Deutschlands größtes Cloud-Rechenzentrum entsteht in Sachsen-Anhalt

T-Systems nimmt „Fort Knox“ für Server in Betrieb

| Autor / Redakteur: Daniel Große / Florian Karlstetter

Mit dem Data Center Campus in Biere, Sachsen-Anhalt baut die Deutsche Telekom nicht nur den IT-Standort Deutschland weiter aus, nach Abschluss aller Ausbaustufen entsteht hier das größte Cloud-Rechenzentrum in Deutschland.
Mit dem Data Center Campus in Biere, Sachsen-Anhalt baut die Deutsche Telekom nicht nur den IT-Standort Deutschland weiter aus, nach Abschluss aller Ausbaustufen entsteht hier das größte Cloud-Rechenzentrum in Deutschland. (Bild: Daniel Große)

In Biere in Sachsen-Anhalt steht seit neuestem ein hochmodernes Rechenzentrum. Hier, inmitten der fruchtbaren Börde, hat T-Systems, die Großkundensparte der Deutschen Telekom, ein nach eigenen Aussagen „High-Tech Fort Knox“ in die Landschaft gebaut. Deutschlands größtes Rechenzentrum und eines der größten in Europa soll das Cloud-Datacenter einmal werden, wenn es fertig ist.

In der ersten Ausbaustufe wurden knapp 30.000 Server auf 5.400 Quadratmetern Fläche in Betrieb genommen. Auf bis zu 34.200 Quadratmeter Fläche kann das Rechenzentrum wachsen – was in etwa 188.000 Servern entspräche. Das Datacenter in Biere ist der Zwilling des Rechenzentrums Magdeburg. Über zwei Terabit-Leitungen sind sie miteinander verbunden, jedes verfügt über eine doppelte Verbindung zum überregionalen Backbone der Telekom. Bei einem Ausfall eines der Zentren springt der Zwilling sofort und unterbrechungsfrei ein. Biere soll künftig ein bedeutendes Drehkreuz der weltumspannenden Rechenzentrums-Infrastruktur der Telekom werden. Der vollständige Ausbau des Centers hänge vom Markt und damit auch der Unternehmensentwicklung ab.

IT-Fabrik der Zukunft

Die Dimensionen sind gewaltig. Zwar verrät die Telekom nicht, wie hoch genau der gemutmaßte dreistellige Millionenbetrag ist, der hier investiert wurde. Aber immerhin ist Biere so wichtig für den Datenstandort Deutschland, das zur Einweihung am Donnerstag vergangener Woche unternehmerische wie politische Prominenz in Biere anwesend war: Telekom-Vorstandsvorsitzender Tim Höttges, T-Systems International-Geschäftsführer Ferri Abolhassan, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff waren zum Festakt gekommen.

Deutschlands größtes Cloud-Rechenzentrum entsteht in Sachsen-Anhalt

„IT-Fabrik der Zukunft“ nennt die Telekom ihr neues Vorzeigebauwerk made in Germany. Daten aus deutscher Produktion seien gefragt wie nie, meinte Tim Höttges. Es ginge um den materiellen und ideellen Wert der Daten, so der Vorstandsvorsitzende. In Zeiten von marktbeherrschenden Unternehmen wie Google, Facebook und Twitter müsse sich jeder bewusst werden, dass er als Nutzer von kostenlosen Diensten kein Kunde sei, sondern das Produkt. Als „Goldfingers der digitalen Welt“ bezeichnete er die US-amerikanischen Unternehmen, die Daten an unbekannten Orten speichern und selten preisgeben, wer wann und zu welchem Zweck darauf zugreifen darf.

In Biere sei das komplett anders, hier stehe das T in T-Systems für „Trust“. Physische und technische Sicherheit stünden an oberster Stelle: Der Zugang ist durch mehrere Kontrollsysteme gesichert. Wärmebildkameras checken alle 15 Meter, ob sich etwas bewegt. Hinein ins Gebäude gelangen autorisierte Personen nur über eine Brücke – selbst T-Systems International-Geschäftsführer Ferri Abolhassan überlegte, ob er zu diesem Personenkreis gehören würde. „Wohl eher nicht“, schätzte er.

Sicherheit und Datenschutz

Das technische Sicherheitssystem unterliegt der Geheimhaltung. Durchblicken ließ man aber, dass die Leitungen von und zum Rechenzentrum verschlüsselt seien, ebenso wie die Leitungen innerhalb des Rechenzentrums. Nicht zuletzt sorge auch das baugleiche Backup-Center in Magdeburg für erhöhte Sicherheit. Tim Höttges zeigte sich erfreut, dass auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Bedeutung der IT-Politik erkannt haben und das Thema Datensicherheit klar benenne.

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„90 Prozent der Schlüssel-Infrastruktur der Internetwelt sind heute US-basiert, von Suchmaschinen und Portalen über Hosting und Cloud-Dienste“, sagt er. Die Informations- und Kommunikations-Industrie trage in den USA zu 59 Prozent zum Produktivitätswachstum bei, in Europa seien es mit 31 Prozent gerade mal die Hälfte. Google und Facebook seien an der Börse mehr wert, als alle europäischen Telekom-Konzerne zusammen. Gerade der Mittelstand in Deutschland habe in Sachen Datensicherheit Nachholbedarf. Hier wolle die Telekom Begleiter sein. „Und ich werde auch nicht müde, immer wieder das gleiche zu fordern“, nämlich einen regulatorischen Rahmen, der Investition fördert und nicht behindert sowie eine Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik“, die europäische Unternehmen stärkt“, so Höttges. Sigmar Gabriel nickte anerkennend und bot in seiner anschließenden Rede immerhin ein offenes Ohr an.

Energieeffizienz

In Sachen Nachhaltigkeit setze der „T-Systems Data Center Campus“, wie das Rechenzentrum offiziell heißt, Maßstäbe. So wurde mit der Ed. Züblin AG energieeffizient gebaut. Eine ausgeklügelte Kühlung ermöglicht es, dass das Datacenter rund 30 Prozent weniger Energie als vergleichbare Rechenzentren benötigt und damit auch den CO2-Ausstoß signifikant senke. Bis 2020 habe sich die Telekom konzernweit das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen um 20 Prozent zu senken.

Eindrücke vom offiziellen Festakt zur Eröffnung des Data Center Campus in Biere finden Sie in der Bildergalerie:

Deutschlands größtes Cloud-Rechenzentrum entsteht in Sachsen-Anhalt

Für Effizienz sorge unter anderem die Trennung von Zu- und Abluft. Ein doppelter Boden ermöglicht die Zufuhr von Luft mit einer Temperatur von etwa 22 Grad Celsius in den so genannten Kaltgang zwischen zwei Rechner-Reihen. Nachdem sie die Servergehäuse durchströmt hat, tritt sie auf der anderen Seite mit rund 32 Grad Celsius wieder aus. Dort wird sie abgesaugt, gekühlt und wieder in diesen Kreislauf eingebracht. Etwa 80 Prozent der Kühlung wird allein durch die Außenluft erreicht. Alle energiesparenden Maßnahmen zusammen bringen dem Gebäude die LEED-Zertifizierung in Gold und einen PUE-Wert von 1,3. Die dafür nötigen Anforderungen erfüllen gerade mal zehn Rechenzentren weltweit. Und sollte der Strom mal wegbleiben, sorgen zwölf leistungsstarke Schiffsdiesel für den unterbrechungsfreien Betrieb der Anlage.

Ministerpräsident Reiner Haseloff freute vor allem die Sicherung und der Ausbau von Arbeitsplätzen. In Magdeburg arbeiten bereits jetzt 750 Angestellte bei T-Systems. In Biere kommen nun bis zu 100 weitere dazu, in Magdeburg 30.

Sigmar Gabriel eröffnet IT-Fabrik der Zukunft: Weitere Eindrücke von der feierlichen Eröffnung am 3. Juli 2014 in Biere bei Magdeburg in folgendem Video, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Fernsehagentur Mhoch4:

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