Bitkom Cloud Report 2023 Cloud-Nutzung wird rasant zunehmen

Von David Binnig

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Laut einer Bitkom-Studie will die Mehrheit der Unternehmen in fünf Jahren den Großteil der IT-Anwendungen aus der Cloud beziehen. Außerdem erhält jedes dritte Unternehmen über die Cloud Zugang zu Technologien wie Künstlicher Intelligenz.

Schon heute nutzen neun von zehn Unternehmen in Deutschland Cloud-Anwendungen. (©  metamorworks - stock.adobe.com)
Schon heute nutzen neun von zehn Unternehmen in Deutschland Cloud-Anwendungen.
(© metamorworks - stock.adobe.com)

Die Cloud-Computing-Branche hat sich in Deutschland etabliert und wird weiter wachsen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom planen 56 Prozent der Unternehmen, in den nächsten fünf Jahren mehr als die Hälfte ihrer IT-Anwendungen in der Cloud zu betreiben. Aktuell nutzen nur 15 Prozent der Unternehmen Cloud-Lösungen zu einem solch großem Anteil. 54 Prozent Unternehmen gaben an, in diesem Jahr in Cloud-Lösungen zu investieren, während 69 Prozent dies für 2024 oder später planen. Die Nutzung von Cloud Computing ist weit verbreitet. So nutzen 89 Prozent der Unternehmen bereits die Cloud, weitere 8 Prozent planen oder diskutieren es. Lediglich für 3 Prozent der befragten Unternehmen ist die Cloud kein Thema.

Der Weg in die Cloud ist variabel

Dabei gibt es verschiedene Strategien bei der Cloud-Nutzung. 11 Prozent der Unternehmen haben eine Cloud-only-Strategie, bei der alle Anwendungen und Systeme in der Cloud genutzt werden. 36 Prozent setzen auf „Cloud first“, was bedeutet, dass bei neuen Projekten bevorzugt Cloud-Lösungen verwendet werden und bestehende Anwendungen bei Bedarf in die Cloud migriert werden. Für 35 Prozent der Unternehmen gilt „Cloud too“ als präferierte Strategie, was eine teilweise Ergänzung bestehender IT-Lösungen um Cloud-Anwendungen bedeutet. Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer bei Bitkom kommentiert, dass inzwischen fast die Hälfte aller Unternehmen bei neuen IT-Projekten Cloud-Lösungen bevorzugen würde. Dies sei auch ein klares Signal an die Software-Anbieter, die ihr Angebot teilweise noch anpassen müssten.

Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer bei Bitkom(Bild:  Bitkom e.V.)
Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer bei Bitkom
(Bild: Bitkom e.V.)

Die am häufigsten genutzten Cloud-Angebote in Unternehmen sind Speicherplatz (92 %), Webkonferenzlösungen (76 %), Rechenleistung für verschiedene Anwendungen und Office-Software (je 73 %) sowie Software für Personal-, Buchhaltungs- und Finanzplanung (72 %). Darüber hinaus werden auch cloud-basierte Datenbanken (60 %), ERP-Systeme (30 %), IoT-Dienste (37 %) und KI-Dienste (32 %) aus der Cloud genutzt.

Nachhaltigkeit und Kostenkontrolle haben Priorität

Die Hauptziele der Unternehmen bei ihren Cloud-Aktivitäten sind Kostensenkung (64 %) und Reduzierung der CO2-Emissionen (63 %). Eine Mehrheit von 57 Prozent plant außerdem die Umstellung auf Plattformen und Software-as-a-Service, um die IT-Sicherheit zu erhöhen. Weitere Ziele sind die Zusammenarbeit mit Dritten (49 %), die Digitalisierung interner Prozesse (46 %) und die Entwicklung innovativer Produkte oder Dienstleistungen (43 %).

Gleichzeitig gibt es aber auch Zweifel. 57 Prozent aller Unternehmen sind der Meinung, dass sich durch Cloud Computing Energie und Ressourcen sparen lassen. 59 Prozent meinen, durch Cloud Computing werde die Erstellung von Nachhaltigkeits-Reportings vereinfacht. Auf der anderen Seite beklagen 48 Prozent aber, dass der Energie- und Ressourcenverbrauch beim Cloud Computing zu intransparent ist und drei Viertel (76 %) sagen, dass Cloud Computing durch die einfache Skalierbarkeit dazu führt, dass Software immer ressourcenhungriger programmiert wird.

Cloud Computing wird an Bedeutung gewinnen und dazu braucht es leistungsfähige, gut angebundene und sichere Rechenzentren. Wenn wir den Betrieb von Rechenzentren in Deutschland durch unrealistische Auflagen wie zum Beispiel einer Pflicht zur Einspeisung von Abwärme in nicht vorhandene Fernwärmenetze verhindern, schwächen wir unsere digitale Souveränität.

Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer bei Bitkom.

Ohne qualifiziertes Personal geht es nicht

Der Fachkräftemangel wird als größte Hürde für Cloud-Projekte genannt (65 %), gefolgt von fehlender Zeit (53 %), komplexen Migrationsaufgaben (52 %) und hohem Investitionsbedarf (50 %). Die Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz sind ebenfalls relevant, einschließlich Anforderungen an IT-Sicherheit (59 %), Datenschutz (56 %) und regulatorischen Bedingungen (51 %). Trotzdem geben 64 Prozent der Unternehmen an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten keine Cyberangriffe auf ihre Cloud-Umgebung hatten, und nur 1 Prozent meldet Schäden durch solche Angriffe.

Für Unternehmen, die Cloud Computing nutzen, ist der Standort des Rechenzentrums des Cloud-Anbieters wichtig. 93 Prozent bevorzugen ein heimisches Rechenzentrum in Deutschland. Die europäische Cloud- und Daten-Initiative Gaia-X ist für 46 Prozent der Unternehmen interessant, wobei 17 Prozent bereits konkrete Pläne haben, Gaia-X-konforme Dienste zu nutzen. Nach Rohleder könnten diese einen wichtigen strategischen Beitrag leisten, um Deutschland und Europa in den Bereichen Cloud, Edge und Datenökonomie voranzubringen. Entscheidend sei dabei aber, dass möglichst schnell Gaia-X konforme Lösungen am Markt verfügbar werden. Außerhalb von Europa können sich auch einige Unternehmen vorstellen, ihre Standorte in den USA , Japan oder Indien aufzuziehen. China und Russland kommen dagegen nicht in Frage.

Fazit

Die Ergebnisse der Umfrage deuten darauf hin, dass Cloud Computing in Deutschland immer beliebter wird und Unternehmen in Zukunft verstärkt auf Cloud-Lösungen setzen möchten. Es bestehen jedoch noch Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Fachkräftemangel, Sicherheitsbedenken und Datenschutz. Dennoch sehen viele Unternehmen in der Cloud eine Möglichkeit, Kosten zu senken, nachhaltiger zu agieren und Zugang zu innovativen Technologien zu erhalten.

Zur Methodik der Studie

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 554 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

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