Seit dem Hype um ChatGPT ist KI ein Thema, das immer mehr Unternehmen aktiv aufgreifen. Das Potenzial scheint immens, die tatsächliche Durchschlagskraft ist für Laien aber kaum einschätzbar. Wir fragten nach bei Niklas Bläsing von CGI Deutschland: Er rät Unternehmen zu einem Vorgehen „mit Bedacht“. Dennoch bleibe die Hyperautomatisierung eine Kernaufgabe von Unternehmen.
Seit dem Hype um ChatGPT ist KI ein Thema, das immer mehr Unternehmen aktiv aufgreifen. Das Potenzial scheint immens, trotzdem muss mit Bedacht vorgegangen werden.
(Bild: frei lizenziert, Leroy Skalstad / Pixabay)
Die künstliche Intelligenz (KI) wird gerade in den Bereichen Intelligent Automation und Hyperautomation gänzlich neue Möglichkeiten eröffnen, zeigt sich Niklas Bläsing, Head of Intelligent Automation SCE bei CGI Deutschland, überzeugt. Aber nicht jede Initiative sei sinnvoll – wir haben nachgehakt:
CloudComputing-Insider: Herr Bläsing, Intelligent Automation und Hyperautomation mittels KI sind Ihre Themen. Sie raten auf dem Weg dorthin zu einem Vorgehen „mit Bedacht“ – Was gibt es denn zu bedenken?
Niklas Bläsing, Head of Intelligent Automation SCE bei CGI Deutschland
(Bild: CGI)
Niklas Bläsing: Prinzipiell ist bei der Umsetzung von Automatisierungs- und KI-Initiativen ein sukzessives Vorgehen empfehlenswert. Als Startpunkt können Unternehmen kleinere Prozesse wählen, deren Ist-Zustand ermitteln und den Soll-Zustand festlegen. RPA kann ein guter erster Einstiegspunkt sein. Process Mining, Workflow-Management sowie Conversational AI unterstützen dann bei der Etablierung einer durchgängigen Intelligenten Automatisierung. Wichtig ist es aber auch, den zeitlichen Horizont der Initiative zu betrachten – gerade angesichts der dynamischen technologischen Weiterentwicklung im Bereich der generativen KI. Mit Bedacht – bei CGI sprechen wir von ‚Responsible Use of AI‘ –, heißt also auch, dass Unternehmen im Hinblick auf ihre konkreten Anforderungen auf die Roadmap und Weiterentwicklung von Anbietern achten sollten.
In welchen Bereichen und womit sollten Unternehmen KI grundsätzlich einsetzen?
Bläsing: Prinzipiell ist KI überall einsetzbar, um die Qualität zu verbessern und das Unternehmen effizienter zu gestalten. Beim Thema Geschäftsprozesse zeigt sich das KI-Potenzial besonders. KI unterstützt die Mitarbeiter in qualitativ hochwertigen Prozessen und entlastet sie in Prozessen mit hoher Durchlaufzahl – und zwar auf Basis einer Kombination von datengestützten Entscheidungen durch die KI und den Erfahrungen der Mitarbeiter. Der große KI-Mehrwert liegt in den Aspekten Vorqualifizierung, Assistenz, Prüfung und Nachsorge. Der Mensch erhält also eine entscheidende Unterstützung, schließlich besagen Studien, dass Menschen nur vier bis sechs Stunden am Tag wirklich konzentriert arbeiten können.
Wo und womit sollten Unternehmen in Sachen KI anfangen?
Bläsing: Das hängt von der Abteilung ab. Ein typisches Beispiel im Backoffice ist die Dokumentenverarbeitung und Vorqualifizierung etwa hinsichtlich E-Mails und im Vertrieb sind Live Agent Assists und automatisierte Dialogsysteme zu nennen – Stichwort Conversational AI. Im Personalmanagement ist die Nutzung von Large Language Models (LLMs) für Concierge- und Self-Services denkbar. Ein klassischer Einsatzbereich ist schließlich die Produktion: KI kann hier deutlich zur Erhöhung der Qualität und Verbesserung der Supply Chain beitragen.
Google, Salesforce, Microsoft und viele andere IT-Riesen gießen KI flächendeckend über jedes ihrer Produkte aus. Halten Sie das für bedenklich?
Bläsing: Stand heute würde ich die Frage mit Nein beantworten, da der KI-Einsatz sehr auf die Nutzung innerhalb der jeweiligen Umgebung begrenzt ist. Salesforce Einstein etwa unterstützt mit integrierter KI beim Kundenbeziehungsmanagement. Und Microsoft beispielsweise, bietet eine direkte Einbindung zur verschlüsselten Verarbeitung von Dokumenten oder auch eine verschlüsselte Umgebung zur Nutzung von ChatGPT.
Die CGI Group wurde bereits 1976 gegründet und hat viele technische Moden kommen (und auch gehen) sehen. Welchen Stellenwert billigen Sie der KI zu? Ist es eine Revolution oder eine Evolution?
Bläsing: Bei einer genauen Marktbetrachtung ist die derzeitige KI eine Evolution. So hat schon vor vier Jahren ein Process-Mining-Anbieter den Versuch gestartet, über Datenauswertungen die Analyse direkt in Workflows darzustellen. Inzwischen können die Daten über GPT-Modelle so verarbeitet werden, dass das auch möglich ist. Als Revolution kann man eher die Verfügbarkeit für jeden bezeichnen. Denn durch ChatGPT ist eine künstliche Intelligenz aus der Unternehmensnutzung in den privaten Gebrauch übergegangen. Der Stellenwert von KI bei CGI ist sehr hoch. Wir werden in den nächsten drei Jahren eine Milliarde kanadische Dollar in den Ausbau unserer KI-Services und -Lösungen investieren, um Kunden mehr Möglichkeiten zu bieten, mit neuen KI-Technologien schneller Wertschöpfung zu erzielen.
Kann die KI eine Gefahr darstellen – für Unternehmen, und darüber hinaus eventuell für die ganze Welt?
Bläsing: Die Antwort ist ja und nein. Schon durch die Nutzung von ChatGPT ist schnell klar geworden, was passiert, wenn die KI mit falschen Daten trainiert wird oder sie keine Antwort kennt. Dann wird eine Antwort ausgedacht oder falsch wiedergegeben. Für ein Unternehmen ist der KI-Mehrwert aber immens und es sollte daher nicht die Angst regieren. Vielmehr sollte der Einsatz von KI einem Zweck dienen und die KI darauf ausgerichtet werden. Mit Bedacht angewendet, kann die KI dabei helfen, das Leben der Menschen zu verbessern. Wir sollten also zunächst keine Angst vor KI im Sinne von „I, Robot“ haben, sondern uns die Zeit nehmen, sie besser zu verstehen und ihren Mehrwert in unseren Alltag einzubringen.
Stand: 08.12.2025
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Herr Bläsing, danke für dieses sehr interessante Gespräch.
Zur Person
Niklas Bläsing leitet die Intelligent Automation-Practice bei CGI in Zentral- und Ost-Europa. Durch seine langjährige Tätigkeit im Bereich der Prozessautomatisierung verfügt er über weitreichende, praktische Erfahrungen in der Analyse von komplexen Prozessen sowie in der Strategiefindung und Umsetzung von passenden IT-Technologien und -Projekten. In den vergangenen Jahren hat sich Bläsing als Experte für Intelligente Automatisierungslösungen, wie AutomationAnywhere, UiPath, PEGA, Nintex, Celonis oder Cognigy spezialisiert.