Es klingt möglicherweise widersinnig, wenn ich als Leiter der KI-Transformation sage, dass künstliche Intelligenz nicht der wichtigste Teil meiner Arbeit ist. KI trägt zwar maßgeblich zu den radikalen Veränderungen bei, die wir erzielen möchten, aber die Technologie an sich macht nur etwa 10 % der Lösung aus. Ein großer Teil der Planung und Investitionen konzentriert sich auf Herausforderungen wie die Integration isolierter Informationssysteme, die Schaffung der nötigen Voraussetzungen zur sicheren Einführung von KI und die Ermittlung des passenden Business Case. Entscheidend ist das Verständnis, dass es bei der Einführung von KI nicht allein darum geht, die bestehenden Prozesse zu verbessern. Unsere Arbeitsweise soll sukzessiv und nachhaltig umgestaltet werden. Das Ziel sind phasenweise, praktische Verbesserungen, die mit der Zeit einen Reifeprozess durchlaufen.
Für ein Unternehmen mit bewährten Betriebsabläufen kann dies eine echte Herausforderung sein und eine bewusste Umstellung erfordern – von reiner Problemlösung hin zu einem Überdenken der Art und Weise, wie im gesamten Unternehmen Wertschöpfung betrieben wird. KI ist sehr leistungsfähig und kann Ihre Teams dabei unterstützen, neue Lösungen zu finden. Beispielsweise indem mehr Daten über Marktchancen erfasst werden, um die Produktivität und die Entscheidungsfindung zu verbessern. Durch die sichere, verantwortungsbewusste Einführung von KI ermöglichen Sie den internen Teams ein intelligenteres Arbeiten, und genau darauf sollte der Fokus liegen. Wenn Ihr Unternehmen sich auf diese Veränderung einlässt, müssen Sie berücksichtigen, dass KI am effektivsten ist, wenn Sie die richtigen Daten zusammenführen. Viele Unternehmen, auch das unsere, sind heute in diesem Bereich noch nicht ausgereift. Die Unternehmen, die bei der Einführung von KI erfolgreich waren, haben den schrittweisen Aufbau der Datenbereitschaft priorisiert. So kann KI echte Wertschöpfung bewirken – ohne überzogene Versprechungen.
Die KI-Transformation hat zudem weiter reichende Auswirkungen, weil Änderungen umgesetzt werden müssen, ohne die bestehenden Betriebsabläufe zu unterbrechen. Entsprechend gibt es einige wichtige Bereiche, denen Unternehmen besondere Aufmerksamkeit widmen müssen, über die Wahl des richtigen KI-Tools hinaus.
- Strukturelle Veränderungen – Einrichtung eines KI-Gremiums
Angesichts der rasanten Weiterentwicklung der Technologie muss Ihr Unternehmen allerdings unbedingt geeignete Schutzmechanismen und Richtlinien zur ethischen Nutzung etablieren. Dies erfordert die Einführung eines funktionsübergreifenden KI-Gremiums, das ein Framework für die Nutzung von KI schafft, um die Auswirkungen der strukturellen Veränderungen zu managen. Dieses Framework ist der Dreh- und Angelpunkt für den KI-Ansatz Ihres Unternehmens. Finden Sie die Tools, die Ihren Teams die größten Vorteile bieten, und konzentrieren Sie sich auf die Anwendungsfälle mit dem größten Nutzen.
Die Aufgabe des KI-Gremiums ist die Schaffung einer Governance-Struktur, mit der die IT- und Cybersicherheits-Teams sicherstellen können, dass es durch die Nutzung von KI nicht zu neuen Schwachstellen kommt. Ebenso sollte das KI-Gremium klare Informationen und Sicherheitsmaßnahmen bereitstellen, damit Mitarbeitende die KI souverän und verantwortungsbewusst nutzen können. Wir wollen sicheres Experimentieren ermöglichen, statt die Innovation auszubremsen.
- Veränderungen auf Mitarbeiterseite – Zusammenarbeit und Experimentieren ermöglichen
Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie könnten mithilfe von KI Daten aus verschiedenen Systemen wie Kundenservice, Produktentwicklung und Marketing analysieren, um neue Chancen zur Unterstützung von Kunden zu identifizieren.
Die Integration dieser Datenquellen könnte als Eingriff in bestimmte Mitarbeiterrollen aufgefasst werden. Umso wichtiger ist es, allen Mitarbeitenden zu vermitteln, was von ihnen erwartet wird. Erklären Sie beispielsweise zunächst, wie die Bewertung erfolgen wird. Einfache Maßnahmen wie die Demonstration der Verwendung von KI-Tools sind nützlich, wobei Unternehmen auch Schulungen für Mitarbeitende anbieten sollten, wenn von diesen erwartet wird, dass sie die Technologie nutzen.
Denn mit der richtigen Unterstützung trauen sich Mitarbeitende, mit der Technologie zu experimentieren. Dies verschafft ihnen einen Einblick in die Anwendungsfälle von KI bei ihrer Arbeit und die Kompetenzen, die sie sich aneignen müssen. Erreicht wird dies dadurch, dass funktionsübergreifende Teams die Möglichkeit erhalten, neue Arbeitsweisen und neue Wege der Innovation zu erkunden. Die Führungskräfte des Unternehmens sollten dies fördern, indem sie den richtigen Ton vorgeben, Initiativen unterstützen, Erfolge feiern und Mitarbeiterfeedback berücksichtigen.
- Veränderungen auf Unternehmensseite – Aufbau des richtigen Business Case
Das Potenzial von KI verleitet leicht zu übermäßiger Begeisterung, und die Technologie wird zweifellos in den nächsten Jahren drastische Veränderungen in Unternehmen bewirken. Ich habe jedoch gesehen, welche Faktoren den Grundstein für eine erfolgreiche Transformation bilden. Führungsteams müssen in Bezug auf KI-bedingte Veränderungen unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und klare Ziele abstecken. Vor allem müssen sie bedenken, dass die Implementierung der Technologie allein nicht reicht. Der Erfolg hängt davon ab, dass sie die Mitarbeitenden in die Veränderungen einbinden. Viele Kommentatoren sprechen über den Anstieg von KI-zentrierten Unternehmen. Die Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden und deren Kompetenzen in den Mittelpunkt ihrer KI-Strategie rücken, können weitaus größere und nachhaltigere Wertschöpfung erzielen als Unternehmen, deren Fokus allein auf der Technologie liegt.
Über Daniel Ehnhage, Head of AI Transformation, Unit4
Daniel Ehnhage verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in digitaler und KI-gestützter Transformation. Bei Unit4 ist er für die Beschleunigung der KI-Strategie des Unternehmens verantwortlich. Dies umfasst die Skalierung verantwortungsbewusster Innovation und die Integration von KI-Funktionen im gesamten Unternehmen, um messbare geschäftliche Auswirkungen voranzutreiben.
Vor seinem Einstieg bei Unit4 leitete Daniel den Geschäftsbereich Daten und KI bei Atea in Schweden. Davor hatte er Führungspositionen bei Telia und Ericsson inne, wo sein Fokus auf digitaler Transformation, Datenstrategie und KI-gestützter Wertschöpfung lag.
Er ist zudem Vorsitzender des Data Council von TechSverige und beteiligt sich in dieser Funktion an nationalen Debatten über KI, Data Governance und digitale Wettbewerbsfähigkeit.