Das Geoweb wird definiert als Kombination des Web 2.0 mit geografischen Informationen und Geodaten-Technologien. Es erlaubt eine Suche nach geografischen Inhalten auf der Basis von Standorten, statt unter Verwendung von Schlüsselwörtern.
Geoweb steht für eine räumliche Organisation von Informationen im Netz.
Das klassische Internet konzentriert sich auf Content, der über Schlagworte oder Keywords aus der gewaltigen Menge an Informationen gefiltert wird. Das sogenannte Geospatial Web, kurz auch Geoweb hingegen verfolgt den Ansatz einer Suche nach Orten. Es verbindet das gespeicherte Wissen im Netz mit geografischen Informationen und allem, was damit zu tun hat, inklusive Geomatik und geografischer Informationssysteme (GIS). Der französische Geografieprofessor Thierry Joliveau hat das Geoweb im Jahr 2010 definiert als eine „räumliche Organisation von Informationen im Internet durch direkte oder indirekte Georeferenzierung auf der Erdoberfläche“.
Entstehungsgeschichte des Geoweb
Ein genaues Datum für die Entstehung des Geoweb-Gedankens lässt sich nicht festschreiben. Einer der ersten, der von einem Geoweb sprach, war der amerikanische Wissenschaftler Dr. Charles Herring. In einem Aufsatz schreibt er, das Geoweb würde sich als solches auszeichnen durch eine „Selbstsynchronisierung von Netzadressierung, Zeit und Standort“. Dadurch ergäbe sich die Möglichkeit, den jeweiligen Standort zu einer „Selbstorganisation aller über das Internet verfügbaren raumbezogenen Daten zu nutzen“.
Es gibt zwar ältere Werkzeuge und Ansätze, aber allgemein wird die Entstehung des Geoweb auf das Jahr 2005 datiert, als der Kartendienst Google Maps bereitgestellt wurde. In der Folge wuchs das Angebot von Werkzeugen und Diensten wie OpenStreetMap, BingMaps oder MapsMe mit zahlreichen differenzierten Nutzungsmöglichkeiten recht schnell.
Eines dieser frühen Werkzeuge war der „Spatial Web Broker“ von Genasys aus der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. Es ermöglichte Web-Entwicklern die Integration von bestimmten GIS-Funktionen in Business-, Government- und Portalanwendungen. Später folgten Konzepte und Produkte wie NASA World Wind, Google Earth sowie die genannten Maps, durch die sowohl das Interesse als auch das Verständnis einer breiteren Öffentlichkeit für den Stellenwert von Standortinformationen zur Indexierung von Daten gesteigert wurden.
Geografische Informationssysteme als Basis für das Geoweb
Ein GIS setzt sich aus fünf Bestandteilen zusammen: Software, Daten, IT-Geräten, Know-how und Nutzern. Die Software muss sechs Funktionen erfüllen, die auch unter der Bezeichnung „6As“ bekannt sind:
Analyse (Bearbeitung und Abfrage geografischer Daten),
Ansicht (Visualisierung und Formatierung),
Abstraktion (Darstellung der Realität),
Antizipation (prospektiv = auf die Zukunft ausgerichtet).
Die erforderlichen geografischen Daten werden aus Dateien und anderen Quellen importiert bzw. von Bedienern eingegeben. Von geografischen Daten spricht man, wenn sich die darin enthaltenen Informationen auf ein einzelnes oder auf mehrere sichtbare Objekte auf der Erdoberfläche beziehen. Dabei werden die Koordinaten eines Objekts durch ein geodätisches (= räumliches) Bezugssystem definiert.
Die Datenerfassung und Kartierung erfolgt im Feld vor Ort, unter anderem mit GPS-Systemen und lasergestützten Entfernungsmessern. Die Datenverarbeitung kann später auf einem Desktop-Computer erfolgen, wird aber in den letzten Jahren zunehmend auch vor Ort durchgeführt, da eine Visualisierung der Karte in Echtzeit die Produktivität und die Ergebnisqualität erhöht. Die Verbreitung geschieht dann im Anschluss über Client-Server-Systeme in unterschiedlichen Netzwerken (Intranet, Extranet oder Internet).
Die Erstellung eines GIS durch eine Person oder eine Gruppe von Personen erfordert eine Menge technisches Know-how und weitere Fähigkeiten. Dazu zählen Kenntnisse in der Geodäsie (laut DIN 18709-1 die „Wissenschaft der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche“), der Datenanalyse, der Modellierung und einiges mehr.
Was die Nutzer von geografischen Informationssystemen betrifft, lässt sich nicht davon ausgehen, dass sie alle Spezialisten sind. Deshalb werden von einem GIS in der Regel bestimmte Werkzeugkästen für die Durchführung von Projekten bereitgestellt, wobei aber auch grundlegende Operationen ein gewisses Niveau an Qualifikationen erfordern.
Möglichkeiten und Kapazitäten des Geowebs
Geografische Informationssysteme sind also schon seit langer Zeit eine Spezialität von erfahrenen Fachleuten und werden vor allem von größeren Organisationen wie Kommunen oder Regierungen eingesetzt und genutzt. Das Geoweb hingegen bietet die Möglichkeit, geografische Informationen für eine breite Masse verfügbar zu machen.
Stand: 08.12.2025
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Insofern ist es von seiner Kapazität her mit einer Suchmaschine wie Google zu vergleichen und kann der breiten Nutzergemeinde wertvolle Informationen an die Hand geben. Es soll nicht nur ein visuelles Medium sein, sondern auch eine auf Räume bezogene Plattform für die Entdeckung, Nutzung und Selbstorganisation geografischer Daten. Durch diese Fähigkeiten kann das Geoweb jedem einzelnen Internetuser die Gelegenheit geben, mit Posts zu diesem Informationsfluss beizutragen bzw. die bereits vorhandenen Daten abzurufen. Dadurch entsteht ein neuer Marktplatz für die Publikation, den Handel und Austausch sowie die Kommerzialisierung von geografisch ausgerichteten Informationen.
Für nicht wenige Experten liegt das Ziel des Geoweb darin, eine digitale Umgebung oder virtuelle Realität zu schaffen, in die man eintauchen und die eigene Realität wiederfinden kann. Dadurch ließe sich nach ihrer Meinung das Verständnis der realen Welt und ihrer Prozesse optimieren sowie eine bessere Verwaltung und Organisation von Ressourcen erreichen. Gleichzeitig könne es dazu beitragen, Dienstleistungen und Produkte in der Nähe des jeweiligen eigenen Standorts zu finden, gleichgesinnte Menschen zu treffen oder auch einfach nur Spaß zu haben.
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