Das digitale Fenster in die Welt 40 Jahre Windows: Der Weg von Windows 95 bis Windows 11

Von Antonio Funes 9 min Lesedauer

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Nach Windows 1.0 bis 3.11 setzte Microsoft Mitte der 1990er-Jahre zum großen Durchbruch an: Windows 95 prägte eine ganze PC-Generation, Windows 98 brachte Stabilität und Kompatibilität, und mit Windows XP wurde das System erstmals massentauglich. Unser zweiter Teil der Windows-Historie.

Der Startbildschirm in Windows XP Home Edition mit grünem Fortschrittsbalken.(Bild:   / CC0)
Der Startbildschirm in Windows XP Home Edition mit grünem Fortschrittsbalken.
(Bild: / CC0)

Windows hatte im November 2025 einen runden Geburtstag und wurde 40 Jahre alt. Im ersten Teil unserer Rückschau auf die Windows-Historie zu diesem Anlass hatten wir den Ärger rund um Windows 1.0, veröffentlicht am 21. November 1985, thematisiert und uns die Windows-Versionen bis einschließlich Windows 3.11 angeschaut, das im Jahr 1994 erschien.

Wir machen nun weiter mit dem Jahr 1995, in dem – die meisten werden es sicher ahnen – Windows 95 auf den Markt kam und zu einem großen Erfolg wurde. Ein Grund hierfür war der Boom auf dem PC-Markt bei den MS-DOS-kompatiblen Geräten, der auch durch eine aggressive Bewerbung der Computer entstand. Die damals mit mehreren Hundert Filialen in zahlreichen Ländern vertretene deutsche Hardware-Kette Vobis war beispielsweise mit den eigenen Highscreen-Computern sehr erfolgreich, und 1995 kam auch der erste Aldi-PC auf den Markt.

Gleichzeitig gab es bei der MS-DOS-Konkurrenz Managementfehler. Commodore versäumte es beispielsweise, den Kunden klarzumachen, dass die Amiga-Computer trotz geringerer Taktwerte schneller als MS-DOS-PCs arbeiteten. MS-DOS-PCs wiederum wurden vor allem wegen ihrer Taktwerte privaten Nutzern schmackhaft gemacht. Es gab bei vielen PCs sogar eine Taste, mit der der Nutzer den CPU-Takt bei Bedarf erhöhen konnte. Ein Grund für die Taste war, dass PCs immer beliebter für Spiele wurden. Denn obwohl die Taste als Turbo-Taste vermarktet wurde, war sie ursprünglich eine Taste, die den Takt verringerte.

Der Grund: Manche ältere Games waren mit älteren, niedrig getakteten CPUs synchronisiert und liefen mit modernen CPUs viel zu schnell. Schlussendlich nahmen Mitte der 90er-Jahre auch bei privaten Computern die MS-DOS-kompatiblen PCs die klare Überhand, was Microsoft beim Release von Windows 95 natürlich in die Karten spielte.

Neuerungen bei Windows 95 ebnen den Erfolg

Der Release von Windows 95 war im August 1995 und setzte voll auf 32 Bit als Grundlage. Zwar bot auch Windows NT 3.1 schon 32 Bit, verhinderte aber wiederum die Nutzung zahlreicher 16-Bit-basierten Programme, sodass es sich nicht durchsetzte. Obwohl Windows 95 ein 32-Bit-OS war, fand das Laden von Windows und den nötigen Treibern weiterhin unter 16-Bit mit MS-DOS statt, welches zudem im Hintergrund aktiv war. Es ist daher eine Ansichtssache, ob man Windows 95 als komplett eigenes Betriebssystem betrachten kann oder ob es, wie die ersten Windows-Versionen, eine Art Erweiterung des eigentlichen Betriebssystems MS-DOS ist.

Allerdings konnte Windows 95 vorrangig bei 32-Bit-Anwendungen klare Vorteile bieten, und auch zahlreiche Systemfunktionen wären rein über DOS nicht umsetzbar gewesen. Neu bei Windows war in der Benutzeroberfläche der Start-Button, hinter dem sich ein zentrales Menü zum Aufrufen von weiteren Menüs, Programmen, zuletzt verwendeten Dateien und Verknüpfungen verbarg. Über den Start-Button gelangte man auch zu dem Menüpunkt, um den Computer auszuschalten oder neu zu starten.

Für den Durchschnittsnutzer war hauptsächlich die Aufhebung der 8-Zeichen-Beschränkung bei Dateinamen auffallend. Wegen Beschränkungen durch 16-Bit konnte man zuvor nur acht Zeichen plus die Dateiendung für Dateien verwenden. Windows 95 ließ nun 255 Zeichen zu, wobei aber der Dateipfad mitzählt. Weitere Neuerungen waren ein neuer Datei-Manager, der jetzt Explorer hieß, sowie bei zahlreichen Gelegenheiten die Option, per rechter Maustaste ein Kontextmenü zu öffnen.

Ebenso kam das Thema Gaming mit Windows 95 ins Rollen. Die Multimedia-Schnittstellensammlungen DirectX 1.0 und 2.0 wurden zwar noch ignoriert, aber nachdem im Herbst 1996 mit der Version 3.0 eine 3D-Hardwarebeschleunigung dazukam, setzten immer mehr Spieleentwickler auf Windows als Basis. IBM- und MS-DOS-kompatible PCs beherrschten damit endgültig das Segment der privaten Computer und schickten Konkurrenten in Rente.

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Windows 98 – mehr Kompatibilität

Im Hintergrund wurde Windows 95 immer weiterentwickelt, sodass schließlich folgerichtig eine auf Windows 95 basierende neue Windows-Version veröffentlicht wurde, nämlich Windows 98. Das Betriebssystem kam im Juni 1998 auf den Markt. Es sorgte bei der Präsentation auf der CES in Las Vegas durch Bill Gates zu Jahresbeginn für einige Lacher, da beim Einstecken eines USB-Scanners in den Vorführ-PC ein Absturz mit Bluescreen die Folge war. 

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Windows 98 war in wesentlichen Teilen Windows 95 sehr ähnlich. Es blieb dabei, dass bei dem 32-Bit-Betriebssystem im Kern noch immer ein 16-Bit-MS-DOS als Basis lief. Wichtig für eine Zukunftssicherheit war bei Windows 98, dass es eine deutlich bessere Unterstützung für USB sowie der vorwiegend für Grafikkarten wichtigen AGP-Schnittstelle besaß. Viele der nötigen Treiber waren erst für Windows 98 verfügbar, obwohl Windows 95 ab der Version B theoretisch einen USB- und AGP-Support hatte. Mit Windows 98 kam auch der Internet Explorer als Standardprogramm mit dazu, und erstmals konnten Nutzer bei Bedarf mehrere Monitore verwenden.

Im September 2000 kam dann noch mit Windows ME (das ME steht für Millennium Edition) die letzte auf MS-DOS basierende Windows-Version auf den Markt. Ein Grund hierfür war, dass die Entwicklung des für normale Privatanwender gedachten Windows 2000 Probleme bereitete. Unter anderem wären durch die hohen Hardwareanforderungen viele Durchschnittsnutzer außen vor gewesen, und echte Vorteile für Heimanwender nicht in Aussicht gewesen. Windows ME kam am Ende nie richtig in Schwung, auch da es fehleranfälliger als Windows 98 war.

Windows 2000 und Windows XP

Windows 2000 kam schließlich im Februar 2000 in den Handel, war aber an Unternehmen gerichtet und eher als Ersatz für Windows NT gedacht. Dies zeigt auch, dass die Namen der drei Varianten allesamt nichts mit Heimanwendungen zu tun haben, denn sie hießen Professional, Server und Advanced Server. Für den durchschnittlichen Privatnutzer wurde es eineinhalb Jahre später interessant, als Windows XP veröffentlicht wurde.

Am 25. Oktober 2001 kam das neue Betriebssystem, bei dem das XP für Experience steht, in den Handel. Es basierte technisch auf Windows NT und Windows 2000. Um die Nutzung attraktiver zu machen, führte Microsoft eine erweiterte Benutzeroberfläche ein, die Luna getauft wurde. Da mittlerweile das Internet immer weiter genutzt wurde und Digitalkameras die Märkte eroberten, war das Thema Bilder eines der wichtigsten Anwendungsgebiete für private PCs. Daher erweiterte Microsoft bei Windows XP die Bildanzeige: Das nun Bild- und Fax-Anzeige benannte Standardtool konnte mehr Dateiformate für Bilder als zuvor öffnen und ließ in einem rudimentären Maße eine direkte Bildbearbeitung zu.

Auch dem Drang der Anwender, CDs und DVDs zu brennen, wurde nachgegeben, sodass der Datei-Explorer eine Brennmöglichkeit erhielt. Ebenfalls ein Kind der ausgeweiteten Internetnutzung war die Windows-eigene Firewall, die Windows XP erstmals bot. Ein neues Mittel zur Bekämpfung von Raubkopien war wiederum die jetzt nötige Aktivierung von Windows XP, bei der per Onlineverbindung Teile der Hardware erkannt und an den verwendeten Lizenzschlüssel gebunden wurden. Manch ein Nutzer war zudem sicherlich sehr froh darüber, dass es als Neuheit die Systemwiederherstellung gab. Vor allem wenn bei oder nach einem Update ein Fehler auftrat, konnte man den letzten gespeicherten, noch funktionierenden Windows-Zustand somit wiederherstellen.

Experimentierfreudigen Nutzern kam die Funktion ebenfalls entgegen, da sie neue Hardware, Treiber oder spezielle Anwendungen testen konnten, ohne zu riskieren, dass vielleicht eine komplette Windows-Neuinstallation fällig wird.

Windows Vista mit 64-Bit-Option für mehr Speicher

Die nächste für normale Anwender interessante Windows-Version war Windows Vista, das gut fünf Jahre nach Windows XP im Herbst 2006 in den Handel kam, wobei es zuerst nur für Firmenkunden gedacht und erst im Januar 2007 auch an private Anwender gerichtet war. Am Ende gab es sechs verschiedene Versionen für unterschiedliche Zielgruppen, unter anderem für Heimanwender Vista Home Basic und Home Premium. Für professionelle Anwender gab es Vista Business, für größere Firmen wiederum Vista Enterprise. Für Einzelunternehmer, die den PC auch privat nutzten, war Vista Ultimate gedacht.

Das Betriebssystem war von Microsoft schon im Sommer 2001 angekündigt worden, also vor dem Release von Windows XP. Durch zahlreiche Verzögerungen kam es aber erst über fünf Jahre nach der Ankündigung zur Veröffentlichung. Die Entwicklung soll laut Microsoft etwa sechs Milliarden US-Dollar gekostet haben, es gibt aber auch Schätzungen, die eher von zehn Milliarden US-Dollar ausgehen. Was die Neuerungen anging, so stach die Benutzeroberfläche Aero hervor, die teiltransparente Rahmen, schattenwerfende Fenster und animierte Bewegungen bei verschiedenen Aktionen vorsah. Mit dem Snipping-Tool, das schon bei Netbook-Varianten von Windows XP zum Einsatz kam, war es möglich, auch nur Teile des Bildschirms für einen Screenshot zu markieren. Neben vielen weiteren Kleinigkeiten war das .NET Framework 3.0 für Softwareentwickler wichtig, da diese Programmierschnittstelle einen sehr direkten Zugriff auf Windows Vista ermöglichte. Für Spieler nicht unwichtig waren die mit Windows Vista eingeführte DirectX-Version 10 sowie der Spiele-Explorer für installierte Games. Die 64-Bit-Version von Windows Vista ermöglichte zudem das Nutzen von mehr als nur 4 GByte Arbeitsspeicher.

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Windows 7 und der ungeliebte Stiefbruder Windows 8

Da es keine bahnbrechenden Neuerungen bei den auf Windows Vista folgenden Windows-Versionen gab und die letzten vier für Heimanwender relevanten Windows-Varianten zudem sicherlich den meisten ohnehin noch sehr präsent sind, fassen wir Windows 7 bis 11 zusammen. Bereits drei Jahre nach Windows Vista kam Windows 7 auf den Markt, genauer gesagt am 22. Oktober 2009. Es sollte sich später noch herausstellen, dass es beliebter als Windows 8 sein würde, welches abermals drei Jahre später im Jahr 2012 erschien.

Windows 8 wollte durch die kachelartige Anordnung von Menüpunkten eine gänzlich neue Innovation bieten, wurde aber von den Kunden nicht angenommen, sodass man diese Design-Idee als gescheitert ansehen kann. Ein Hintergedanke bei der Kachelanordnung waren der Tablet-Boom und die Annahme dahinter, dass sich die Bedienung per Touchscreen auch am PC durchsetzen würde. Große Kacheln wären dann leichter zu bedienen als Menüpunkte, bei denen sich die Spitze des Mauscursors an der korrekten Stelle befinden muss. Ein Indiz für die mangelnde Akzeptanz von Windows 8 ist, dass Windows 7 – obwohl schon seit Anfang 2020 keine Sicherheitsupdates mehr erfolgen – noch immer auf gut 2,5 Prozent der PCs weltweit installiert ist. Für Windows 8 und 8.1 (seit Januar 2023 keine Sicherheitsupdates mehr) sind es nur 0,3 Prozent.

Von beiden Betriebssystemen aus konnte man für viele der Lizenzen kostenlos auf Windows 10 upgraden. Ähnlich wie bei Windows Vista gab es auch bei Windows 7 mehrere Varianten je nach Einsatzgebiet, von denen die drei wichtigsten die Versionen Home Premium, Professional und Ultimate waren. Bei Windows 8 ersetzte die Pro-Version die beiden letztgenannten Varianten. Beim Verkaufsstart konnte Windows 8 übrigens sogar die Zahlen von Windows 7 übertreffen. Basierend auf einer Analyse, die Betriebssysteme von PCs bei Website-Besuchen erfasst, lag der Marktanteil von Windows-8-PCs sieben Monate nach Release trotzdem bei etwa 4,3 Prozent. Der von Windows 7 hingegen lag bei knapp 12,7 Prozent, obwohl laut Microsoft die Verkaufszahlen beider Betriebssysteme ähnlich waren.

Umstrittenes Supportende von Windows 10 befleckt Windows 11

Im Juli 2015 gab es mit Windows 10 eine neue Alternative zum unbeliebten Windows 8. In jüngster Vergangenheit, nämlich noch in diesem Oktober, wurde für den Marktanteil von Windows 10 ein Wert von noch immer über 40 Prozent festgestellt. Dies ist verwunderlich, da seit mittlerweile bereits vier Jahren Windows 11 auf dem Markt ist und als kostenloses Upgrade für Windows-10-Nutzer zur Verfügung steht. Allerdings gibt es für Windows 11 Hardware-Anforderungen, die primär aus Sicherheitsgründen von Microsoft verlangt werden und viele PCs und Laptops vor eine unlösbare Aufgabe stellen.

Dabei geht es um Hardwarekomponenten, die zwar schon einige Jahre auf dem Buckel haben, aber in PCs und Laptops stecken können, die ein Anwender bis jetzt nicht als alt empfindet und deren Leistung für Office-Tätigkeiten und Multimedia völlig ausreicht. Microsoft drängt aber zum Wechsel auf Windows 11 und stellte den Support von Windows 10 im Oktober 2025 offiziell ein. Nachdem Microsoft zunächst geplant hatte, Extended Security Updates (ESU) für Windows 10 nur gegen Bezahlung anzubieten, erhalten Privatanwender im Europäischen Wirtschaftsraum das erste ESU-Jahr nun kostenlos. Hintergrund sind Beschwerden europäischer Verbraucherschutzorganisationen, auf die Microsoft mit einem vereinfachten, kostenfreien Registrierungsprozess reagierte. Nutzer benötigen dafür lediglich einen aktiven Microsoft-Account; die Regelung gilt ausschließlich im EWR.

Laut einer Studie der Entwickler von Lansweeper, einer Netzwerk-Analysesoftware, ergab eine Auswertung von über 30 Millionen PCs und Laptops aus mehr als 60.000 Firmen, dass mehr als 55 Prozent der Geräte Windows 11 hardwareseitig nicht unterstützen. Wann und ob nach Windows 11 ein weiteres Windows erscheinen wird, steht bislang nicht offiziell fest. Es wäre aber denkbar, dass Windows 12 oder auch eine auf andere Art benannte neue Windows-Version erstmals ein Abo-Modell bieten wird. Auch ein fließender Übergang von Windows 11 zu einer solchen Version ist möglich. Man darf gespannt sein, ob Windows weitere 40 Jahre überdauern wird.

* Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS.

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