Digitalexperten äußern Wünsche zu Vernetzung, Energie und KI Fortschritt der Digitalisierung: Deutsche überwiegend unzufrieden

Von Bernhard Lück 4 min Lesedauer

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KI, Cybersecurity, Homeoffice – digitale Lösungen haben Deutschland und die Debatten im Land 2023 massiv geprägt. Dabei ist häufig zu hören, dass Deutschland unter seinen Möglichkeiten bleibt. Das bestätigt eine Umfrage im Auftrag von Cisco unter mehr als 5.000 deutschen Verbrauchern.

Digitalexperte Sascha Lobo wünscht sich, dass in Deutschland die normalen Durchschnittswerte führender Industrieländer erreicht werden, was digitale Infrastruktur von Glasfaser bis 5G angeht.(Bild:  © – Anatol Kotte)
Digitalexperte Sascha Lobo wünscht sich, dass in Deutschland die normalen Durchschnittswerte führender Industrieländer erreicht werden, was digitale Infrastruktur von Glasfaser bis 5G angeht.
(Bild: © – Anatol Kotte)

Laut Umfrage sind 76 Prozent der Befragten mit dem Fortschritt der Digitalisierung in Deutschland unzufrieden, weitere 77 Prozent sehen Deutschland im internationalen Vergleich im unteren Drittel oder auf dem letzten Platz der bei der Digitalisierung. Weniger als drei Prozent sehen Deutschland als führend in der Digitalisierung und 18 Prozent stufen Deutschland im Mittelfeld ein.

Zum Vergleich: Dieselbe Frage wurde vor fünf Jahren noch etwas positiver beantwortet. 2018 sahen immerhin noch etwas mehr als sieben Prozent Deutschland bei der Digitalisierung im globalen Vergleich im oberen Drittel, 25 Prozent im Mittelfeld und nur 62 Prozent im unteren Drittel. Das deutet auf einen negativen Trend in der Wahrnehmung des deutschen Digitalisierungsfortschritts hin.

„Die Digitalisierung bringt entscheidende Vorteile für Deutschland, aber wir müssen schneller und unkomplizierter werden, um den Fortschritt zu beschleunigen“, sagt Uwe Peter, Chef von Cisco in Deutschland. „Technologie hat uns in den letzten Jahren angesichts des enormen Wandels erhebliche Vorteile gebracht. Ohne Videokonferenzen wäre Deutschland beispielsweise nicht durch die Pandemie gekommen. Die Erfahrungen, den Pragmatismus und die Investitionsbereitschaft aus dieser Zeit brauchen wir wieder. Sonst verlieren wir den Anschluss.“

Der Digitalwunschzettel für 2024

Aber was benötigt Deutschland 2024, um bei der Digitalisierung voll durchzustarten? Der Wunschzettel der befragten Deutschen für das neue Jahr zeigt deutlich den Wunsch nach Verbesserungen in den Bereichen Bildung und Verwaltung (62 %), IT-Sicherheit (42 %) und Gesundheitswesen (34 %). Als größte Hindernisse für mehr Digitalisierung sehen die Deutschen Bürokratie (75 %), den IT-Fachkräftemangel (44 %), unklare politische Zuständigkeiten (44 %) und schlechtes Breitbandinternet (42 %).

Und was sagen Deutschlands Digitalexpertinnen und -experten dazu? Cisco hat bei Persönlichkeiten nachgefragt, die sich mit der Digitalisierung auskennen: Was wünschen Sie sich für das neue Digitaljahr 2024?

Vollständige Verglasfaserung Deutschlands
„Für 2024 wünsche ich mir in Sachen digitale Infrastruktur und Vernetzung die vollständige Verglasfaserung Deutschlands bis in die letzte Gebirgshütte hinein. Im Endeffekt also der Wunsch nach Normalität, sprich dass in Deutschland die normalen Durchschnittswerte führender Industrieländer erreicht werden, was digitale Infrastruktur von Glasfaser bis 5G angeht.“ – Sascha Lobo, Autor, Spiegel-Kolumnist, Digitalexperte

Intelligente Vernetzung, um erneuerbare Energien effizienter zu nutzen
„Für eine zukunftsweisende Digitalisierung im Bereich Energie und Nachhaltigkeit in Deutschland im Jahr 2024 wünsche ich mir eine intelligente Vernetzung und verstärkte Integration von Smart-Grid-Technologien, um erneuerbare Energien effizienter zu nutzen. Es ist unabdingbar, dass wir innovative digitale Lösungen vorantreiben, um die Energiewende zu beschleunigen und nachhaltige Praktiken flächendeckend zu etablieren.“ – Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur

Regulierungsrahmen, der KI fördert und nicht hemmt
„Mein Wunsch für 2024 ist ein Deutschland, das einen klaren und flexiblen rechtlichen Rahmen schafft, der die Entwicklung und Implementierung von künstlicher Intelligenz fördert und nicht hemmt. Eine Umgebung, in der Regulierungen Innovationen unterstützen und beschleunigen, anstatt sie zu behindern, wäre ein entscheidender Schritt für Start-ups und Unternehmen.“ – Aya Jaff, Gründerin und Autorin

Cybersicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
„Wir als Verteidiger können nur auf Dauer erfolgreich sein, wenn wir nicht alleine dastehen. Ich wünsche mir, dass wir Cybersicherheit als gesamtgesellschaftlicher Aufgabe begegnen, Akteure zusammenbringen, Voraussetzungen für den Austausch von Informationen und gegenseitige Unterstützung schaffen, um uns gemeinsam besser schützen zu können.“ – Prof. Dr. Christian Dörr, Leiter des Fachgebiets Cybersecurity - Enterprise Security am Hasso-Plattner-Institut

Mehr Selbstverantwortung in Sachen KI-Kompetenz
„Ich wünsche mir für das Jahr 2024, dass wir in der Breite der Bevölkerung lernen, wie wir verantwortungsvoll und sicher mit künstlicher Intelligenz in unserer Arbeitswelt umgehen. Es gibt viele kostenfreie Bildungsangebote hierzu, die zu wenig genutzt werden. Hier wünsche ich mir mehr Selbstverantwortung und Drive von allen, KI-Anwendungskompetenz zu erlernen und sich dies selbst zum Geschenk zu machen.“ – Prof. Yasmin Weiß, Professorin für künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt, Multi-Aufsichtsrätin

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Schnellere und einheitlichere Visaprozesse für Start-up-Talente
„Da Start-ups auf die besten Köpfe angewiesen sind, stellt der Fachkräftemangel eine besonders große Herausforderung dar. Ohne internationalen Fachkräftezuwachs können wir die Lücke an Arbeitskräften nicht schließen, die durch den demographischen Wandel entsteht. Visaprozesse müssen schneller, einheitlicher und digitaler werden, sonst können wir im Wettbewerb um die besten Talente nicht bestehen!“ – Franziska Teubert, Geschäftsführerin Start-up-Verband

„Es mangelt in Deutschland nicht an guten Ideen zur Digitalisierung. Wir müssen das Thema mit einer guten Mischung aus Erfindergeist, Digital-First-Einstellung und einer gesunden Portion Pragmatismus angehen“, ergänzt Uwe Peter. „Eine effiziente Digitalisierung Deutschlands ist ein wichtiger Dienst an unserer Gesellschaft, keine Kostenstelle, denn sie wird unsere globale Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand in Deutschland fördern. Das wünsche ich mir für 2024.“

Über die Umfrage

Die Umfrage unter 5.000 Deutschen ab 18 Jahren wurde von Civey im Auftrag von Cisco vom 15. bis 17. November 2023 online durchgeführt.

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