abschalten. Ein wichtiger Aspekt ist daher genau zu analysieren, welche Anwendungen und Daten sinnvoll in die Cloud migriert werden sollten und welche nicht.
Ein Kunde soll zum Beispiel über 1.200 Anwendungen im Ministerium betreiben. Kratz führte aus, dass es bei einigen Anwendungen Sinn ergeben würde, sie in die Cloud zu migrieren: „Die Anwendungen werden in den nächsten Jahren vielleicht eingestellt, aber sie wollen die Daten behalten und schützen.“ Dabei muss man solche Entscheidungen mit Bedacht treffen und sich vorerst fragen, wie die Daten archiviert werden. „Viele benötigen Unterstützung bei dem Prozess. In dieser Hinsicht arbeiten wir intensiv an der Migrationsplanung, daran, den Beteiligten ihre Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zu vermitteln und ihnen aufzuzeigen, wo unsere liegen.“
Pläne in der Zukunft
„Tatsächlich beruhen etwa 95 Prozent unserer technischen Roadmap auf dem Feedback unserer Kunden.“ Die restlichen 5 Prozent ergeben sich aus der Analyse von Daten dazu, was die Zielgruppen in Berlin, Bonn und anderen Städten benötigen. „Wir werden weiterhin innovativ sein, insbesondere im Bereich der generativen KI mit Amazon Q und investieren in Schulungsprogramme, um die Talente von morgen auszubilden. Denn eine unserer zentralen Anliegen ist die Förderung der jungen Generation – unserer zukünftigen Experten.“
Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal eGovernment.