Das Aufwachsen im digitalen Zeitalter hat viele Vorzüge. Der Zugang zu digitalen Technologien ermöglicht es, sich einfacher zu vernetzen und erleichtert darüber hinaus den Zugang zu einer unbegrenzten Menge an Informationen.
Daten von Kindern sind online häufig nicht sicher und bieten Gelegenheit zur missbräuchlichen Verwendung.
Dies gilt nicht nur für die Nutzer, sondern auch für Unternehmen. Firmen entwickelten Möglichkeiten, wie sie aus den riesigen Datenmengen über Personen und ihren Verhaltensmustern Kapital schlagen können. Die Problematik: Dabei nutzen Unternehmen mitunter nicht nur die Daten Erwachsener bei ihren Strategien zur Kundensegmentierung, um maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen anzubieten – auch die Daten von Kindern können auf diese Weise verwendet werden.
Dieser Ansatz zur Datennutzung durch Unternehmen hat einige zu Entscheidungen im Produktdesign verleitet, die eine ständige Nutzung digitaler Anwendungen in den Vordergrund stellen. Solche Nutzungsmuster maximieren sowohl die Möglichkeiten der Datenerfassung und erhöhen zugleich die Chancen für die Einblendung von Werbung.
Die Herausforderung besteht darin, dass sich viele jüngere Nutzer dieser datenzentrierten, digitalen Produkte der zugrundeliegenden Motivationen wahrscheinlich nicht bewusst sind. So stellt DefendDigitalMe, eine gemeinnützige Organisation, die sich für den Schutz der Datenrechte junger Menschen einsetzt, in ihrem aktuellen Bericht fest: „Kinder werden ‚datafiziert‘, indem Unternehmen und Organisationen Tausende von Datenpunkten über sie aufzeichnen, während sie aufwachsen.“
Digital Natives – unreif und unwissend
Junge Menschen könnten ihre Daten weitergeben, ohne die damit einhergehenden Risiken zu kennen. Und selbst wenn sie sich der Risiken bewusst sind, können sie ihre Daten nicht unbedingt schützen. Denn es ist nicht immer eine realistische Option, den Kontakt mit problematischen Anwendungen oder Plattformen zu vermeiden. Im selben Bericht hebt DefendDigitalMe die Frustration junger Menschen darüber hervor, dass sie keine Kontrolle darüber haben, wie ihre Daten verwendet werden.
Zusätzlich wissen auch Eltern häufig nicht, auf welche Weise die Daten ihrer Kinder gesammelt werden und wie sie ihre Datenrechte schützen können. Trotz aller Vorteile des Aufwachsens im digitalen Zeitalter, sind die Risiken nicht zu unterschätzen. Deshalb ist eine wirksame Regulierung der Art und Weise, wie Unternehmen und staatliche Einrichtungen die Daten von Kindern nutzen, so wichtig.
Wie Daten von Kindern online missbraucht werden
Zwar gibt es viele gesetzliche Regelungen zum Schutz von Kindern, aber diese gezielten Maßnahmen erstrecken sich oftmals nicht auf die Nutzung ihrer Daten durch Unternehmen. Eine Reihe öffentlich bekannt gewordener Datenschutzverletzungen haben gezeigt, wie anfällig Daten für Diebstahl oder Missbrauch sind – und die Daten von Kindern und Jugendlichen bilden dabei keine Ausnahme.
Zu nennen sind hier etwa der viel kritisierte mangelnde Datenschutz der Luca-App, die in Deutschland zur Eindämmung der Pandemie hauptsächlich von Erwachsenen, aber auch von Kindern, genutzten wird. Die international erfolgreiche Video-Plattform YouTube verzeichnet, obwohl ursprünglich nicht dafür vorgesehen, zunehmend Kinder unter den Nutzern der App. Dabei sammelt die App Daten zum Nutzungsverhalten der Minderjährigen, wodurch unter anderem auf einigen Kanälen gezielte Werbung geschaltet werden konnte. Dies führte 2019 in den USA zum Prozess, die Plattform zahlte eine Millionenstrafe. Anschließend ging das Unternehmen einen Schritt in Richtung Datenschutz für Kinder, indem es die Kennzeichnung von Inhalten speziell für die jungen Nutzer einführte sowie personalisierte Werbung für diese Zielgruppe unterband.
Pandemie weicht Online-Sicherheit auf
Die zunehmende Nutzung datenzentrierter digitaler Technologien an Orten wie Schulen und die längere Bildschirmzeit von Kindern lenkt die Aufmerksamkeit auf die potenziellen Schäden, die dies für Kinder mit sich bringen kann. Doch trotz aller Bemühungen um Aufklärung und Information wird die Reaktion auf die Pandemie als Rechtfertigung für einige umstrittene Entscheidungen über die angemessene Nutzung und Erfassung von Kinderdaten angeführt.
Gerade im Zuge der Pandemie rückte der Datenschutz bei umgesetzten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit vermehrt in den Hintergrund. Doch immer wieder werden Stimmen von Datenschutzexperten und Eltern laut, auch in Schulen mehr auf den Datenschutz von Kindern zu setzen. Denn gerade seit der Pandemie rücken vermehrt Bedenken zu Datenschutzfragen hinsichtlich der genutzten Softwarelösungen im digitalen Schulunterricht in den Vordergrund. So müssen mit Blick auf das Schrems-II-Urteil des EuGH, Schulen und Lehrer sicherstellen, dass die besonders schützenswerten Daten der Schüler DSGVO-konform geschützt werden. Dazu muss trotz Nutzung von Anwendungen, die von US-amerikanischen Firmen zur Verfügung gestellt werden, eine Verbreitung der Daten außerhalb Europas verhindert werden.
Stand: 08.12.2025
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Daten-Kompetenz bei Kindern fördern
Wann immer wir im Internet surfen, uns auf Social-Media-Plattformen bewegen oder Apps auf unserem Smartphone nutzen, hinterlassen wir digitale Fußabdrücke. Und es gibt tatsächlich keine Möglichkeit, dies vollständig zu verhindern.
Deshalb ist es besonders wichtig, Kinder dabei zu unterstützen, zu verstehen, wie ihre Online-Interaktionen verfolgt werden, wo die Daten gespeichert sind und wer möglicherweise Zugang zu diesen persönlichen Daten hat. Zudem sollten Kinder wissen, wie ihre Daten von Dritten verwendet werden könnten, um darauf basierend Entscheidungen zu treffen, die sich wiederum auf ihr Leben auswirken können – manchmal auch negativ.
Dazu muss Kindern beigebracht werden, welche „Werkzeuge“ ihnen zur Verfügung stehen, um sich online besser zu schützen. Sie sollten ebenfalls wissen, welche Rechte sie haben, um die Herausgabe ihrer persönlichen Daten zu verweigern. Diese Form der Datenkompetenz hilft ihnen dabei, selbstbestimmt zu handeln und ein Gefühl der Autonomie über ihre digitalen Interaktionen zu erlangen. Das ist entscheidend, denn diese Generation junger Menschen wird einen Großteil ihres Lebens in einer zunehmend online- und datenzentrierten Welt verbringen.
Wie Eltern ihren Kindern Datenschutz nahebringen
Das schnelle Tempo des digitalen Wandels führt dazu, dass Eltern und Erziehungsberechtigte (und nicht nur Kinder!) kaum noch verstehen, welchen Datenschutz sie erwarten können oder wie sie die Größe ihrer digitalen Fußabdrücke ermitteln. Infolgedessen fühlen sie sich häufig schlecht gerüstet, um mit ihren Kindern über diese Themen zu sprechen. Es gibt keine umfassende Einheitslösung, die jedes mögliche Szenario abdeckt. Deshalb sollten Eltern die Aufgabe, ihren Kindern zu helfen, als eine Entdeckungsreise betrachten, eine Reise, die sie zusammen unternehmen können.
Das beginnt damit, dass Eltern und Erziehungsberechtigte ihren Kindern Fragen stellen: Bei welchen sozialen Plattformen sind sie angemeldet? Welche Bildungsplattformen nutzen sie? Was posten sie online? Die Antworten auf diese Fragen helfen Eltern, die Internetnutzung ihrer Kinder zu verstehen und ermöglichen ihnen, sie zu beraten, wie sie die Weitergabe sensibler Daten im Internet vermeiden oder das Risiko des Datenmissbrauchs verringern können.
Datenrechte in der Gesellschaft
Es ist zu hoffen, dass bereits bestehende Vorschriften, welche die Datenrechte der Menschen schützen und Entschädigungen bei Umsetzungsfehlern erleichtern, zunehmend besser durchgesetzt werden – insbesondere im Hinblick auf die Daten von Kindern. Gesamtgesellschaftlich hat die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) den Datenschutz bereits stark verändert. Da sich die Öffentlichkeit zunehmend die Frage stellt, wie Organisationen und Institutionen Daten über Einzelpersonen sammeln und verwerten, wächst das Interesse und die Bereitschaft, Vorschriften wie die DSGVO zu nutzen, um Transparenz und Schadensersatz zu fordern.
Sie wollen wissen, wann und wie Algorithmen verwendet werden, um Entscheidungen zu fällen, die sie beeinflussen. Aus diesem Grund rückt die Transparenz von Algorithmen stärker in den Fokus der politischen Entscheidungsträger. Ohne eine angemessene Durchsetzung drohen Vorschriften jedoch bei der Abschreckung unangemessener Datenpraktiken wirkungslos zu werden.
Genauso wichtig ist es, dass die Bedürfnisse schutzbedürftiger Gruppen wie Kinder ein Teil dieser größeren Diskussion sind. Vorausschauende Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollten nach Wegen suchen, der öffentlichen Meinung bei dieser Thematik einen Schritt voraus zu sein. Im Idealfall ergreifen sie bereits proaktiv Maßnahmen zum Schutz der Daten von Kindern, bevor zusätzliche Vorschriften eingeführt werden.
* Die Autorin Ade Adewunmi ist Strategy and Advising Manager bei Cloudera Fast Forward Labs.