Mit dem Cloud-Anbieter auf Augenhöhe sein

Wie sich die Cloud auch im Mittelstand durchsetzt

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Was also tun die eigentlich willigen jedoch sehr ängstlichen Unternehmen? PAC liefert auch darauf eine Antwort: 61 Prozent der mittleren und großen Unternehmen setzen auf eine weitgehend einheitliche Lösung eines Herstellers – u. a. wohl aufgrund des immensen Integrationsaufwands, der mit der Anzahl der Mitarbeiter zunimmt. Vergleichsweise geringe 39 Prozent bevorzugen eine Kombination aus Lösungen verschiedener Anbieter.

Die Auswahl der Cloud-Lösungen wird in erster Linie von Sicherheitsaspekten dominiert. Zwei Drittel der Unternehmen vertrauen Cloud-Angeboten nur, wenn sich die Rechenzentren im Inland befinden. Die Bereitstellung von Integrations- und technischen Beratungsleistungen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Fast ein Drittel der cloud-affinen Unternehmen betrachtet lokale IT-Dienstleister oder Fachhändler als Vertragspartner erster Wahl. Knapp 30 Prozent der Unternehmen würden sich auch direkt an spezialisierte Cloud-Anbieter wenden.

Letzte Hoffnung Schatten-IT?

Der Fall scheint also klar: Mittelständische Unternehmen in Deutschland wollen auf Augenhöhe, aus einer Hand und innerhalb Deutschlands bedient werden, dann klappt es auch mit dem Cloud Computing. „Cloud-Anbieter sind angesichts dieser Resultate gehalten, attraktive Channel-Modelle für ihre Partner zu entwickeln“, so Dr. Andreas Stiehler, Principal Analyst bei PAC. „Ebenso muss der Vertrieb auf Führungskräfte im Top-Management zugeschnitten sein, denn diese sind oft die Hauptentscheider bei der Cloud-Migration.“

Und noch eine Hoffnung gibt es für die Anbieter: Laut der Experton Group sind die Ausgaben der deutschen Unternehmen für Cloud-Technologien, Cloud-Services und entsprechende Beratungs- und Integrationsservices im vergangenen Jahr bei rund 6,6 Milliarden Euro gelegen. Bis zum Jahr 2018 soll sich dieses Volumen auf über 21 Milliarden Euro erhöhen.

Laut Experton-Analyst Oliver Schonschek wird dies aber kaum möglich sein, wenn alle Verbote von Cloud-Diensten in deutschen Unternehmen tatsächlich eingehalten würden. Der Verdacht liegt also nahe, dass Cloud Computing wesentlich stärker in den Unternehmen genutzt wird, als es dem jeweiligen Management bekannt ist. Schatten-IT, ich hör dir trapsen!

„Bereits heute nutzen viele Beschäftigte und sogar ganze Fachbereiche in den Unternehmen verschiedene Cloud-Dienste, ohne die IT-Abteilung deshalb jemals eingeschaltet zu haben, wie Untersuchungen der Experton Group AG gezeigt haben“, so Schonschek. Gut möglich also, dass Cloud Computing doch noch breit im Mittelstand Einzug hält – dann durch die Hintertür und an der IT-Abteilung vorbei. Nicht gerade die Wunschvorstellung deutscher IT-Verantwortlicher.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist