KI-Probleme, Trump-Desaster oder „alles normal“? AWS tritt auf die Bremse bei seinen Co-Location-Plänen

Von Ulrike Ostler 3 min Lesedauer

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Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: AWS setzt vor allem „Overseas“, also vielleicht auch hierzulande, seine Co-Location-Verträge aus. Diese Pausen entsprächen einem „normalen“ Vorgehen, heißt es indes von dem Cloud-Anbieter.

Laut AWS erfordert der Stopp bei den Co-Location-Ausbauplänen keine Vollbremsung, sondern entspricht dem Verhalten in einem „normalen“ Geschäftsverkehr.(Bild:  antimartina - stock.adobe.com)
Laut AWS erfordert der Stopp bei den Co-Location-Ausbauplänen keine Vollbremsung, sondern entspricht dem Verhalten in einem „normalen“ Geschäftsverkehr.
(Bild: antimartina - stock.adobe.com)

Alle Berichte beziehen sich auf Analysten-Wissen der Bank Well Fargo: „Über das Wochenende haben wir von mehreren Quellen aus der Branche gehört, dass AWS einen Teil seiner Leasing-Gespräche im Bereich Co-Location (insbesondere international) pausiert hat“, zitierte zuerst der US-Nachrichtensender „NBC News“ Analysten von Wells Fargo in einer Notiz.

Die Bank-Analysten sagen, dass das Unternehmen seine Zusagen für einige Co-Location-Einrichtungen zurückgezogen habe, nachdem Microsoft vor einiger Zeit ähnliche Schritte unternommen hat. Außerdem soll Amazon Web Services den Berichten zufolge die Anmietung mehrerer neuer Rechenzentren verschoben haben – wie auch schon Microsoft. So hatten Analysten von TD Cowen im Februar berichtet, dass Microsoft 200 Megawatt (MW) an Rechenzentrumsentwicklungen und -Leasing-Verträgen aufgegeben habe. Im März hatte sich die Zahl bereits auf 2 Gigawatt (GW) erhöht.

Nachdem die Bank Kunde von den AWS-Plänen bekam, hat Wells-Fargo-Analyst Ken Gawrelski in einer Kundenmitteilung am frühen Montag seine Bewertung der Amazon-Aktie von „overweight“ auf „equal weight“ gesenkt sowie auch sein Kursziel für die Amazon-Aktie auf 183 von 225. Das entspricht etwa 3,5 Prozent. Er stellt aber auch klar, dass AWS offenbar keine bestehenden Vereinbarungen kündige, sondern vielmehr darauf verzichte, mit einer Reihe von Absichtserklärungen (LOIs) oder Qualifikationserklärungen (SOQs) fortzufahren.

Wo liegen die Gründe?

Es lässt sich trefflich spekulieren, ob die Pausen, Verzögerungen oder Rückzieher der Tatsache geschuldet sind, dass sich künstliche Intelligenz (KI) doch nicht so rasant schnell ausbreitet, wie am Anfang des „ChatGPT“-Hypes gedacht, der Schwierigkeiten, die die stromhungrige KI in den Rechenzentren verursacht, den zunehmend aufpoppenden Möglichkeiten, weniger aufwändige Modelle zu trainieren oder an der Unzuverlässigkeit des Trump-Gebarens oder an seiner Forderung, nur noch Rechenzentren in den USA zu bauen, oder an seinem „Stargate“-Projekt...

Die von AWS und Microsoft gemeldeten verminderten Anmietungen von Rechenzentrumskapazitäten kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Zölle und die unruhigen globalen Wirtschaftsaussichten den Boom beim Bau von KI-Rechenzentren zu unterbrechen drohen.

Noelle Walsh, President of Cloud Operations bei Microsoft, äußerte jedenfalls in einem Linkedin-Post dazu: „In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach unseren Cloud- und KI-Diensten stärker gestiegen, als wir es je hätten vorhersehen können. Um diese Chance zu nutzen, haben wir mit der Durchführung des größten und ehrgeizigsten Infrastruktur-Skalierungsprojekts in unserer Geschichte begonnen. Es läge jedoch „in der Natur der Sache, dass jedes bedeutende neue Projekt dieser Größe und dieses Umfangs Agilität und Verfeinerung erfordert, während wir lernen und mit unseren Kunden wachsen. Das bedeutet, dass wir einige Projekte im Frühstadium verlangsamen oder pausieren. Während wir unsere Pläne strategisch bremsen, werden wir weiterhin stark wachsen und Investitionen tätigen, die mit den geschäftlichen Prioritäten und der Kundennachfrage in Einklang stehen.“

So hat Microsoft in diesem Jahr seine Position als exklusiver Cloud-Anbieter von OpenAI-Technik verloren, nachdem das KI-Unternehmen die 500 Milliarden US-Dollar schwere Stargate-Rechenzentrumsinitiative angekündigt hatte. Microsoft behält zwar eine Art „Vorkaufsrecht“ auf neue Kapazitäten, wird aber voraussichtlich weniger für OpenAI bauen als ursprünglich erwartet.

Aussagen aus dem Hause AWS

Derweil spielt auch Kevin Miller, VP für Rechenzentren bei AWS, die Dellen im Ausbau der Co-Location-Beziehungen in einem Linkedin-Post herunter: „In erster Linie sehen wir weiterhin eine starke Nachfrage sowohl nach generativer KI als auch nach grundlegenden Arbeitslasten auf AWS. Wir haben fast zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Bereitstellung von Rechenzentrumskapazitäten, um die Anforderungen unserer Kunden zu erfüllen, wann und wo sie diese benötigen.“

Diese Erfahrung hätten gelehrt, mehrere Lösungen parallel zu prüfen. „Einige Optionen könnten am Ende zu viel kosten, während andere möglicherweise nicht liefern, wenn wir die Kapazität benötigen. In anderen Fällen stellen wir fest, dass wir an einem Standort mehr und an einem anderen weniger Kapazität benötigen.“

Er setzt hinzu: „Es handelt sich um ein routinemäßiges Kapazitäts-Management, und es gab in letzter Zeit keine grundlegenden Änderungen in unseren Expansionsplänen. Zum Glück für unsere Kunden können sie sich auf ihr Geschäft konzentrieren und diese Details uns überlassen.“

Ob das jetzt beruhigt, sei dahingestellt. Konkretes zu den Plänen in Deutschland war bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht zu erfahren.

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