Transparenter Handel mit Gebrauchtsoftware

Lizenztransfer via Blockchain

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Das Blockchain-Prinzip vereinfacht den legalen Handel mit gebrauchter Software.
Das Blockchain-Prinzip vereinfacht den legalen Handel mit gebrauchter Software. (Bild: © Brazhyk - stock.adobe.com)

Auch wenn der Markt für Gebrauchtsoftware eigentlich beständig wächst, herrscht doch in vielen Unternehmen weiterhin Skepsis. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Anwender durch umfangreiche Dokumentationsnachweise belegen müssen, dass sie legal gekaufte Zweitlizenzen nutzen.

Obwohl der Kauf von Gebrauchtsoftware legal und kosteneffizient ist, verzichten viele dennoch auf gebrauchte Lizenzen. Software ist ein digitales Gut, das ohne Auswirkungen auf die Ausgangsdatei vervielfältigt werden kann – mit dem Nachteil, dass man nicht genau wissen kann, wie viele Kopien dieser Datei tatsächlich existieren. Dieser Nachteil schreckt dann doch viele potenzielle Käufer ab. Das vom Gesetzgeber geforderte, aufwändige Nachweisverfahren kann allerdings heute durch den Einsatz von Blockchain-Technologie deutlich vereinfacht werden.

Dr. Ing. Peter J. Hoppen, IT-Sachverständiger.
Dr. Ing. Peter J. Hoppen, IT-Sachverständiger. (Bild: Streitz Hoppen & Partner)

Das Blockchain-gestützte Verfahren, was einige Gebrauchtsoftwarehändler ihren Kunden bereits anbieten, schließt die Gefahr der illegalen Vervielfältigung dadurch aus, indem die gesamte Historie des Lizenztransfers aufgezeichnet wird. Die Soft & Cloud AG etwa nutzt dazu das selbstentwickelte Transferverfahren Licence on Blockchain (LOB). Dieses folgt dem Prinzip, dass auf der Ethereum-Blockchain nicht nur Transaktionen validiert werden können, sondern auch kleine Programme, sogenannte Smart Contracts, ausgeführt werden. Der Smart Contract, der für LOB programmiert wurde, führt ein Verzeichnis von Lizenzen und deren Zuordnung zu Konten auf der Blockchain. Er ist so programmiert, dass nur so viele Lizenzen übertragen werden können, wie der Verkäufer auch tatsächlich besitzt. Diese Zuordnung ist, einmal in die Blockchain eingetragen, nicht mehr veränderbar.

Ein weiterer Vorteil ist, dass dieser Vorgang nicht auf einem zentralen Server stattfindet, der einfach abgeschaltet werden könnte. Insofern ist das System nicht korrumpierbar, weil weder Manipulationen noch ein Abschalten möglich sind. Die Übertragung von Softwarelizenzen wird dadurch viel einfacher und standardisiert und alle Übertragungen sind für jeden von außen nachvollziehbar. „Dadurch entsteht die Sicherheit des lückenlosen Nachweises der Übertragungskette. Zusätzlich ist der Vorgang im Vergleich zum herkömmlichen Gebrauchtsoftwarehandel weniger zeitaufwändig“, bestätigt auch IT-Experte Dr.-Ing. Peter J. Hoppen, von der IHK Köln öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Systeme und Anwendungen der Informationsverarbeitung.

Und auch die Unsicherheit darüber, ob eine gebrauchte Softwarelizenz überhaupt legal verkauft werden darf, lässt sich mit Hilfe der Blockchain-Technologie ausräumen, sagt Dr. Hoppen: Die Bedingung, dass die legitimen Interessen des ursprünglichen Lizenzgebers gewahrt bleiben, wird beim LOB-Verfahren erfüllt. Zum einen dürfen nur so viele Lizenzen gebraucht verkauft werden, wie ursprünglich ausgegeben wurden und die Übertragungskette der Lizenzen muss nachweisbar bleiben. „Mit LOB existiert ein entsprechendes Verzeichnis und ein Smart Contract, der in seiner Logik nachprüfbar ist, weil es sich um Open Source Software handelt“, erklärt Dr. Hoppen.

Könnte aber nicht trotzdem ein für jeden nachvollziehbarer und standardisierter Eintrag auf der Blockchain initial falsch sein? Dr. Hoppen verweist hier auf die Verantwortung des Gebrauchtsoftwarehändlers für die Konformität als Grundlage für den Handel: Jeder Händler könne dafür eine unabhängige Zertifizierungsstelle beauftragen, die die Konformität der gehandelten Lizenzen prüft. Im LOB-Verfahren dokumentiert diese den erfolgreichen Abschluss ihrer Prüfhandlungen durch die erstmalige Ausstellung eines Zertifikats innerhalb des Smart Contracts.

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