Angesichts hoher Anfälligkeiten globaler Lieferketten und eines makroökonomisch herausfordernden Umfeldes ist mehr Flexibilität gefordert: sowohl bei den IT-Systemen als auch auf Ebene der Mitarbeitenden. Voll im Trend: Künstliche Intelligenz.
Althergebrachte Strategien können im aktuellen volatilen Umfeld nicht mehr greifen; die Capgemini-Experten raten stattdessen, das Potenzial von Daten und KI auszuschöpfen, um beispielsweise neue Gesetzmäßigkeiten zu erkennen oder Lösungen zu entdecken.
(Bild: Capgemini)
Ein ungünstiges wirtschaftliches Umfeld, Fachkräftemangel und demographischer Wandel, dazu noch eine steigende Komplexität – vieles davon kann durch anpassungsfähige IT-Systeme und flexible Mitarbeiter aufgefangen werden. Die bessere Vernetzung von Systemen und Daten ist dabei wesentlicher Nutzbringer, so die Ergebnisse der aktuellen IT-Trends-Studie 2024 von Capgemini.
Die im September und Oktober letzten Jahres befragten 112 Fach- und IT-Verantwortliche aus Unternehmen und Behörden in Deutschland, Österreich und der Schweiz erwarten trotzdem weniger negative Auswirkungen der aktuellen Lage. Zwar erhöhen nicht mehr so viele Organisationen ihre IT-Budgets wie noch im vergangenen Jahr. Sie kürzen diese aber auch nicht massiv. Investiert wird hauptsächlich in die Implementierung und Entwicklung neuer Systeme, um Sicherheit und Geschwindigkeit sowie die bessere Integration von Anwendungen und Systemen zu erhöhen.
Gewinner: Künstliche Intelligenz
Zuletzt stagnierte die Nutzungsrate intelligenter Technologien zwei Jahre lang. Jetzt ist die KI-Nutzung im Vergleich zur IT-Trends-Studie des vergangenen Jahres wieder gestiegen. Und ihr Einsatz soll in vielen Bereichen von Unternehmen und Behörden weiter ausgebaut werden. Die höchsten Zuwachsraten werden bei generativen KI-Lösungen erwartet.
Generative KI hat für Organisationen ein hohes Einsatzspektrum. Dieses reicht von der Softwareentwicklung und Erstellung von Inhalten aller Art über virtuelle Assistenten für Mitarbeitende bis zur Datenbearbeitung und Kundenkommunikation. Viele Softwareanbieter intergrieren immer mehr KI-Funktionen in ihre Produkte, die viele Organisationen nutzen können, ohne eigene Lösungen entwickeln zu müssen.
(Bild: Capgemini)
Insgesamt setzen aktuell knapp 41 Prozent der Teilnehmenden aus der Wirtschaft und dem öffentliche Sektor KI intensiv oder sehr intensiv ein. Im Vorjahr waren es noch 34,5 Prozent. Unternehmen sind bei der KI-Nutzung deutlich aktiver als der öffentliche Bereich. Befeuert haben dies die jüngsten Erfolge mit generativen KI-Systemen. Die Anwenderorganisationen erwarten bei der Erstellung von Texten, Bildern, Audio- und Videodateien sowie Vorhersagen und Simulationen die höchsten Zuwachsraten. Sie sind sich aber auch den Risiken beim Einsatz intelligenter Systeme bewusst, vor allem hinsichtlich IT-Sicherheit und Haftung.
Defizite stehen KI-Nutzung im Weg
Immer weniger Daten können organisationsweit genutzt werden. Das wäre aber die Voraussetzung, um intelligente Technologien sinnvoll und effizient nutzen zu können. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Daten, die in der gesamten Organisation verfügbar sind, von durchschnittlich 53 auf 41 Prozent gefallen. Die Ursachen sind vor allem Datensilos sowie Gesetzesvorgaben und interne Vorschriften. Entscheidend ist auch: Unternehmen und Behörden müssen sich zu datengetriebenen Organisationen wandeln.
Die größte Hürde auf dem Weg dorthin ist allerdings eine fehlende datenaffine Kultur, wie Carlos Ferrero Calle, Vice President Business & Technology Solutions bei Capgemini, moniert: „Die Datenmenge weltweit steigt von Jahr zu Jahr an. Aber offenbar haben sowohl Unternehmen als auch Behörden Schwierigkeiten, sie organisationsweit nutzbar zu machen. Damit verschenken sie Potenzial, denn Daten sind zum einen die Grundlage für die Entwicklung von KI-Lösungen. Zum anderen ermöglicht die Analyse von Daten, Entscheidungen auf eine bessere Grundlage zu stellen, neue Services anzubieten und Prozesse zu optimieren. Unsere Studie zeigt, dass die mangelnde Datenverfügbarkeit weniger ein technisches als vielmehr ein kulturelles Problem ist. Mitarbeitende benötigen eine passende Struktur und Anreize, ihre Daten aufzubereiten und zu teilen.“ Thomas Heimann, Enterprise Architect Director bei Capgemini und Co-Autor der IT-Trends-Studie, schließt sich dieser Meinung an und fordert die Organisationen auf, die Chancen der KI-Technologie zu nutzen, deren Risiken aber durch strategische Planung und die Einführung klarer Regeln zu minimieren.
IT-Systeme und Mitarbeitende sind nicht flexibel genug
Vier von zehn Frontend- und Backend-Systemen haben nicht die nötige Flexibilität, um angemessen auf Veränderungen reagieren zu können. Die Diskrepanz zwischen dem Ist-Zustand und dem gewünschten Maß an Flexibilität ist im öffentlichen Bereich größer als in der Wirtschaft. Ähnlich unterschiedlich bewerten die Teilnehmenden die Veränderungsbereitschaft ihrer jeweiligen Mitarbeitenden.
Immer mehr IT im Rechenzentrum vor Ort wird zugunsten von Cloud-Services der Hyperscaler abgelöst. Auch Provider von Cloud-Softwarelösungen profitieren, während lokale Public-Cloud-Anbieter nur geringe Steigerungen erwarten können.
(Bild: Capgemini)
Besonders groß ist die Differenz auf der Leitungsebene. Während Unternehmensleitende auf einer Skala von 0 (nicht veränderungsfähig) bis 100 (extrem veränderungsfähig) rund 51 Punkte erhalten, werden Leitende von Behörden mit 38 Punkten als deutlich unflexibler eingestuft. Im Vorjahr hatten sie noch rund 52 Punkte erhalten. Da die bewertenden Fachabteilungen höhere Anforderungen haben, erwarten sie auch insgesamt mehr Flexibilität und anpassungsfähigere IT-Systeme, was die weniger gute Bewertung der Führungskräfte sowie Unternehmens- bzw. Behördenleitungen erklärt.
Thomas Heimann warnt davor, dass sich Führungskräfte in unruhigen Zeiten noch immer auf altbewährte Strategien verlassen. Er rät, „das Potenzial von Daten und KI auszuschöpfen, um beispielsweise neue Gesetzmäßigkeiten zu erkennen oder Lösungen zu entdecken. Diese Informationen können dazu beitragen, dass Führungskräfte flexibler reagieren, weil sie Entscheidungen in eine ungewohnte Richtung mit Fakten absichern können und dadurch das Risiko senken.“
KI-Vereinfacher Cloud
Der Anteil der Cloud-Services wird in den kommenden fünf Jahren deutlich auf insgesamt knapp 84 Prozent steigen. Nicht nur der gestiegene Einsatz von Künstlicher Intelligenz fordert das. Die Verschiebung findet hauptsächlich zulasten von IT im Rechenzentrum vor Ort und zugunsten von Cloud-Services großer internationaler Cloud-Anbieter statt, den sogenannten Hyperscalern. Dafür sollen viele Anwendungen neu entwickelt werden, was den Anteil cloudnativer Applikationen in den nächsten fünf Jahren von heute knapp 29 Prozent auf knapp 63 Prozent erhöhen wird.
Stand: 08.12.2025
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Technologietrends 2024
26 Technologien aus den Bereichen Anwendungen, Daten, Infrastruktur, Interaktion, Prozesse, Sicherheit und Zusammenarbeit haben die teilnehmenden CIOs für die aktuelle IT-Trends-Studie bewertet.
Fünf Technologien (Preventive and Predictive Maintenance, Mobile Wallet, Distributed-Ledger-Technologie, Machine Learning und Natural Language Processing) hat Capgemini in der Befragung gestrichen oder durch andere ersetzt. Neu hinzugekommen sind die Themen 5G, digitale Identität, Schutz gegen Angriffe mit KI-Lösungen und Generative KI. Diese Veränderungen beeinflussen die Platzierungen.
Technologien mit höchster Bedeutung für Organisationen:
1. Zero Trust 2. Schutz gegen Angriffe mit KI-Lösungen 3. Multicloud-Lösungen 4. Generative Künstliche Intelligenz 5. Intelligente Prozessautomatisierung wie RPA (vorgerückt auf Platz 5!)
Technologien mit der geringsten Bedeutung:
22. Aufbau oder Nutzung von Marktplätzen, z.B. für Cloud- und Datenservices oder Algorithmen 23. 5G 24. Virtual & Augmented Technology 25. Graphdatenbank 26. Quantencomputing
Die wichtigsten Technologien sowie das Projektstadium in Organisationen.