Drei von zehn Unternehmen nutzen im Bereich Arbeitssicherheit bereits Technologien der Digitalisierung, insbesondere Virtual und Augmented Reality, 5G sowie Drohnen. Flächendeckend haben sich QR-Code-Lösungen sowie die Nutzung von HSE-Software etabliert. Dass noch eine Reihe weitere Felder unerschlossen sind, hat der „Safety Management Trend Report 2022“ des Anbieters Quentic ergeben.
Die Coronavirus-Pandemie hat Mitarbeitenden auch positives gebracht: Der Arbeitsschutz erfährt in Unternehmen mehr Wertschätzung.
(Bild: Me studio - stock.adobe.com)
Biometrik auf Baustellen, warum nicht? Arbeitsschutz umfasst auch Gesundheitsschutz, und beide weisen vielfältige Aspekte auf. Der von Quentic interviewte Berater David Cant berichtet, dass Biometrik verstärkt auf Baustellen zum Einsatz komme. „Damit lassen sich nicht nur Türen per Iriserkennung berührungslos öffnen und schließen, sondern auch alle möglichen Symptome von Krankheit und Unwohlsein feststellen, die beim Betreten der Baustelle sonst nicht sofort auffallen.“ Das ist in Zeiten einer Pandemie sicherlich von großer Bedeutung.
Auch Wearables seien nach Cants Ansicht nützlich, um über Sensoren am Körper oder an den Händen mit Maschinen zu interagieren. „Ich nenne mal ein Beispiel: Bei der Arbeit mit einer stark vibrierenden Bohrmaschine können Sensoren in den Handschuhen das Gerät nach zehn bis zwölf Minuten abschalten. Das ist aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Vibrationen abzumildern.“ Cant weiter: „Eine solche technische Lösung ist kostengünstig, stört nicht sonderlich bei der Arbeit und kann den individuellen Gebrauch von Arbeitsgeräten kontrollieren, bevor es zu gesundheitlichen Schäden kommt. Das ist durchaus sinnvoll.“
Aber nicht alle verfügbaren Technologien werden bereits flächendeckend in Prozessen für Health, Safety und Environment (HSE) genutzt. Das ergab der „Safety Management Trend Report 2022“, den Quentic, ein Anbieter von HSE-Software, unter mehr als 500 Fach- und Führungskräften im Arbeitsschutz im Oktober 2021 durchführen ließ. Demnach werden Wearables und VR/AR-Technologien zwar längst genutzt, weisen aber weiterhin noch großes, auszuschöpfendes Potenzial auf. Der Einsatz von Drohnen wird von den ebenfalls befragten Experten als Zukunftstrend angesehen. Die Einsatzbereiche von Drohnen sehen sie in der Wartung und Überprüfung in schwer zugänglichen oder gefährlichen Umgebungen, etwa im Baubereich bei Windrädern oder Stromleitungen – oder in Kriegsgebieten.
Dass zusätzlich auch bereits bewährte Technologien durch die Pandemie neuen Aufwind erfahren können, zeigt sich nach der Experteneinschätzung am Beispiel von QR-Codes: Durch eine schnellere Verfügbarkeit und eine optimierte Bereitstellung von Informationen, wie etwa beim digitalen Impfausweis, haben sie an Bedeutung gewonnen und werden diese vorerst beibehalten. Stefanie Schöler, seit 15 Jahren als Psychologin, Beraterin, Dozentin und Trainerin im Arbeits- und Gesundheitsschutz tätig, meint: „Was sicherlich noch mehr ins Gewicht fallen wird, ist die Vernetzung von Geräten und Maschinen sowie deren Fernsteuerung. Die Stichworte hier sind 5G, Smart Home oder Smart Office. Diese Prozesse werden zunehmen und wurden durch die Pandemie zusätzlich beschleunigt.”
Die Bedeutung von Arbeitssicherheit mach der Pandemie wird unterschiedlich beurteilt. Die meisten erwarten den Status quo, doch ein Drittel erhofft eine gestiegene Bedeutung.
(Bild: Quentic)
Etwas grundlegender sehen laut Expertenmeinung die Auswirkungen aus, die der Mobilfunkstandard 5G auslösen wird. Zum einen ermöglicht er die stärkere Vernetzung von Prozessen und die Zusammenarbeit von Mensch und Maschinen in der Industrie 4.0. Zum anderen werden dadurch völlig neue Möglichkeiten von Remote Work eröffnet, die wiederum grundlegende Folgen für die Arbeit von Verantwortlichen im Arbeitsschutz haben: Im positiven Sinne sind das mehr Flexibilität, sowohl bezogen auf den Arbeitsort, als auch die Arbeitszeit.
Rosa María Orriols ist Vorstandsmitglied der internationalen Kommission für Arbeitssicherheit der „Societat Catalana de Salut Laboral“ (SCSL) und hat verschiedene Programme der Weltgesundheitsorganisation (WHO) begleitet und geleitet. Außerdem sitzt sie im Vorstand mehrerer Organisationen, darunter Prevint, ein strategischer Beratungsdienst für Arbeits-und Gesundheitsschutz. Sie meint: „Beim Zusammenspiel von Technologie und Prävention haben wir gerade eine einmalige Chance, Antworten auf viele Fragen der Unternehmen zu finden. Apps, Monitoring, die Bereitstellung zuverlässiger Daten – all das bietet uns Möglichkeit und Grundlage, neue Veränderungen anzustoßen.“ Trends, die sich bereits im vergangenen Jahr abzeichneten, wie Remote Auditing, Online-Training oder digitale Gefährdungsbeurteilungen, sehen die Befragten auch für das kommende Jahr als zukunftsweisende Themen an.
Was bedeutet „gefährlich“?
Katrin Zittlau ist Expertin für interdisziplinäre und konzeptionelle Beratung zu sicherem und gesundem Arbeiten in der Arbeitswelt 4.0 und Vorständin im Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e. V. (VDSI). „Wir schöpfen die Potenziale der Digitalisierung für den Arbeitsschutz noch nicht wirklich gut aus. Ein Beispiel dafür sind digitale Gefährdungsbeurteilungen. Für die konsequente Verknüpfung von Arbeitsschutz mit anderen Prozessen, wie zum Beispiel der Produktion, kenne ich noch keine guten Lösungen oder Praxisbeispiele.“
Stand: 08.12.2025
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Die Gefährdungsbeurteilung sei die entscheidende Methodik des Arbeitsschutzes und werde auf Sicht mehr und mehr digital umgesetzt. „Sie lässt sich im besten Fall überall an den Arbeitsplätzen der Beschäftigten abrufen und spezifisch an die jeweiligen Voraussetzungen eines Unternehmens anpassen, gegebenenfalls sogar in Echtzeit.“ Ein Beispiel: „Durch die Meldung eines Beinaheunfalls können die Sicherheitsanweisungen sofort für alle betroffenen Beschäftigten aktualisiert werden.“
Diverse digitale Hilfsmittel lassen sich für Gefährdungsbeurteilungen, Incident Management und Unterweisungen heranziehen, doch genutzt werden v.a. Laptops und Office-Programme. Apps und Handys sind im Kommen.
(Bild: Quentic)
Die digitale Gefährdungsbeurteilung enthält natürlich alle Informationen, die zur Aufnahme der Tätigkeit wichtig sind. Sie sollte aber nach Ansicht der Expertin sinnvollerweise mit dem gesamten Prozess verknüpft sein, also über mehrere Arbeitsschritte hinweg immer wieder Hinweise zum Thema Arbeitsschutz in den Ablauf integrieren, so etwa über ein Tablet direkt an der Maschine. „Einfach nur ein statisches Dokument online zur Verfügung zu stellen, bietet noch keinen großen Mehrwert“, wendet sie ein. „Erst diese Verknüpfung eröffnet echte Chancen.“
Die Expertinnen und Experten erwarten wie Zittlau große Veränderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen sind inzwischen die beiden Felder, die seit 2020 am stärksten digitalisiert wurden. Über 40 Prozent der Unternehmen sind hier laut Umfrage in den letzten zwei Jahren aktiv geworden. Der Bedarf sei dabei noch lange nicht gedeckt, wie die Frage nach den Bereichen zeige, in denen die Fach- und Führungskräfte gern die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen würden.
Es gilt Lehren zu ziehen. „Gefährdungslisten und komplizierte Berechnungen haben in der Covid-19-Pandemie nur unzureichend geholfen“, konstatiert Jan Dillen, Dozent, Auditor und Experte für Arbeitsschutz und Prävention. „Die Pandemie hat den Bankrott des existierenden Systems gezeigt. Das Wichtigste ist deshalb, dass wir daraus für die Zukunft lernen.”
Warnung vor negativer Wirkung
Soweit die positiven Befunde und Erwartungen. Der Berater David Cant warnt, es gebe auch eine Kehrseite der Digitalisierung: „Diese Technologien können dem Menschen auch etwas wegnehmen. Je weniger man selbst tun oder nachdenken muss, desto träger wird man. Man verlässt sich zu sehr auf die Technik.“ Dementsprechend berge der technologische Einsatz sowohl Vor- als auch Nachteile.
Digitalisierung zwischen Wunsch und Wirklichkeit seit 2020. Incident Management, Besucher-Management und Audits zeigen die größten Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
(Bild: Quentic)
Negative Folgen, die die Experten wahrnehmen, beziehen sich dagegen mehr auf das psychische Wohlbefinden. Das Gefühl ständiger Erreichbarkeit und die Entgrenzung der Arbeit können ebenso Stressfaktoren sein, wie die dadurch beeinträchtigte oder gestörte Work-Life-Balance. Wenn vorrangig der Leistungsgedanke im Fokus stehe und dafür die gesundheitliche Ebene der Mitarbeitenden vernachlässigt werde, führe die Vernetzung zu einer enormen Beeinträchtigung nicht nur der subjektiven Lebensqualität, sondern am Ende auch zu körperlichen Schäden.
Künstliche Intelligenz nur mit absolutem Mehrwert
Einige Experten mahnen angesichts des Digitalisierungstrends zur Vorsicht: Die Verwendung der neuen Technologien, vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), dürfe nicht zum Selbstzweck geschehen. Im Zusammenspiel zwischen Algorithmen und Menschen müsse das Ziel sein, einen wirklichen Fortschritt zu erzielen und gleichzeitig die menschlichen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen. Nur wenn Arbeitsschritte nachvollziehbar bleiben und selbstbestimmtes Arbeiten ermöglicht wird, können Risiken gemindert werden und eine menschengerechte Zusammenarbeit gelingen. Für den Einsatz der neuen Tools bedarf es dann auch einer neuen rechtlichen Grundlage und einer KI-Ethik.
„Wenn es um die Nutzung Künstlicher Intelligenz geht, werde ich hellhörig, denn ich sehe die Anzahl der genutzten Plattformen und die enormen Datenmengen, die dort verarbeitet werden, mit ein wenig Furcht“, sagt Antonio Terracina. Der Italiener ist seit 20 Jahren im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz tätig und ist Experte für Managementsysteme. Er ist Auditor für die ISO-Norm 45001:18, Experte für verschiedene Organisations- und Managementmodelle beim italienischen Arbeitsministerium. Hauptberuflich koordiniert er den Bereich „Tarif und Risiko“ der technischen Beratung für Risikobewertung und Unfallverhütung der Generaldirektion des italienischen Instituts für die Versicherung von Arbeitsunfällen INAIL.
„Ich hoffe, dass wir bald auf europäischer Ebene über einen rechtlichen Rahmen für Künstliche Intelligenz diskutieren.“ Dieses Gesetz ist bereits in Arbeit, ein erster Vorschlag publiziert. „Dafür eine Lösung zu finden, wird nicht einfach, denn die Technologie ist aufgrund ihrer schnellen Weiterentwicklung nur schwer zu regulieren. Daher ist es in diesem Kontext von hoher Bedeutung, dass verantwortungsvolle Führung, die Gesundheit und Sicherheit priorisiert, in den Code integriert wird.”
Zittlau pflichtet ihm bei und fordert: „Bei der Verwendung von Algorithmen und KI ist die Planungsphase entscheidend. Hier muss Arbeitsgestaltung ansetzen. Aber es kann durch die Digitalisierung auch zu neuen Gefährdungen und Belastungen kommen.“
Die Rolle des Managements
„Wenn Arbeitsschutz erfolgreich sein soll, hängt das meiner Erfahrung nach stark von dem Verständnis und der Sensibilisierung der Vorgesetzten ab“, berichtet Zittlau. „Arbeitsschutz funktioniert da, wo die Geschäftsführung das Verständnis dafür hat, ihn als wichtig erachtet und das auch so kommuniziert und weitergibt.“ In solch einer Umgebung herrsche eine starke und zeitgemäße Präventionskultur. Da werde Arbeitsschutz vorgelebt. „Wenn klar ist“, so Zittlau weiter, „dass man sich eingehend um das Thema Arbeitsschutz kümmert und dieser ein fundamentaler Teil der eigenen Unternehmenskultur, Unternehmensführung und der Prozesse ist, dann wird er auch erfolgreich sein mit allen positiven Effekten wie Personalbindung, gutem Betriebsklima und hoher Qualität des Produktes oder der Dienstleistung.
Wo es noch Handlungsbedarf gibt
Eine besonders große Diskrepanz zwischen Umsetzung und Zielvorstellung besteht laut den Befunden der Umfrage in den Bereichen Fremdfirmen- und Besuchermanagement sowie Incident Management. Der große Bedarf, so die Berichturheber, erkläre sich unter Umständen dadurch, dass die tatsächlichen Möglichkeiten oft nur schleppend in der Praxis umgesetzt würden.
Bei den großen Aufgabenfeldern Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen und Incident-Management beschränke sich der Digitalisierungsfortschritt eher auf grundlegende Elemente wie die Nutzung von Laptops und damit auch gängige Office-Programme wie Excel oder Word. Das Potenzial, das in digitalen Anwendungen für Smartphones und Tablets, insbesondere in speziellen Softwarelösungen liegt, werde dabei noch lange nicht ausgeschöpft, auch wenn es sich immerhin schon ein Drittel der Befragten zunutze machen.
Hoffnungsträger ESG
ESG ist die Abkürzung für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Der Begriff wird in der Finanzwelt mit sozial verantwortlichen Investments sowie Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht. Die Aspekte werden dabei nicht nur für finanzielle Einschätzungen genutzt, sondern integriert als Teil der nichtfinanziellen Berichterstattung betrachtet. Einige Expertinnen und Experten sind sich des wachsenden Einflusses der Nachhaltigkeitsparameter Umwelt, Soziales und Unternehmensführung auf den Erfolg von Arbeitsschutz sicher.
Die Rolle von ESG-Kriterien wird zunehmen und der Arbeitssicherheit mehr Bedeutung verschaffen, erwarten von vier von zehn Befragten, doch jeder Fünfte hat noch nie von ESG gehört.
(Bild: Quentic)
„Es gibt keine Alternative dazu, ein organisiertes, geschäftliches System aufzubauen, ohne die Kriterien für ökologische Nachhaltigkeit, Unfallprävention und Produktion miteinander zu verbinden, da sie alle Teil eines Ganzen sind. In naher Zukunft wird es um die Integration dieser Prozesse gehen“, sagt Lorenzo Fantini, Anwalt für Arbeitsrecht.
„Meiner Meinung nach sind die ESG-Kriterien eine große Chance für den Arbeitsschutz“, ergänzt Antonio Terracina. „Eine Organisation, die glaubwürdige und nachhaltige Ergebnisse erzielen will, muss notwendigerweise die Aspekte der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz integrieren, und zwar noch mehr, als es aktuell gemacht wird. Die eigene Arbeitsweise muss in jedem Sinne nachhaltig sein, sonst kommen wir nicht weiter.”
Aber teilen auch die Fach- und Führungskräfte diese Einschätzung? Der Report besagt anderes. Während 18 Prozent der Befragten noch nie mit dem Thema in Berührung gekommen sind, vermutet bereits ein Großteil der Fachkräfte (42 Prozent), dass die ESG-Kriterien in naher Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Bestätigt werden die ESG-Kriterien als Trend- und Erfolgsthema schlussendlich dadurch, dass sie in fast 30 Prozent der Unternehmen heute schon ein wichtiger Treiber für Investitionen in besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz sind.
Zur Studie Für den „Safety Management Trend Report 2022: Arbeitsschutz im Zeichen von ESG, Industrie 4.0 und Safety Leadership“ von Quentic, eines Anbieters von SaaS-Lösungen für HSEQ- und ESG-Management, wurden im Oktober 2021 über 500 Fachkräfte und Verantwortliche für Arbeits- und Gesundheitsschutz in 23 europäischen Ländern befragt. Die Beantwortung der Fragen und die Angabe sämtlicher statistischer Informationen waren optional. Fast die Hälfte der Teilnehmenden waren interne Fachkräfte. Zusätzlich nahmen zehn Prozent externe Fachkräfte, 16 Prozent Verantwortliche in Managementposition und weitere Befragten aus unterschiedlichen Positionen teil.