Definition: Technologie zur Überwachung virtueller geografischer Grenzen Was ist Geofencing?

Von Laimingas 5 min Lesedauer

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Geofencing bezeichnet eine Technologie oder Funktion in einer Anwendung, die mit Koordinaten des Global Positioning Systems (GPS) oder Signalen der Radiofrequenz-Identifikation (RFID) virtuelle geografische Grenzen oder Zonen definiert.

Geofencing bezeichnet eine virtuelle Grenze auf einem geografischen Gebiet.(Bild:  frei lizenziert © Gerd Altmann /  Pixabay)
Geofencing bezeichnet eine virtuelle Grenze auf einem geografischen Gebiet.
(Bild: frei lizenziert © Gerd Altmann / Pixabay)

Geofencing oder Geofence ist ein künstlich geprägter Begriff aus den beiden englischen Wörtern „geopraphic“ für „geografisch“ und „fence“ für „Zaun“. Dieser geografische Zaun definiert einen abgeschlossenen Bereich, der sich auf der Erde oder in der Luft befinden kann. Ein Geofence kann einfache Flächen wie Kreise, Rechtecke oder Waben einzäunen, aber auch komplexe geografische Zonen wie den Umriss einer Stadt oder die Uferlinie eines Sees.

Die Funktionsweise von Geofencing

Sobald mittels Geofencing in einer Anwendung ein digital eingezäuntes Gebiet festgelegt ist, lassen sich Ereignisse definieren, die dieses Gebiet betreffen. So kann zum Beispiel eine Meldung ausgelöst werden, wenn eine Person die Zone neu betritt oder eine andere sie verlässt. Statt für Personen kann dies auch für Fahrzeuge oder im Luftraum für Flugzeuge gelten. Allgemein lässt sich sagen, dass es beim Geofencing darum geht, bewegliche Objekte „auf dem Radar“ zu haben und deren Bewegungen zu kontrollieren, unabhängig davon, ob sie sich gerade innerhalb oder außerhalb des definierten digitalen Zauns befinden.

Um einen Geofence zu installieren, wird eine moderne, mobile Technologie benötigt, die vor allem mit GPS oder RFID arbeitet.

GPS

Die Ortung von Objekten per GPS ist eine sehr präzise Methode und die am häufigsten eingesetzte Technik, um den Standort eines Objekts zu bestimmen. Ein Überschreiten des geografischen Zauns wird mit einem GPS-Tracker registriert, der sich an oder in dem Objekt befindet.

GPS-Tracker können unterschiedlich groß sein. Ihre Stromversorgung erfolgt in der Regel durch das zu überwachende Objekt oder sie haben einen internen Akku, so dass auch Signale gesendet werden können, wenn das Objekt gerade nicht mit Energie versorgt wird. Ein GPS befindet sich heute in jedem Smartphone und kann nach Bedarf ein- oder ausgeschaltet werden. Fahrzeuge wie Taxis, Mietwagen, Lkw oder Geldtransporter sind ebenfalls mit einem GPS-Tracker ausgestattet.

RFID

Geofencing ist ebenfalls mit RFID möglich. Allerdings ist diese Technologie vergleichsweise kostenintensiv und auf Grund des hohen Aufwands bei der Integration weniger alltagstauglich als GPS. Für eine Übertragung der RFID-Signale werden Transponder benötigt, die an dem zu überwachenden Objekt angebracht sind und – je nach Frequenz – bis zu zehn Meter weit an ein Lesegerät senden.

Die Kopplung erfolgt durch das Lesegerät mittels magnetischer Wechselfelder oder hochfrequenter Radiowellen, wobei der Transponder auch mit Strom versorgt wird. Soll eine größere Reichweite erzielt werden, sind aktive Transponder mit einer eigenen Energieversorgung erforderlich, was aber die Kosten in die Höhe treibt.

Einsatzbereiche von Geofencing

Die Einsatzmöglichkeiten für Geofencing sind nahezu unbegrenzt. In vielen Bereichen wie dem Diebstahlschutz macht die Nutzung der Technologie durchaus Sinn, in anderen grenzt sie an Spielerei (etwa bei der Überwachung von Haustieren) oder ist sogar höchst fragwürdig, zum Beispiel wenn Menschen damit versuchen, ständig ihre Partnerinnen und Partner zu lokalisieren und auf Schritt und Tritt zu verfolgen.

Sinnvoll ist die Anwendung für unterschiedliche Fahrzeugflotten und Fuhrparks. Autovermieter können mit Hilfe von Geofencing nachhalten, wo sich ihre Fahrzeuge gerade befinden und sicherstellen, dass sie nur im Inland gefahren werden oder an den vereinbarten Plätzen wieder abgestellt werden. Unternehmen für Werttransporte rüsten ihre Fahrzeuge mit GPS-Trackern aus und können aus der Zentrale heraus verfolgen, ob die Fahrer die festgelegte Route und den Zeitplan einhalten. Weicht das Fahrzeug von der Strecke ab und bewegt sich plötzlich in eine unvorhergesehene Richtung, wird sofort ein Alarm ausgelöst und es können entsprechende Gegenmaßnahmen in die Wege geleitet werden.

Paketdienstleister nutzen Geofencing für Informationen an ihre Kunden. Diese können via Sendungsverfolgung nachhalten, ob ihr Paket noch im Verteilzentrum ist, sich im Zustellfahrzeug oder bereits in ihrer Nähe befindet und die Ablieferung kurz bevorsteht. Logistikunternehmen wissen jederzeit, wo sich ihre Trucks gerade aufhalten, ob der Fahrer Umwege macht oder ob ein Lkw bei starken Abweichungen von der Route eventuell gestohlen wurde. Allgemein betrachtet, lässt sich die gesamte Fuhrparkkoordination damit optimieren.

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Durchaus sinnvoll ist Geofencing auch in Bezug auf ein Drohnenmanagement. Bei großen Veranstaltungen wie Fußballspielen, Open-Air-Festivals, Stadtfesten oder Demonstrationen lässt sich für deren Dauer der Luftraum sperren.

Straftäter, die Freigang haben oder unter Hausarrest stehen und deshalb eine Fußfessel tragen, können sofort über einen Alarm lokalisiert werden, wenn sie die für ihren Aufenthalt festgelegte Zone verlassen.

Unternehmen können sicherheitsrelevante Bereiche schützen. Sollte ein Besucher oder ein Mitarbeiter unerlaubterweise Räume betreten, zu denen nur ein bestimmter Personenkreis Zutritt hat, wird ein Alarm ausgelöst und die Situation kann umgehend von der Security-Abteilung bereinigt werden. Ähnliches gilt für Museen, Schulen, Universitäten und andere Gebäude.

Auch im Segment von Werbung und Marketing ergeben sich durch Geofencing zahlreiche Möglichkeiten. Im Zusammenhang mit Geotargeting und vorausgesetzt, ein Kunde hat die Erlaubnis für Push-Nachrichten gegeben, kann etwa ein Supermarkt über aktuelle Sonderangebote informieren, wenn der Kunde in unmittelbarer Nähe ist, oder ein Restaurant mit einer speziellen Tageskarte werben.

Auch die zunehmende Verbreitung von 5G und den einhergehenden Wireless-Kapazitäten spielt dem Thema Geofencing n die Hände.

Nachteile von Geofencing

Bei allen Vorteilen, die Geofencing vor allem für Unternehmen in täglichen Arbeitsabläufen oder im Marketing bereithält, gibt es auch Nachteile, die nicht zu unterschätzen sind. So bestehen etwa datenschutzrechtliche Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre von Verbrauchern bei der Erhebung von Bewegungsprofilen und deren Auswertung.

Hinzu kommt ein erhöhtes Aufkommen an Benachrichtigungen, mit denen Verbraucher quasi „bombardiert“ werden können. Betritt jemand eine Zone, in der sehr viele Unternehmen einen eigenen Geo-Zaun eingerichtet haben, kann die Anzahl der eingehenden Nachrichten sehr stark anwachsen.

Geofencing kann hohe Kosten verursachen und deshalb für Unternehmen auf lange Sicht recht teuer werden. Das liegt unter anderem daran, dass ein App-basiertes Geofencing viel Pflege benötigt und wartungsintensiv ist. Für den Zeitaufwand bei der Pflege wird entsprechend Personal benötigt und muss bezahlt werden.

Nicht zuletzt sind dem Geofencing auch technische Grenzen gesetzt. Gerade innerhalb von Gebäuden und Fahrzeugen kommt es zu Störungen der Signalübertragung von Navigationssatelliten, so dass ein Auffinden von gestohlenen Gegenständen stark erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird. Oder der Empfang von Signalen wird von unerlaubt eingesetzten Störeinrichtungen verhindert.

Des weiteren bilden Kriminelle Satellitensignale nach (das sogenannte Spoofing) und können dadurch eine völlig andere Position als die tatsächliche vortäuschen. Und schließlich gibt es immer noch Regionen, vor allem im ländlichen Bereich, in denen die Mobilfunkabdeckung nur schwach entwickelt ist, so dass die für Geofencing benötigten GPS-Empfänger keine Standortmeldungen mehr verschicken können.

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