App Lifecycle Management

Die mobile App-Flut professionell managen

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Im Anschluss steht die Entscheidung an, auf welcher Basis die mobilen Applikationen zu entwickeln sind. Verfolgt ein Unternehmen eine Single-Platform-Strategie, setzt es ausschließlich iOS-, Android- oder Windows-Phone-Mobilgeräte ein. Dann müssen Apps auch nur für eine einzige Plattform entwickelt werden. Kommen hingegen unterschiedliche Betriebssysteme zum Einsatz, müssen Unternehmen entscheiden, ob sie für alle mobilen Plattformen native Apps oder systemunabhängige Anwendungen auf HTML5-Basis oder Hybridformen entwickeln, die sowohl native als auch HTML5-Mechanismen integrieren.

Dabei gilt grundsätzlich: Je spezifischer sich bestimmte Anwendungsfälle adressieren lassen, desto wichtiger ist eine native Entwicklung. Daher hat sich in den vergangenen Jahren HTML5 nicht als der erwartete Entwicklungsstandard etabliert. Da Apps für spezielle Use Cases benötigt werden, ist es in den meisten Fällen ratsam, native Applikationen zu entwickeln. Dagegen sprechen nur eindeutige Gründe wie eine große Vielfalt mobiler Plattformen oder ein Sicherheitskonzept, das auf der reinen Onlinenutzung von Daten basiert.

Wer managt, wer entwickelt?

Darüber hinaus müssen sich Unternehmen im Rahmen des App Lifecycles mit fragen, wo sie das Thema mobile Anwendungen verorten und wer für die Entwicklung zuständig ist. Zunächst benötigt die Mobilisierung von Prozessen einen Sponsor auf der Top-IT-Management-Ebene. Dieser muss die Governance in allen Bereichen durchsetzen und die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen über alle Schnittstellen hinweg verwalten – von den Fachbereichen über die Applikationsentwicklung bis hin zum IT-Betrieb.

Die Entwicklung übernehmen entweder einzelne Fachabteilungen, eine interne App-Entwicklungseinheit oder externe Partner. Eine eigene „App Factory“ stellt Applikationen meist schneller zur Verfügung als ein Dienstleistungspartner. Unabhängig davon, ob intern oder extern entwickelt wird, sollten sich Unternehmen aber auf wenige Entwickler konzentrieren, die sich nicht bei jedem Projekt in alle Richtlinien und Vorgaben neu einarbeiten müssen.

Der eigentliche Entwicklungsprozess orientiert sich stark an den Abläufen der klassischen Software-Entwicklung – mit Ausnahme der Release-Zeiträume. Damit mobile Apps schneller zur Verfügung stehen, müssen Entwicklungsprozesse schlanker und transparenter gestaltet sowie die einzelnen Instanzen (Fachbereiche, Entwicklung, Anwender, Betriebseinheit, Service- und Helpdesk) früher eingebunden werden. Zudem gilt es, den Funktionsumfang der Applikation auf das Wesentliche zu reduzieren, um die Entwicklungszeit zu verkürzen. Dadurch entwickelt sich eine völlig neue Interaktion zwischen Entwickler und Anwender: Häufig testen Entwickler zunächst mit Mock-ups (Dummys, die Benutzeroberflächen simulieren), wie Nutzer damit zurechtkommen. Auf Basis des Feedbacks ergänzen sie dann peu à peu Funktionen.

Elke Papaioannou, Computacenter.
Elke Papaioannou, Computacenter.
(Bild: Bernd Arnold/Computacenter)
Angesichts all der Themen, die es im Lebenszyklus einer App zu beachten gilt, sollten Unternehmen bereits von Beginn an eine Applikations-Lifecycle-Strategie in Form eines Application Frameworks definieren. Dieses Regelwerk ist für alle Akteure verbindlich und beschreibt die Guidelines, die sowohl für die Entwicklung und das Design, als auch für User Experience, Rollout sowie Sicherheits-, Integrations- und Supportkonzept der Applikation eine Rolle spielen. Zudem hält es auch die mit der App verfolgten Geschäftsziele fest. Nutzen Unternehmen die professionelle Struktur eines Application Frameworks, lassen sich viele Herausforderungen reduzieren, die sich Unternehmen beim App Lifecycle Management stellen.

* Die Autorin Elke Papaioannou ist Solution Managerin bei Computacenter.

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