FIA Formula E in Berlin Porsche triumphiert doch noch

Von Dr. Dietmar Müller 5 min Lesedauer

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Im zehnten Saisonrennen konnte sich das TAG Heuer Porsche Formula E Team doch noch die Pole-Position auf dem Siegertreppchen sichern, nachdem man am Vortag nach langer Führung abgerutscht war. Die Cloud dahinter von Cato hat gerade ein Update erhalten.

Antonio Felix da Costa konnte in der FIA Formula E in Berlin am Tag des zweiten Rennens den Sieg für Porsche TAG Heuer erringen.(Bild:  Cato Networks)
Antonio Felix da Costa konnte in der FIA Formula E in Berlin am Tag des zweiten Rennens den Sieg für Porsche TAG Heuer erringen.
(Bild: Cato Networks)

Die Formel E biegt in die Zielgerade ein. Über Portland am 29. und 30. Juni geht es am 20. und 21. Juli zu den letzten beiden Rennen nach London. Für deutsche Rennsport-Enthusiasten war bereits der E-Prix in Berlin ein Fest: Seit zehn Jahren schon fährt die Formel E Rennen auf dem Tempelhofer Feld, die genauso lange vom ADAC Berlin-Brandenburg perfekt organisiert werden. Am 11. und 12. Mai 2024 fanden auf dem neu konfigurierten 2,3 Kilometer langen Rundkurs der neunte und zehnte von insgesamt 16 Starts statt. Den ersten davon hat der Neuseeländer Nick Cassidy auf Jaguar gewonnen, was bitter für den bislang führenden Pascal Wehrlein vom TAG Heuer Porsche Formula E Team war.

Bereits im Freien Training am Freitag war Wehrlein vom Pech verfolgt: Während Teamkollege Antonio Felix da Costa die schnellste Rundenzeit hinlegte, musste der Pilot aus Worndorf bereits nach wenigen Minuten zwischen den Kurven 6 und 7 seinen Wagen dem Bergungsfahrzeug überlassen. Das genaue Problem wollte der Head of IT at Porsche Motorsport, Friedemann Kurz, gegenüber CloudComputing-Insider nicht verraten, am Renn-Samstag fuhr Wehrlein aber mit einem „komplett überarbeiteten, also praktisch vollkommen neuen“ Auto, wie uns ein Mechaniker in der Box verriet.

Es half alles nichts. Ausgerechnet beim ersten Heimspiel in der Formel E in diesem Jahr verlor Tag Heuer Porsche vorübergehend die Meisterschaftsführung. Auch da Costa konnte in dem turbulenten Rennen mit vielen Ausfällen und Kollisionen nichts mehr reißen – obwohl oder vielmehr weil beide Porsche 99X Electric viele Runden lang in Führung lagen. Genau das sollte nämlich vermieden werden, wie im Gespräch mit Kurz vor dem Start klar wurde, weil die Konkurrenz es sich im Windschatten gemütlich machen konnte und wertvolle Energie sparte, die den Porsches am Ende fehlte. Wehrlein stand schließlich auf Rang 5, da Costa auf 6.

Der E-Motorsport gastierte in Berlin. Er ist stark datengesteuert, die Computer im Auto erzeugen pro Renn-Event 100 bis 500 Milliarden Datenpunkte. (Bild:  Cato Networks)
Der E-Motorsport gastierte in Berlin. Er ist stark datengesteuert, die Computer im Auto erzeugen pro Renn-Event 100 bis 500 Milliarden Datenpunkte.
(Bild: Cato Networks)

Wenigstens konnte da Costa dann am Sonntag, dem Tag des zweiten Rennens, ganz oben auf das Siegerpodest klettern. Auch da hatte er lange Führungsarbeit geleistet, trotzdem reichte die Kraft noch für den Sieg. Wehrlein verpasste als Vierter nur knapp das Doppelpodium für Porsche. Trotzdem übernahm der Rennstall wieder die Führung in der Herstellerwertung.

Hitze als Herausforderung

Seit Januar läuft die Formel E rund um den Globus – moderne Motorsport-Wettbewerbe werden gerne als Wanderzirkus bezeichnet, da sie sich alle paar Tage neu aufstellen und in das nächste Land weiterziehen. Beim Gastspiel in Berlin herrschten beste Bedingungen – die Techniker konnten sich entspannen, während sie sonst, etwa in Dubai, mit der Hitze zu kämpfen haben.

Denn bei hohen Außentemperaturen wird das Management der Batterie zur kniffligen Angelegenheit: Die Lithium-Ionen-Akkus erwärmt sich mit jeder Bewegung des Gaspedals und jeder Betätigung der Rekuperationswippe am Lenkrad. Klettert die Temperatur des Akkus über 72 Grad, lässt die Wirkung der Rekuperation nach, ab 74 Grad wird auch die Energieabgabe reduziert, die Autos fahren nicht mehr so schnell. Entsprechend muss viel Außenluft zur Kühlung zugeführt werden. Ist diese aber selber heiß, bekommt das Fahrzeug ein Problem.

IT-Teams kennen das gut, sie haben im Prinzip im Rechenzentrum mit demselben Problem zu kämpfen. Und auch an der Rennstrecke müssen gelegentlich Server gekühlt werden. Nicht so aber am Tempelhof Airport Circuit. Da konnte man es auch als Zuschauer auf der Tribüne in praller Sonne ein Rennen lang gut aushalten.

SASE-Plattform erhielt neue Features

Der Head of IT at Porsche Motorsport, Friedemann Kurz, und Greg Duffy, Product Marketing Director von Cato Networks, erläutern vor dem Rennen coram publico Ihre Zusammenarbeit.(Bild:  Müller)
Der Head of IT at Porsche Motorsport, Friedemann Kurz, und Greg Duffy, Product Marketing Director von Cato Networks, erläutern vor dem Rennen coram publico Ihre Zusammenarbeit.
(Bild: Müller)

Der E-Motorsport ist stark datengesteuert, die verschiedenen Computer im Auto erzeugen pro Renn-Event 100 bis 500 Milliarden Datenpunkte. Insgesamt werden mehr als 400 Gigabyte an Daten generiert und zur Analyse in die Cloud gesendet. Da müssen sich die Teams auf ihre IT-Netzwerke verlassen können, gilt es doch, in Sekunden wichtige Strategieentscheidungen zu treffen. Die von Porsche Tag Heuer für die Datenübertragung genutzteSASE-Cloud-Plattform des Netzwerkers Cato ist laut Kurz mittlerweile ein Eckpfeiler der Teamstrategie.

Erst kürzlich ist sie um einige Sicherheitsfunktionen erweitert worden, wie Greg Duffy, Product Marketing Director von Cato Networks, gegenüber CloudComputing-Insider erläuterte. Sie liefere nun Endpoint Protection, Threat Detection und Incident Response. „Erfolgreiche SASE-Projekte wie unsere Partnerschaft mit Porsche Tag Heuer sorgen für eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen Netzwerk- und Sicherheitsteams. Die Konvergenz dieser Teams ist entscheidend für den Sieg“, erläuterte Duffy. Man müsse sich nur vorstellen, was los wäre, wenn während eines Rennens eine Ransomware-Attacke erfolgreich wäre.

Darüber hinaus, so Duffy, lasse sich die SASE-Cloud nun deutlich schneller bereitstellen. Und immer schneller Daten übermitteln könne sie auch. Vor dem Tokyo E-Prix im März hatte Cato im Porsche Studio Ginza einen neuen Durchsatzrekord in einem einzigen, verschlüsselten Tunnel aufgestellt: 10 Gbit/s ohne Hardware-Upgrades. Ursprünglich waren Cato und Porsche Tag Heuer mit 10 Gbit/s in die ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft gestartet.

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Mit dem jüngsten Update sei es möglich, alle Daten des Rennstalls einer gesamten Formel-E-Saison in weniger als 2,5 Stunden zu übertragen. Früher habe man satte 3,5 Tage warten müssen. „Der Durchsatz der Cato SASE Cloud übertrifft sogar die unglaublichen Geschwindigkeiten der Gen3-E-Rennwagen“, feixte Duffy.

Wie gesagt hat man die Tempoerhöhung allein durch neue Software bewerkstelligt. Dafür werden rechenintensive Vorgänge, die normalerweise die Leistung der Edge-Appliance beeinträchtigen – Paketverschlüsselung/-entschlüsselung, Sicherheitsprüfung und dergleichen – von mehreren Cato Single Pass Processing Engine (SPACE)-Kernen abgewickelt, die gleichzeitig Echtzeitverkehr innerhalb von Cato PoPs (Points of Presence) verarbeiten. Auch sei nun eine parallele Netzwerkflussverarbeitung im Cato Socket möglich, um den Durchsatz durchgängig zu verbessern.

Planung für die kommende Saison noch geheim

Aktuell beträgt die maximale Bandbreite 50 MBit Up- und Download-Geschwindigkeit. Alle IT-Anwendungen müssen innerhalb dieser Bandbreiten arbeiten. Von der Rennstrecke zum Hauptquartier weist Cato eine RTT (Round Trip Time) von etwa 80 bis 100 Millisekunden auf. An einem normalen Rennwochenende überträgt das TAG Heuer Porsche Formula E Team etwa 300 bis 400 Gigabyte an Daten um die Welt.

Die Einrichtung der IT für ein Rennen dauert lediglich zwei bis drei Stunden, so Kurz. Hinzu kommen vier bis fünf Stunden für alle Dienstleistungen. Seit Beginn der Partnerschaft kommt das TAG Heuer Porsche Formula E Team ohne einen Serverschrank in der Garage aus.

Der IT-Chef berichtete im Gespräch, dass er natürlich bereits an der Planung für die kommende Saison sitze. Details dazu wollte er aber nicht verraten, das wäre verständlicherweise nachteilig im Wettkampf. Nur so viel konnte er für uns skizzieren: Die von Cato gelieferte Hardware werde auch im kommenden Jahr noch einmal kleiner ausfallen als in diesem, was den Transport von Renn-Event zu Renn-Event natürlich deutlich vereinfache: „Früher musste für so eine Veranstaltung Container-weise Hardware bewegt werden, heute könnten wir das Equipment tragen.“

Nächster Stopp des elektrischen Rennzirkus ist also Portland (29./30.06.). Die E-Saison 2024 endet am 20./21. Juli in London.

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