IT-Ausgaben im Finanzsektor steigen Fünf IT-Trends, die die Finanzbranche prägen werden

Ein Gastbeitrag von Alberto Cuccu* 5 min Lesedauer

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Für dieses Jahr soll die Branche über 58 Milliarden US-Dollar in IT investieren, so die Erwartungen. Unter anderem zählen die generative künstliche Intelligenz (GenAI), die Cloud und die Compliance zu den Schlüsseltrends. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich Unternehmen anpassen.

Der fortschreitende Generationswechsel bei den Anlegern wird dabei ein neues Maß an Digitalisierung erfordern, das Finanzdienstleister vor spannende Herausforderungen stellt.(Bild:  Rymden - stock.adobe.com)
Der fortschreitende Generationswechsel bei den Anlegern wird dabei ein neues Maß an Digitalisierung erfordern, das Finanzdienstleister vor spannende Herausforderungen stellt.
(Bild: Rymden - stock.adobe.com)

Die wachsende Nachfrage nach maßgeschneiderten und umfassenden Finanzlösungen wird durch den demografischen Wandel und den bevorstehenden Vermögenstransfer zwischen Generationen weiter befeuert. Parallel dazu tritt eine neue Generation von Anlegern in den Vordergrund, die als Digital Natives hohe Ansprüche an digitale Erlebnisse und transparente Angebote stellt. Sie suchen nach innovativen digitalen Lösungen, beschleunigten Prozessen und maßgeschneiderten Angeboten – Anforderungen, auf die Vermögensverwalter vorbereitet sein müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In diesem Kontext wird die Bedeutung von künstlicher Intelligenz (KI) weiter zunehmen.

Studien zeigen, dass ein wachsender Anteil der Kunden, derzeit etwa 42 Prozent, offen dafür ist, KI bei wichtigen finanziellen Entscheidungen wie der Immobilienfinanzierung einzusetzen. Mit den fortschreitenden technologischen Entwicklungen dürfte diese Akzeptanz weiter steigen. Allerdings reicht Technologie allein nicht aus: Der eigentliche Erfolg liegt in der Symbiose aus Automatisierung und menschlicher Expertise, die zusammen ein personalisiertes und vertrauenswürdiges Kundenerlebnis ermöglichen.

Moderne NextGen-Technologien verbinden KI, intelligente Datenverarbeitung und offene Plattformen, um nicht nur passgenaue Finanzlösungen zu bieten, sondern auch die persönliche Interaktion im Wealth Management zu stärken. Diese Entwicklung erfolgt zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Prognosen zufolge werden die IT-Ausgaben der Finanzbranche bis 2025 auf 58,7 Milliarden US-Dollar anwachsen – ein Plus von 4,7 Prozent. Das spiegelt auch die Dynamik des Marktes wider.

Kundenerlebnisse auf Tempo: schnelle, fehlerfreie digitale Prozesse sind unverzichtbar

Die steigenden Erwartungen von Anlegern verlangen nach mehr Schnelligkeit, fehlerfreien Abläufen und vollständig digitalen Prozessen. Aus diesem Grund investieren Vermögensverwalter, Banken und Asset Manager mittlerweile über ein Drittel ihrer IT-Budgets in Schlüsselbereiche wie Berater- und Kundenportale, Kundengewinnung und Onboarding. Mehr als acht von zehn Beratern legen großen Wert auf eine schnelle und reibungslose Kontoeröffnung, unterstützt durch durchgängige digitale Prozesse.

Im Zentrum dieser Entwicklung stehen Open Architecture und ganzheitliches Client Lifecycle Management (CLM). Diese Ansätze ermöglichen flexible Workflows, beschleunigen Routineaufgaben und bieten Self-Service-Funktionen, die den Kundenbedürfnissen entgegenkommen. Der Antrieb für diesen Wandel kommt dabei direkt von den Anlegern: Je mehr innovative Technologien auf den Markt kommen und künstliche Intelligenz an Bedeutung gewinnt, desto höher werden die Ansprüche. Die sogenannten NextGen-Technologien sorgen nicht nur für präzisere Vorhersagen und personalisierte Empfehlungen, sondern verbessern auch das Kundenerlebnis und die Risikoerkennung. Das Ergebnis ist eine gesteigerte Effizienz und Flexibilität, die es Finanzdienstleistern ermöglicht, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Fokus Flexibilität: geschäftskritische Aufgaben wandern in die Cloud

Die Migration geschäftskritischer Aufgaben in die Cloud ist längst kein Zukunftstrend mehr, sondern eine Realität, die immer mehr Vermögensverwalter prägt. Bereits heute setzen drei Viertel der Vermögensverwalter auf Agilität, und für 2025 wird es entscheidend sein, dass Systeme flexibler und anpassungsfähiger werden, um schnell auf neue Marktchancen reagieren zu können. Bereits 44 Prozent der Vermögensverwalter nutzen SaaS- und Cloud-Lösungen (Software-as-a-Service) für das Kontomanagement und die Abrechnung, während 35 Prozent diese Technologien auch für das Onboarding, Berater- und Kundenportale sowie die Finanzplanung einsetzen.

Der Trend hin zu Wealth-as-a-Service – also der Aufteilung des Technologiestacks im Wealth Management in einzelne, modulare Komponenten – eröffnet neue Flexibilität und ermöglicht eine schnellere Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen. Immer mehr Vermögensverwalter verlagern zudem ihre geschäftskritischen Aufgaben in die Cloud. Der Anteil soll in diesem Jahr auf 69 Prozent steigen, im Vergleich zu 57 Prozent im Vorjahr. Die Vorteile liegen auf der Hand: bessere Skalierbarkeit und erweiterter Zugriff auf große Datenmengen.

Der GenAI-Schlüssel: Datenmanagement wird zur Priorität

Daten haben sich zu einem zentralen Element für Innovationen im Wealth Management entwickelt. Um Technologien wie generative künstliche Intelligenz (GenAI) effektiv zu nutzen, sind moderne Cloud-Datenplattformen unverzichtbar. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von GenAI ist die Qualität der Daten, da 61 Prozent der Vermögensberater diese als entscheidend ansehen.

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Ebenso ist eine klare Daten-Governance von 56 Prozent der Berater als Schlüsselfaktor für den Erfolg erkannt worden. Dabei ist weniger die Menge der Daten entscheidend, sondern vielmehr ihre Struktur und Verwaltung. Ohne hochwertige, gut strukturierte Informationen bleibt das volle Potenzial von GenAI unerreichbar. Datenmanagement wird somit nicht nur zur Grundlage für die digitale Transformation im Wealth Management, sondern auch zu einem wesentlichen Wettbewerbsvorteil – und das über die kommenden Jahre hinweg.

„Holistic Financial Wellbeing“: So wichtig werden ergänzende Dienstleistungen

Die Anforderungen der Kunden im Wealth Management werden zunehmend individueller, was eine ganzheitliche Betreuung unerlässlich macht. Der Trend zum „Holistic Financial Wellbeing“ gewinnt immer mehr an Bedeutung: 32 Prozent der Vermögensverwalter erkennen ihn als zentralen Trend, doch nur 11 Prozent investieren tatsächlich in die Erweiterung ihres Serviceangebots. Diese Diskrepanz verdeutlicht eine große, noch ungenutzte Chance. Kunden erwarten zunehmend eine 360-Grad-Betreuung, die alle Aspekte ihres finanziellen Lebens umfasst – von Investitionen über Steuerberatung bis hin zur umfassenden Finanzplanung.

Dieser Wettbewerb um ganzheitliche Dienstleistungen wird in den kommenden Jahren immer intensiver werden. Nur die Anbieter, die über einen flexiblen und umfassenden Tech-Stack verfügen, werden langfristig erfolgreich sein. Der „Ökosystem-Ansatz“ wird sich als Grundlage für nachhaltigen Erfolg im Wettbewerb um neue Kundensegmente etablieren und den Vermögensverwaltern ermöglichen, ihren Kunden maßgeschneiderte, umfassende Lösungen anzubieten.

Von Datenschutz bis hin zu Personalisierung: Was ist der nächste Trend?

Datenschutz und Compliance bleiben zentrale Themen im Wealth Management. 24 Prozent der IT-Investitionen fließen in regulatorische Anforderungen, während 73 Prozent der Vermögensverwalter den Datenschutz als höchste Priorität sehen. KI und Maschinelles Lernen (ML) spielen eine Schlüsselrolle bei der sicheren Verwaltung von Daten und der Erfüllung regulatorischer Vorgaben wie der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung).

Ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal wird sein, Datensilos abzubauen und einen ganzheitlichen Tech-Stack zu schaffen, der in Echtzeit auf die Bedürfnisse der Kunden reagiert. Die Zukunft liegt in der Synergie von Technologie und dem menschlichen Kontakt, der Interaktionen ergänzt und verbessert, anstatt sie zu ersetzen, um personalisierte und durchdachte Finanzlösungen zu schaffen.


* Der Autor Alberto Cuccu ist Chief Operation Officer - International bei Objectway.

Bildquelle: Objectway

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