Cloud, On-Premises oder Hybrid IT-Architekturen im Spannungsfeld von Governance und Technologie

Von Alexander Mauch* 3 min Lesedauer

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Cloud oder nicht Cloud? Die Architekturfrage ist längst eine Governance-Frage – mit Folgen für Compliance, Sicherheit und Innovationskraft. Deswegen muss die technologische Antwort so differenziert sein, wie es die Daten- und Anforderungsvielfalt erfordern.

Die Wahl zwischen Cloud, On-Prem und Hybrid ist keine reine Technikfrage, sondern folgt Schutzbedarf, Compliance und Skalierungszielen. Hybrid ist dabei Strategie, nicht Kompromiss.(Bild: ©  kvladimirv - stock.adobe.com)
Die Wahl zwischen Cloud, On-Prem und Hybrid ist keine reine Technikfrage, sondern folgt Schutzbedarf, Compliance und Skalierungszielen. Hybrid ist dabei Strategie, nicht Kompromiss.
(Bild: © kvladimirv - stock.adobe.com)

Was früher eine reine Entscheidung der IT-Abteilung war, ist heute ein strategisches Unterfangen: Wie Unternehmen ihre Daten speichern, verarbeiten und absichern, beeinflusst nicht nur ihre Technologie – sondern auch Governance, Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsposition. Wer sich heute für eine Infrastruktur entscheidet, stellt damit Weichen für Kontrolle, Innovationsfähigkeit, Skalierbarkeit – und nicht zuletzt für die Einhaltung von Regulierungsvorgaben.

Governance statt Gießkanne

Einfach gesprochen: Daten sind nicht gleich Daten – und Infrastrukturen sind keine Einheitslösung. Wer seine IT-Infrastruktur strategisch aufstellen möchte, muss zunächst wissen, welche Daten welchen Schutzbedarf haben, wie dynamisch die Nutzung erfolgt und welche regulatorischen Vorgaben gelten.

Governance bedeutet hier: Zugriffe steuern, Verantwortlichkeiten klären, Transparenz schaffen. Allerdings gilt auch: Jede noch so gute Governance-Richtlinie bleibt ohne passende IT-Architektur wirkungslos.

Geschwindigkeit mit Fußnoten

Wer flexibel skalieren will, neue Anwendungen in Tagen launchen möchte oder etwa Machine Learning on-demand braucht, kommt an der Cloud kaum vorbei. Dienste wie Azure, AWS oder Google Cloud liefern Rechenleistung, Storage und Tools direkt per Mausklick. Doch die Sache hat Haken: Die Daten landen nicht selten in ausländischen Rechenzentren – samt rechtlicher Unsicherheit (Stichwort: Cloud Act). Auch die Frage, wie viel Kontrolle Unternehmen über ihre Daten behalten und ob Multi-Tenant-Umgebungen der Compliance-Strategie standhalten, ist alles andere als trivial.

Kontrolle kann man nicht outsourcen

On-Premises steht wiederum für maximale Kontrolle, vollständige Souveränität und höchste Sicherheit. Deswegen setzen vor allem Unternehmen mit hohen Datenschutzanforderungen, KRITIS-Relevanz oder tief integrierten Legacy-Systemen nach wie vor auf lokale Rechenzentren.

Drei Architekturmodelle, viele Entscheidungskriterien.(Bild:  pmOne)
Drei Architekturmodelle, viele Entscheidungskriterien.
(Bild: pmOne)

Wer die volle Hoheit über Daten, Systeme und Zugriffe behalten will, kommt hier auf seine Kosten – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn On-Prem ist CapEx-lastig, wartungsintensiv und verlangt internes Know-how. Allerdings führt in manchen Fällen kein Weg daran vorbei: Wer regulatorisch nichts riskieren will oder lokale Gesetze strikt einhalten muss, für den ist On-Prem keine nostalgische Fallback-Option, sondern ein zentraler Stabilitätsfaktor.

Hybrid: Die Mischung macht’s?

Viele Unternehmen entscheiden sich inzwischen für eine hybride Architektur – aus gutem Grund: nicht alles gehört in die Cloud, und nicht alles muss vor Ort bleiben. Hybride Modelle ermöglichen es, sensible Daten lokal zu halten und gleichzeitig skalierbare Cloud-Ressourcen für Analysen, Entwicklung oder saisonale Peaks zu nutzen. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber teilweise recht komplex: unterschiedliche Plattformen bedeuten unterschiedliche Sicherheitslogiken, Zugangskonzepte, Governance-Mechanismen. Ohne klare Richtlinien und zentrale Steuerung wird die Hybrid-Cloud schnell zum Hybrid-Chaos. Eine grundlegende Regel lautet daher: Wer hybrid fährt, braucht Governance mit Übersicht.

Die folgenden vier typischen Szenarien zeigen, dass Hybrid eben kein Kompromiss ist, sondern eine anforderungskonforme Strategie:

  • Analyse in der Cloud, Verarbeitung On-Prem: Ideal für produktionsnahe Daten mit Analysebedarf.
  • Kritische Daten lokal, Office und CRM in der Cloud: Klare Trennung abhängig vom Schutzbedarf.
  • Legacy vor Ort, neue Services in der Cloud: Ermöglicht schrittweise Modernisierung.
  • Disaster Recovery aus der Cloud: Mehr Resilienz, weniger Aufwand.

Mit den richtigen Fragen zur passenden Technologie

Das Thema IT-Architektur ist also durchaus vielschichtig und die Entscheidung über die richtigen Strukturen will gut überlegt sein. Bevor Unternehmen Architekturmodelle auswählen, sollten sie (schonungslos) diese Fragen beantworten:

  • Welche Daten unterliegen welchen regulatorischen Anforderungen?
  • Wo ist Skalierbarkeit wichtiger als physische Kontrolle?
  • Welche Anwendungen müssen wirklich hochverfügbar sein – und welche dürfen tatsächlich niemals offline gehen?
  • Wie flexibel muss Ihre Infrastruktur auf Marktveränderungen reagieren können?
  • Haben Sie intern überhaupt die Ressourcen für Betrieb, Monitoring und Compliance – oder brauchen Sie Partner?

Governance als Richtschnur

Klar ist: Die IT-Welt ist eben nicht entweder Cloud oder On-Prem, sondern gestaltet sich äußerst differenziert. Governance ist hierbei als Leitplanke erforderlich, damit die IT-Architektur kein reiner Selbstzweck wird. Denn letztlich ist entscheidend, dass die Infrastruktur zur Governance-Strategie passt und nicht nur zum neuesten Technologietrend.


* Der Autor Alexander Mauch ist Director D&A Consulting bei der pmOne Group. Als studierter Wirtschaftsingenieur bringt er fundierte Expertise in der Prozessautomatisierung und IT-Beratung sowohl für Konzerne als auch für kleine und mittelständische Unternehmen mit.

Bildquelle: pmOne

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