Geopolitische Verwerfungen und umgebaute Lieferketten haben das Thema Datensouveränität wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Um dauerhaft die Hoheit und Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten, bedarf es eines smarten Prozesses in drei Schritten.
Die Interessen der europäischen Länder an mehr Datenkontrolle und -hoheit sind deckungsgleich mit denen der europäischen Unternehmen in Sachen Datensouveränität.
(Bild: Urupong - stock.adobe.com)
In dem Maße, wie Cloud Computing global vernetzte IT-Umgebungen geschaffen hat, spielt das Thema Datenhoheit eine immer wichtigere Rolle – als Idee, Konzept, politische Vorgabe und auch als zentrales Element von Datensicherheit. Aus Unternehmenssicht handelt es sich dabei um einen Prozess, bei dem viele verschiedene Räder im Arbeitsalltag nahtlos und mit möglichst geringer Reibung ineinandergreifen müssen. Dadurch sorgen die Unternehmen dafür, ihre digitalen Daten stets den Gesetzen desjenigen Landes zu unterwerfen, indem sie sie verarbeiten, analysieren, speichern, aufbewahren und verwalten.
Geopolitische Verwerfungen
Zwar sorgte Datensouveränität in der Vergangenheit schon einmal für Schlagzeilen – während der Snowden-Enthüllungen vor fast zehn Jahren. Aber es sind die aktuellen geopolitischen Turbulenzen und die Instabilität der Lieferketten und Weltmärkte seit der Pandemie, die das Thema wieder ins Zentrum unternehmerischen Denkens und Handelns rücken.
Denn die Bemühungen der Unternehmen, ihre Resilienz durch eine forcierte Digitalisierung und diversifizierte Lieferketten zu erhöhen, gehen einher mit einer wahren Explosion der Datenmengen – und staatlichen Initiativen. Letztere zielen darauf ab, einerseits die Firmen in ihren Anstrengungen in Sachen Datenhoheit zu unterstützen und andererseits die Aufsicht zur Einhaltung der Regularien zu verbessern.
Als Beispiel ist hier natürlich Gaia-X zu nennen. Mit dieser Initiative verfolgt Europa einen eigenen und neuen Ansatz zu digitaler Souveränität. Die europäische Cloud der nächsten Generation soll die Cloud-Dienste verschiedener Anbieter auf einer eigenen Schicht über einen interoperablen Datenaustausch, die zugleich als eine Art Gefäß für Daten unterschiedlichster Branchen dienen soll, miteinander verbinden. Damit will die Staatengemeinschaft der Hegemonie der US-amerikanischen und chinesischen Mega-Plattformen in der Cloud begegnen, die das Ziel der Datenhoheit gefährden könnten.
Gaia-X wird aber auch als Repository für spezifische Datendienste – u.a. für Künstliche Intelligenz (KI), Internet der Dinge (IoT), Analytik und Big Data – fungieren. Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen - Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Finanzwesen, Energiesektor, Öffentlichen Dienst etc. – können dadurch Daten leichter austauschen, darüber hinaus aber nicht nur das Ziel der Datenhoheit, sondern auch der Datenverfügbarkeit und Innovationsförderung besser verfolgen und erreichen; es ist eine Win-Win-Win-Situation.
Dennoch gibt es noch einiges zu tun, vor allem für Führungskräfte, blickt man auf das US-amerikanische Cloud-Act-Abkommen oder das europäische Schrems-II-Urteil und deren Auswirkungen auf Datenaustausch und Datenspeicherung.
Das Innovationsungleichgewicht
Nach Angaben der Marktauguren von IDC beläuft sich das Wachstum der weltweiten Datenmenge zwischen 2010 und 2022 auf 5.250 Prozent – Tendenz weiter steigend, denn auch die Nutzung von KI, Social-Media-Plattformen, dem Internet der Dinge (IoT) und Geräten nimmt kontinuierlich zu. Infolgedessen führt das Übergewicht der Cloud-Anbieter aus den USA und China zu einem strukturellen Ungleichgewicht, was den Einfluss auf Innovationen betrifft. Denn ihnen stehen Metadaten in Massen aus der ganzen Welt zur Verfügung, auf deren Basis sie neue Dienste entwickeln können.
Weichen diese Plattformanbieter wo auch immer und aus welchen Gründen auch immer – zum Beispiel wegen sich widersprechender Vorschriften in unterschiedlichen Rechtsräumen – von den Datenschutzbestimmungen der EU, Großbritanniens und anderer europäischer Länder ab, riskiert Europa eine Cloud-Architektur, die entlang der rechtlichen Linien Sollbruchstellen aufweist. Sollten sie brechen, drohen unser Kontinent und seine Unternehmen ins Hintertreffen zu geraten – ein Szenario, das angesichts der wachsenden Datenmengen, die immer schwerer zu beherrschen und zu managen sind, wahrscheinlicher wird. Dies ist umso gefährlicher, als allen Störungen der Lieferketten und ihrer Diversifizierung zum Trotz das Geschäft weiter international sein wird.
Stand: 08.12.2025
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Große Wolken, große Verantwortung
Vor diesem Hintergrund ist klar, dass Europa mehr Kontrolle und Hoheit über die eigenen Daten benötigt. Schließlich geht es in vielen Fällen um sensible Informationen wie elektronische Patientenakten, Informationen über medizinische Formeln, private E-Commerce-Transaktionsdaten und vieles andere. Deshalb sollte auch klar sein, dass die Interessen der europäischen Länder an mehr Datenkontrolle und -hoheit deckungsgleich mit denen der europäischen Unternehmen in Sachen Datensouveränität sind.
Und genau darin liegt eine Riesenchance. Europa steht heute an einem Punkt, an dem sich die Einsicht in die Notwendigkeit einer stärkeren gemeinsamen Nutzung von Daten und einer dezentralisierten Datenverarbeitung, die näher beim Nutzer stattfindet, Bahn bricht. Jetzt gilt es, diese Einsicht in konkrete Maßnahmen zu übersetzen:
In drei Schritten zum Prozess
1. Den Status quo ermitteln: Führungskräfte in Staat und Wirtschaft sollten ihre aktuellen und geplanten Projekte für Datenmanagement und Cloud Computing dahingehend überprüfen, ob sie dazu beitragen, das Ziel der Datensouveränität zu erreichen. Außerdem sollten sie alle ihre Kollegen zu GAIA-X schulen, über deren Sinn und Zweck genauso wie über ihre Weiterentwicklung. Ziel ist es, ein allgemeines Bewusstsein für die Verantwortung zu schaffen, die alle bei der Nutzung von Daten tragen.
2. Ein Kompetenzzentrum für Data Governance und Datensouveränität einrichten: Damit dieses Bewusstsein Teil des Arbeitsalltags wird, sollten die Verantwortlichen die eigenen ESG-Ziele definieren, formalisieren und in Form von Richtlinien konkretisieren, um auf dieser Basis ein Kompetenzzentrum für Data Governance und Datensouveränität zu errichten. Damit alle Beteiligten verstehen, wie und warum ein offener, transparenter und sicherer Umgang mit Daten, der zudem vollständig dokumentiert ist, eine grundlegende Arbeitsplatzanforderung darstellt und Teil der Arbeitsroutine sein muss.
3. Ein Ökosystem für Datensouveränität aufbauen: Unternehmen, die Datensouveränität erfolgreich zum Teil ihrer Firmenkultur machen, sollten gezielt und langfristig mit Anbietern und Partnern zusammenarbeiten, die dieselben Ziele in diesem Bereich verfolgen. Den Endpunkt dieser Bemühungen formuliert die Gaia-X-Initiative folgendermaßen: „Ein offenes, transparentes und sicheres digitales Ökosystem, in dem Daten und Dienste in einer vertrauensvollen Umgebung zur Verfügung gestellt, gesammelt und gemeinsam genutzt werden können."
Die Unternehmen können alle drei Schritte gleichzeitig oder nacheinander vollziehen. Entscheidend ist, dass sie sie ständig wiederholen. Ob mit einem expliziten Chief Data Officer oder ohne – der Erfolg sämtlicher Cloud-, Cloud-first- und Cloud-native-Initiativen europäischer Unternehmen und Behörden hängt davon ab, ob diese das Ziel der Datensouveränität als kontinuierlichen Verbesserungsprozess begreifen und verfolgen.
* Der Autor Alessandro Chimera ist Director of Digitalisation Strategy bei Tibco.
Bildquelle: Tibco
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