Traditionsverein setzt mit HPE souveräne Digitalstrategie um „Rote Linien“ bei Fortuna Düsseldorf

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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Der Fußballverein Fortuna Düsseldorf will die Datennutzung optimieren, um Mehrwerte für die Fan-Gemeinde zu bieten. Gemeinsam mit Hewlett Packard Enterprise (HPE) baut der Zweitligist eine zentrale Dateninfrastruktur auf – losgelöst von Public-Cloud-Anbietern, aber mit Fokus auf Skalierbarkeit, KI-Einsatz und nachhaltiger Fan-Interaktion.

Fortuna Düsseldorf will das Beste aus zwei Welten: moderne IT-Infrastruktur mit lokaler Kontrolle – eine Digitalstrategie, die Fans, Verein und wirtschaftliche Ziele intelligent miteinander verbinden soll.(Bild:  F95 / David Matthäus)
Fortuna Düsseldorf will das Beste aus zwei Welten: moderne IT-Infrastruktur mit lokaler Kontrolle – eine Digitalstrategie, die Fans, Verein und wirtschaftliche Ziele intelligent miteinander verbinden soll.
(Bild: F95 / David Matthäus)

Offiziell vorgestellt wurde die neue Datenplattform in Düsseldorf – erst gegenüber der Presse, dann in einem Fan-Forum mit Mitgliedern und Anhängern. Die Plattform ist für den Zweitligisten ein technologischer und kultureller Meilenstein: Sie basiert auf HPE-Technologie, wird aber vollständig von Fortuna selbst betrieben, was den datensouveränen Betrieb garantiere. HPE als Partner „befähigt nur“ erklärt Alexander Jobst, Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf, „die Daten, die Fortuna Düsseldorf sammelt, bleiben zu jedem Zeitpunkt in den Händen des Vereins. Wir verkaufen keine Daten – und niemand außer uns hat Zugriff.“

Ausgangslage: Legacy, Silos, keine Interoperabilität

Bisher existierten viele Datenquellen – von Ticketing über Merchandising bis zum Scouting – unverbunden nebeneinander. „Viele Komponenten waren vorhanden, aber nicht miteinander kompatibel“, beschreibt Jobst. Wie ein leerer Motorraum sei das bisher gewesen – ohne Antrieb, ohne Innovationsmöglichkeiten.

Mit dem erfolgreichen Massenticket-Projekt „Fortuna für alle“ und mehr als 120.000 Bewerbungen begann 2024 der Wandel. Diese Erfahrungen lieferten die Blaupause für die neue Plattform. Indem man nun Datentöpfe zusammenführe und harmonisiere, könnte die Fan-Experience deutlich verbessert und auch die Freispiele fair und transparent gemanagt werden, so Jobst.

Technologische Basis: Private Cloud in Eigenhoheit

Herzstück ist ein Rechenzentrum im Düsseldorfer Stadtteil Reisholz. HPE liefert die Infrastruktur – Server, Storage, Netzwerk, Services –, doch die Souveränität bleibt beim Verein. Der Hersteller helfe, eine moderne und maximal sichere Datenplattform aufzubauen – aber ohne, dass der Verein sich abhängig mache, betont auch Jens Terliesner, Leiter Digitale Entwicklung bei Fortuna.

Auch Johannes Koch, Managing Director HPE Zentraleuropa, hebt die Besonderheit hervor: „Viele Clubs erkennen den Wert von Daten. Fortuna geht hier allerdings einen eigenständigen, vorbildlichen Weg: in eigener Hoheit und Regie, transparent gegenüber Mitgliedern und Fans.“ HPE muss es wissen: Der Konzern bringt viel Erfahrung aus dem Sportbereich mit – der Formel 1 oder dem Ryder Cup Europe – und auch aus ähnlichen Projekten mit dem FC Barcelona und Tottenham Hotspur.

Use Cases: Data-Driven Fan Experience & Business Intelligence

Fortuna Düsseldorf will im ersten Schritt das Venue-Management und die Fan-Journey optimieren, wie In-App-Ticketkauf und -Zugang, Anfahrt per ÖPNV oder Parkplatzbuchung, Navigation im Stadion (Sitzplatz, Toilette, Gastronomie), Realtime-Spielinfos, Replays und Statistiken sowie Zahlungsservices und Loyalty-Funktionen.

Im Rahmen eines Fan-Forums informierte der Verein interessierte Fans und Mitglieder über den Start der neuen Datenplattform. Im Bild (v.l.) HPE-Zentralchef Johannes Koch und Alexander Jobst, Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf.(Bild:  F95 / David Matthäus)
Im Rahmen eines Fan-Forums informierte der Verein interessierte Fans und Mitglieder über den Start der neuen Datenplattform. Im Bild (v.l.) HPE-Zentralchef Johannes Koch und Alexander Jobst, Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf.
(Bild: F95 / David Matthäus)

Alles soll künftig in einer einzigen App abgebildet werden – mit maximalem Komfort und personalisierten Angeboten. Die konkrete Ausgestaltung soll gemeinsam mit Fans in Workshops erfolgen. „Wenn wir personalisierte Werbung oder Angebote machen, dann zielgerichtet – passend zum Fan, nicht streuwirkend,“ so Jobst. Langfristig sollen die Analysemöglichkeiten auch im sportlichen Bereich ausgebaut werden: von automatisiertem Scouting über Trainingsanalyse bis zur Integration bestehender Sports-Tech-Systeme.

Der Fokus liegt derzeit auf Datenintegration und -harmonisierung, doch KI ist langfristig als Enabler vorgesehen, wie intelligente Ticketvergabe-Algorithmen (Fairness, Segmentierung), automatisierte Produktempfehlungen, Realtime-Auswertung im Spielbetrieb oder personalisierte Fan-Avatare und AR-Angebote. „Wenn die Plattform steht, wird KI zum Katalysator – sowohl für Fanbindung als auch für Geschäftsoptimierung,“ verspricht HPE-Manager Koch.

Datenhoheit als Differenzierungsmerkmal

Im Mittelpunkt der Architektur steht nicht nur Technologie, sondern Vertrauen, betont Jobst, „mit Mehrwert für Fans und den Verein, aber immer entlang der von uns klar definierten roten Linien.“ Fortuna positioniert sich mit klarer Haltung: keine Datenweitergabe, keine externen Cloud-Infrastrukturen und vollständige Transparenz gegenüber Mitgliedern. „Der Verzicht auf US-Cloud-Anbieter wie Amazon oder Google macht uns unabhängig – ohne datentechnisch hinterherzuhinken,“ so Terliesner.

Mit der neuen Datenplattformstrategie will Fortuna Düsseldorf Vorbild sein und zeigen, wie auch mittelgroße Organisationen eine souveräne Plattformstrategie umsetzen können. „Wir sind vielleicht nur Zweitligist – aber in Sachen Digitalisierung wollen wir erstklassig sein,“ resümiert Jobst.

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