Fachkräfte fehlen heute und auch in Zukunft allen Branchen. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Eine Lösung wird sein, langfristig vor allem mehr Frauen auch aus dem Ausland einzusetzen. Wie das ohne Einwanderung gelingen kann, will Groundbreaker mit einem besonderen Ausbildungsprojekt beweisen.
Win-Win: Vom Ausbildungsprojekt von Groundbreaker in Uganda werden auch westliche Unternehmen profitieren.
(Bild: paulmz - stock.adobe.com)
Flächendeckend ist das Angebot freier Stellen seit Jahren höher als die Zahl der Bewerber. Vor allem gut ausgebildete Fachkräfte sind in allen Branchen rar. Mit neuen Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodellen, zusätzlichen Leistungen oder mehr Urlaub versuchen Unternehmen, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Doch die Zahl der Bewerber stagniert allen Anstrengungen zum Trotz. Denn die sogenannte Boomer-Generation – die geburtenstarken Jahrgänge der sechziger und Anfang siebziger Jahre – ist bereits im Ruhestand oder wird es bald sein. Von unten kommt aber immer weniger Personal nach. Der „Pillenknick“ zeigt Wirkung und immer mehr Stellen bleiben unbesetzt.
Was also tun? Abwerben? Damit wird das Problem nur umgeschichtet. Ausbilden? Auf jeden Fall gut, aber auch hier: Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Einwanderung? Politisch gewollt, aber ohne vernünftiges und umsetzbares Immigrations- und Integrationsprogramm kritisch. Denn immer wieder werden vielversprechende private Fortbildungs- und Beschäftigungsprojekte oder unternehmerische Initiativen durch das Zuwanderungsgesetz oder Asylrecht blockiert oder torpediert.
Bereits 2002 wollte die damalige Bundesregierung auf der Welle der Dotcom-Euphorie reitend mit Hilfe des „Sofortprogramms zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs“ 20.000 potenzielle IT-Fachkräfte, bevorzugt aus Indien, nach Deutschland locken. Der erhoffte Ansturm auf die deutsche „Greencard“ blieb jedoch aus. Bis zum Ende des Programms 2004 zählte der „Migrationsbericht 2005“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge aber immerhin rund 13.000 ausländische Arbeitskräfte, die eine Greencard erhielten.
Leoni Rossberg, Managing Director der Groundbreaker gGmbH, stellte das Konzept Foundation-as-a-Service auf dem CloudFest 2023 in Rust vor.
(Bild: ewg / Vogel IT-Medien GmbH)
Tatsächlich locken hohe Gehälter und die Aussicht auf Einbürgerung viel weniger, als man vermuten möchte: Viele Menschen wollen trotz prekärer Lebensumstände nicht auswandern und ihre Heimat und Familien(verbände) verlassen – auch wenn vor Ort für viele – insbesondere Frauen – kaum Aussicht auf regelmäßige Arbeit gegen gerechte Bezahlung besteht. Warum also nicht künftige Fachkräfte direkt in ihrer Heimat ausbilden und anschließend „remote“ fest beschäftigen? Das neue Projekt „Groundbreakers Talents“ geht genau diesen Weg.
Mehr als eine Geldspende
Ihre Ursprünge hat die gemeinnützige GmbH Groundbreaker mit Sitz in Köln in einer internen Initiative des Cybersecurity-Spezialisten Acronis. Die „Acronis Cyber Foundation“ arbeitet seit 2018 mit gemeinnützigen Organisationen und staatlichen Einrichtungen weltweit zusammen und konzentriert sich insbesondere auf Bildung und humanitäre Hilfe für Kinder und Erwachsene. Dazu gehören auch IT-Schulungen, die meist durch Acronis-Mitarbeiter auf freiwilliger, ehrenamtlicher Basis erfolgen. „Wir haben damals ein großes Interesse von vielen Tech-Firmen gesehen, sich zu engagieren, und haben uns deshalb 2019 mit Groundbreaker gGmbH ausgegründet, sagt Leoni Rossberg, Managing Director von Groundbreaker.
„Mit unserem Konzept ‚Foundation as a Service‘ schaffen wir eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so Rossberg. Ihre Organisation vermittle zwischen engagierten Einzelpersonen oder Unternehmen und kleinen lokalen Initiativen im Globalen Süden. Groundbreaker wählt die lokalen Partnerorganisationen aus, managt die Projekte, überwacht die Prozesse und unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung ganzheitlicher Corporate-Giving-Strategien. „Spenden“, so Rossberg, „kommen also direkt bei lokalen Initiativen an, die sehr gute und sinnvolle Arbeit leisten, aber kaum oder keine Fördermittel erhalten, da sie quasi unbekannt sind.“ Da der Vorstand von Groundbreaker alle Kosten deckt, kann jede Spende zu 100 Prozent in die lokalen Initiativen fließen.
Chance für Unterprivilegierte
Bisher hat sich Groundbreaker vor allem in Schulprojekten für Kinder und Jugendliche in Süd- und Lateinamerika, Afrika, Südostasien bis aktuell in der Ukraine engagiert. Jetzt hat die Organisation ein eigenes Programm gestartet, welches das Potenzial der Techindustrie mit dem Potenzial junger Menschen in Uganda zusammenbringen soll. Hintergrund ist der oben schon ausführlich beschriebene (IT-)Fachkräftemangel der Industriestaaten. Mit „Groundbreaker Talents“ erhalten junge Frauen eine Ausbildung in technischen Berufen, um danach von lokalen oder internationalen IT-Firmen eine Festanstellung mit adäquatem Einkommen als Programmiererinnen oder Security-Experten zu erhalten. Hierfür unterstützt Groundbreaker die Implementierung von Mentorshipprogrammen in Unternehmen: IT-Firmen übernehmen die Kosten für Stipendien, deren Mitarbeiter „spenden“ ihr Know-how und unterstützen die Teilnehmerinnen des Programms bei technischen Herausforderungen.
Stand: 08.12.2025
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Die von Bildungspartner Refactory für Groundbreaker Talents angebotenen Studiengänge.
(Bild: Groundbreaker gGmbH)
Es mache Sinn, so Rossberg, dass die Frauen für die Zeit ihrer Ausbildung in einem Internat leben, um volle Konzentration auf das Programm gewährleisten zu können. In einer Art Bootcamp lernen sie „Lernen“, erhalten Struktur für ihren Tagesablauf und ziehen aus dieser besonderen Chance enormes Selbstbewusstsein, wie Rossberg bei ihren Besuchen in Kampala feststellen konnte. „Groundbreaker Talents eröffnet diesen Frauen, die keinen Zugang zu weiterführerenden Ausbildungen haben und ihr Leben unterhalb der Armutsgrenze bestreiten müssen, die Chance, ein relativ hohes Einkommen zu erzielen und damit ihre Familien auch als Alleinverdienerinnen versorgen zu können.“
Potenziale heben und nutzen
Der große Vorteil des Groundbreaker-Talent-Programms: Es wird gezielt für die Marktbedürfnisse der unterstützenden IT-Unternehmen ausgebildet. IT-Unternehmen, die das Programm als Mentoren aktiv unterstützen, vermeiden so die in anderen Schulungsprojekten beobachtete Diskrepanz zwischen Lehre und Praxis. Die von Bildungspartner Refactory angebotenen Studiengänge umfassen u.a. Software-Entwicklung, Product Management oder Data Science.
Gute Erfahrung mit ähnlichen Programmen gibt es beispielsweise bereits in Ugandas Nachbarland Kenia oder in Nigeria. Es sei eine Freude, sagt Rossberg, die Frauen dort zu sehen, die eine solche Art Ausbildung durchlaufen und heute als Coderinnen für große IT-Konzerne in den USA ‚remote‘ arbeiten. „Diese Projekte zeigen: Es funktioniert!“
Groundbreaker Talents
Die Jugend Ugandas birgt ein großes Potenzial für die Förderung der nächsten Generation von IT-Entwicklern. Das IT-Vollzeitstipendienprogramm „Groundbreaker Talents“ der Groundbreaker gGmbH dient als Talent-Pipeline, die Studenten aus benachteiligten Verhältnissen Berufschancen in der Branche eröffnen. Weitere Informationen für Unternehmen, die sich für das Programm interessieren, per Geldspende unterstützen oder als Mentoren teilnehmen wollen: Groundbreaker Talents – Das Konzept.