Amazon Web Services (AWS) kündigt eine unabhängige europäische Governance-Struktur sowie ein eigenes Security Operations Centers (SOC) für die AWS European Sovereign Cloud an. Zudem wird es eine neue Muttergesellschaft geben, deren Leitung EU-Bürgern vorbehalten sein wird.
Governance-Struktur der neuen AWS European Sovereign Cloud.
(Bild: AWS)
AWS wird eine neue europäische Organisation und ein neues Betriebsmodell für die AWS European Sovereign Cloud etablieren, mit einer neuen Muttergesellschaft und drei Tochtergesellschaften, die in Deutschland eingetragen sind. Das Managementteam, das diese neue Muttergesellschaft leitet, wird aus einem Geschäftsführer und einem Beauftragten für Sicherheit und Datenschutz bestehen – allesamt Staatsbürger in EU-Mitgliedsstaaten mit Wohnsitz in der EU.
AWS plant, einen unabhängigen Beirat für die European Sovereign Cloud einzurichten, der rechtlich dazu verpflichtet ist, im besten Interesse der European Sovereign Cloud zu handeln. Zur Stärkung der souveränen Kontrolle der European Sovereign Cloud wird der Beirat aus vier Mitgliedern bestehen, die alle Staatsbürger in EU-Mitgliedsstaaten mit Wohnsitz in der EU sein werden. Darunter wird mindestens ein von Amazon unabhängiges Beiratsmitglied sein. Der Beirat wird als Expertengremium fungieren und Rechenschaft über den Betrieb der European Sovereign Cloud ablegen.
Das Design der European Sovereign Cloud mache es möglich, dass sie unbegrenzt weiter betrieben werden kann, selbst in dem Fall von Konnektivitätsunterbrechungen zwischen der European Sovereign Cloud und dem Rest der Welt. Mehrere Verfügbarkeitszonen mit unabhängiger Stromversorgung, Netzwerkkonnektivität, Betriebseinrichtungen und Sicherheitsfunktionen sollen diese kritischen Betriebsabläufe sichern. Um die Kontinuität auch unter extremen Umständen zu gewährleisten, sollen autorisierte AWS-Mitarbeiter der European Sovereign Cloud, die in der EU ansässig sind, unabhängigen Zugang zu einer Kopie der Quellcodes, die für die Aufrechterhaltung der Dienste der European Sovereign Cloud erforderlich sind, erhalten.
Erfahrene europäische Führung
Kathrin Renz wird erste Geschäftsführerin der neuen Gesellschaft für die AWS European Sovereign Cloud.
(Bild: AWS)
Die Deutsche Kathrin Renz wird erste Geschäftsführerin der AWS European Sovereign Cloud. Sie ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im globalen Technologiesektor tätig und hatte bereits Schlüsselposten im europäischen Technologieumfeld bei großen Unternehmen inne. Mit Sitz in Deutschland und als ranghöchste Führungskraft der European Sovereign Cloud wird Renz rechtlich verpflichtet sein, im besten Interesse der European Sovereign Cloud zu handeln. Sie wird für die Überwachung von Entscheidungen in Bezug auf Unternehmensführung, Compliance und Sicherheit verantwortlich sein, und sicherstellen, dass die European Sovereign Cloud allen geltenden Gesetzen und Rechtsvorschriften in Deutschland und der EU entspricht.
Betriebliche Autonomie in Europa
AWS verpflichtet sich zu unabhängigem und kontinuierlichem Betrieb; die European Sovereign Cloud wird keine kritischen Abhängigkeiten von Nicht-EU-Infrastruktur haben. Alles, was für den Betrieb der European Sovereign Cloud erforderlich sei, befinde sich in der EU: die Talente, die Technologie, die Infrastruktur und die Führung. Die Infrastruktur der European Sovereign Cloud sei unabhängig und es werde keine operative Kontrolle außerhalb der EU-Grenzen geben; lediglich AWS-Mitarbeiter mit Wohnsitz in der EU würden Kontrolle im täglichen Betrieb ausüben, einschließlich des Zugangs zu Rechenzentren, des technischen Supports und des Kundenservice für die European Sovereign Cloud.
AWS zufolge wird die European Sovereign Cloud über eine eigene Netzwerkinfrastruktur und Konnektivität zu europäischen Anbietern über AWS Direct Connect verfügen, um Kunden eine autonome Verbindung zur European Sovereign Cloud zu ermöglichen. Über ein eigenes Amazon Route 53 sollen Kunden der European Sovereign Cloud zudem ein hochverfügbares und skalierbares Domain Name System (DNS), Domain-Registrierung und Webdienste für die Dienstverfügbarkeit und Zustandsüberwachung (Status and Health Checks) erhalten. Die Route-53-Nameserver für die European Sovereign Cloud würden für ihre eigenen Domain-Namen ausschließlich europäische Top-Level-Domains (TLDs) verwenden. AWS plant außerdem eine eigene europäische Root-Certificate-Authority (Zertifizierungsstelle), sodass das Schlüsselmaterial, die Zertifikate und die Identitätsüberprüfung, die für SSL/TLS-Zertifikate (Secure Sockets Layer/Transport Layer Security) erforderlich sind, vollständig autonom innerhalb der European Sovereign Cloud betrieben werden können. AWS Direct Connect, Amazon Route 53 und die europäische AWS Certificate Authority sollen bei der Einführung der European Sovereign Cloud verfügbar sein.
Sicherheit in Europa
Die European Sovereign Cloud wird durch ein eigenes Security Operations Center (SOC) abgesichert, das globale Sicherheitspraktiken unter europäischer Kontrolle spiegelt. Das SOC wird von einem eigenen Leiter für Sicherheit unterstützt. Dieser – ebenfalls EU-Bürger mit Wohnsitz in der EU – wird dafür verantwortlich sein, die Geschäftsführung zu beraten und Kunden sowie Regulierungsbehörden in Europa in sicherheitsrelevanten Angelegenheiten zu unterstützen.
Stand: 08.12.2025
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Um die Kundenanforderungen für die European Sovereign Cloud zu erfüllen, führt AWS das Sovereign Requirements Framework (SRF) ein, einen Katalog technischer, rechtlicher und betrieblicher Souveränitätskontrollen, der auf Basis der Souveränitätserwartungen von Kunden, der Anforderungen von Regulierungsbehörden in der EU, Leitlinien führender Branchenstandards und Rahmenwerke und der Bedürfnisse von Implementierungspartnern entwickelt wurde. Kunden erhalten über AWS Artifact Zugang zu Prüfberichten, welche die vollständige Nachverfolgbarkeit der Kontrollgestaltung und betrieblichen Wirksamkeit gewährleisten.