Zur Rolle der öffentlichen IT-Dienstleister Cloud-Nutzung im Public Sector: Ziele und Hürden

Von Nicola Hauptmann 4 min Lesedauer

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Welche Ziele verfolgen die öffentlichen Verwaltungen mit der Cloud-Nutzung und welche Hindernisse sehen sie? Eine aktuelle Studie vergleicht die Sichtweisen auf Bundes- und Landesebene sowie in den Großstädten.

Eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung von Cloud-Diensten in der öffentlichen Verwaltung sind cloudfähige Fachanwendungen.(© MuhammadHafiz – stock.adobe.com)
Eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung von Cloud-Diensten in der öffentlichen Verwaltung sind cloudfähige Fachanwendungen.
(© MuhammadHafiz – stock.adobe.com)

Seit Mitte Januar läuft das Umsetzungsprojekt zur Deutschen Verwaltungscloud (DVC). Die Genossenschaft der öffentlichen IT-Dienstleister govdogital eG entwickelt im Auftrag der FITKO ein zentrales Cloud-Service-Portal, um künftig sowohl Cloud-Services der öffentlichen IT-Dienstleister bereitstellen als auch private Marktangebote einbinden zu können. Dabei kann auf Vorarbeiten aufgesetzt werden: Zentrale Strukturen der DVC wie das Cloud-Service-Portal und das dazugehörige Identity-and-Access-Management sind bereits in Form eines MVP erprobt.

Parallel wird ein verteiltes Kubernetes-Cluster aufgebaut, in dem vor allem relevante Anwendungen der öffentlichen Hand betrieben werden können. Es soll die Rechenzentren der Genossenschaftsmitglieder verbinden und hohe Souveränität und Resilienz der Betriebsumgebung gewährleisten. Seit Ende 2023 läuft zudem die Ausschreibung für einen Cloud Broker, der Cloud-Leistungen vom Markt zur Nutzung bereitstellen soll – von souveränen europäischen Anbietern wie auch von internationalen Hyperscalern.

Cloud-Nutzung: der Stand

Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis alle Vorhaben umgesetzt sind und die Deutsche Verwaltungscloud Realität ist. Die öffentlichen Verwaltungen brauchen und nutzen aber bereits jetzt Cloud-Anwendungen. Welche Ziele sie dabei verfolgen, aber auch, welche Hemmnisse sie sehen, hat eine Studie von msg systems näher untersucht. In der inzwischen fünften Studie zur IT-Konsolidierung der öffentlichen Verwaltung wurden zusätzliche Fragen zu Cloud-Anwendungen mit aufgenommen, weil das Thema inzwischen so wichtig ist. Dabei bildet die Studie jeweils die Sicht der Bundesbehörden, Landesbehörden und der Verwaltungen der Großstädte ab.

Zunächst wurde nach der aktuellen Nutzung von IT-Services aus einer Cloud-Umgebung gefragt. Bei den Bundesbehörden lag der Anteil der Nutzenden mit 56 Prozent vergleichsweise hoch, in den Expertengesprächen im Rahmen der Studie wurde jedoch ausgesagt, dass noch keine „echten Cloud-Dienste“ genutzt würden. Die Studienautoren vermuten daher, dass bei den Antworten auch kleinere Online-Tools mitgezählt wurden. Ähnlich bei den Großstädten, auch hier ließ sich der Anteil von 48 Prozent in den Gesprächen nicht belegen. Anders dagegen bei den Landesbehörden, wo der Nutzeranteil von 42 Prozent nach den Expertengesprächen plausibler erschien.

Ziele der Cloud-Nutzung

Mit der Cloud-Nutzung verfolgen die jeweiligen Behörden jeweils unterschiedliche (Haupt)Ziele: Bei den Bundesbehörden stehen höhere Verfügbarkeit und Skalierbarkeit im Vordergrund (jeweils 44 %), auf Landesebene ebenfalls (mit 34 bzw. 33 %). Mit der Sicherstellung von Skalierbarkeit und Resilienz der Betriebsumgebung durch das Kubernetes Cluster unterstützen die Vorhaben zur Deutschen Verwaltungscloud also wichtige Ziele der Anwender auf Bundes- und Landesebene. Für die Länder spielt zudem das Thema Modernisierung und Innovationsschub eine wichtige Rolle, 34 Prozent nennen dies als zentrales Ziel. Bei den Großstädten sind es sogar 45 Prozent, gefolgt von dem Ziel, IT-Sicherheit und Datensicherheit zu verbessern (41 %).

Aber auch, bei welchen Dienstleistern die Verwaltungen Cloud-Kapazitäten nutzen, war Gegenstand der Untersuchung. In erster Linie sind das die öffentlichen IT-Dienstleister, in der Bundesebene liegt ihr Anteil bei 47 Prozent, auf Landesebene bei 44 Prozent und in den Großstädten bei 38 Prozent. Letztere nutzen zudem mit 29 Prozent am häufigsten von allen Befragten die Angebote von Hyperscalern.

Was die Cloud-Nutzung bremst

Welche Faktoren hemmen die Nutzung von Cloud-Diensten? Auf Bundesebene rangieren noch immer Sicherheitsbedenken an erster Stelle, auch für 42 Prozent der Länder ist das ein Problem. Für die Befragten in den Großstädten ist die Abhängigkeit von öffentlichen Dienstleistern das zentrale Hemmnis (41 %).

Interessant sind in diesem Zusammenhang aber auch die Antworten auf die Frage, welche Hemmnisse generell bei der Auslagerung von IT-Diensten an die IT-Dienstleister gesehen werden. Hier wurden von den Experten aus den Verwaltungen insbesondere lange Lieferzeiten, aber auch zu wenig innovative Angebote genannt.

Die Studienautoren gehen auch auf die Neugestaltung des Geschäftsmodells der öffentlichen IT-Dienstleister ein. Im Rahmen der Verwaltungscloud, die ja als Multicloud konzipiert ist, bereiteten sich öffentliche IT-Dienstleiste auf ihre Rolle als Cloud-Broker vor; künftig werde die Beratung mehr im Vordergrund stehen, nicht mehr der IT-Betrieb, so die Annahme.

Auf die Änderungen der Geschäftsmodelle hat Martin Schallbruch, CEO der Govdigital, bereits letztes Jahr im Interview hingewiesen. Man müsse hier jedoch differenzieren, sagte er: „Diejenigen unserer Mitglieder, die Betriebsleistungen anbieten, werden künftig voraussichtlich einige davon aufgeben und dafür Leistungen von souveränen Cloud-Anbietern zukaufen. Fachverfahrensanbieter dagegen stehen vor der Aufgabe, ihre Services auf Cloud-Bereitstellung umzustellen.“ Und die Studie belegt, wie dringend diese Aufgabe zu lösen ist: Als zentrales Hemmnis für die Nutzung von Cloud-Diensten auf Landesebene wird nämlich genannt, dass die Fachanwendungen gar nicht cloudfähig sind.

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Über die Studie
Zur Methodik

Für die „Studie 2023 – IT-Konsolidierung in der öffentlichen Verwaltung“ der msg systems ag wurden im ersten Quartal 2023 IT-Verantwortliche deutscher Behörden, insgesamt 150 Institutionen, anhand eines Fragebogens von Pierre Audoin Consultants (PAC) befragt. Außerdem wurden insgesamt 28 Gespräche mit Vertretern von Bundes- und Landesbehörden sowie Großstädten in Deutschland und Österreich durchgeführt sowie weitere Gespräche mit Vertretern mehrerer öffentlicher IT-Dienstleister zum aktuellen Stand ihres Leistungsportfolios, zur IT-Konsolidierung und ihren Kundenbeziehungen. Durch den Abgleich der Antworten konnten auch teils unterschiedliche Sichten beschrieben werden.

Themen der Studie

Abgefragt wurde die Einschätzung zur Lage der IT in der öffentlichen Verwaltung, zur Personalsituation und neu 2023 auch zu den Themen Cloud-Nutzung, Registermodernisierung und Resilienz gegenüber Cyberattacken. Mehrere Fragen waren der Zusammenarbeit mit öffentlichen IT-Dienstleistern gewidmet:

  • Welche Dienstleistungen durch öffentliche IT-Dienstleister bereits erbracht oder künftig ausgelagert werden,
  • welche Ziele mit der Auslagerung verbunden sind und inwieweit diese erreicht wurden,
  • welche Herausforderungen und Hindernisse dabei bestehen sowie
  • inwieweit Maßnahmen gegen Cyberattacken durch die öffentlichen Dienstleister umgesetzt werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal eGovernment.

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