Mangelnde Vorbereitung auf EU-Verordnung Die Data-Act-Stunde hat bald geschlagen

Von Barbara Gribl 4 min Lesedauer

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Beim Data Act klingelt doch was. Gibt man diesen in den Suchmaschinen ein, steht: „Wird ab dem 12. September 2025 anwendbar sein“. Bis dahin ist nicht mehr lange Zeit. Und die meisten Unternehmen sind eher schlecht auf die Verordnung vorbereitet.

Unternehmen stehen unter Druck. Der Data Act erfordert schnelle Anpassungen.(Bild:  Adobe Stock / Ravi / generiert mit KI)
Unternehmen stehen unter Druck. Der Data Act erfordert schnelle Anpassungen.
(Bild: Adobe Stock / Ravi / generiert mit KI)

Der Data Act ist eine Verordnung der Europäischen Union, die darauf abzielt, den Zugang zu und die Nutzung von Daten innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums zu erleichtern. Er trat bereits am 11. Januar 2024 in Kraft. Der Data Act soll Verbraucherrechte stärken, kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen und die digitale Transformation fördern.

Ab Mitte September 2025 müssen Unternehmen den Data Act umgesetzt haben. Im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom wurden 605 Unternehmen in Deutschland ab 20 Beschäftigten branchenübergreifend befragt, wie weit sie auf diesem Weg sind. Die große Mehrheit hat sich laut Bitkom damit noch überhaupt nicht beschäftigt. Nur ein Prozent hat die Vorgaben wohl vollständig umgesetzt, weitere vier Prozent zumindest teilweise. Zehn Prozent haben gerade erst mit der Umsetzung begonnen, 30 Prozent haben noch nicht damit angefangen. Und mehr als die Hälfte (52 %) glaubt, dass sie vom Data Act nicht betroffen ist.

Nutzung von Daten als Schlüssel für zukünftigen Erfolg

Dabei betrifft der Data Act „so gut wie jedes Unternehmen“, bestätigt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Auch dürfe sich ihm nach „das Drama der Datenschutz-Grundverordnung nicht wiederholen“. Die DSGVO sei durch jahrelange Unsicherheiten und Umsetzungsschwierigkeiten zu einem echten Innovationshemmer geworden. Das Management muss – so Wintergerst – jetzt aufwachen und die Politik muss besser unterstützen.

Dies sei auch deshalb wichtig, weil die deutsche Wirtschaft die Nutzung von Daten deutlich ausweiten will. Während heute in rund einem Viertel der Unternehmen datengetriebene Geschäftsmodelle ausschließlich oder stark zum Geschäftserfolg beitragen, soll der Anteil bereits in zwei Jahren bei 47 Prozent liegen. „Die deutsche Wirtschaft sitzt auf einem Datenschatz – und immer mehr Unternehmen machen sich auf den Weg, diesen auch zu heben“, sagt Wintergerst.

Die deutsche Wirtschaft sitzt auf einem Datenschatz.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst

Zugleich hätten zwölf Prozent der Unternehmen bei datengetriebenen Geschäftsmodellen den Anschluss verpasst, vor einem Jahr waren es noch 19 Prozent. Acht Prozent haben sich mit dem Thema noch gar nicht befasst, nach 15 Prozent im Vorjahr.

Hoher Aufwand

Der EU Data Act beinhaltet eine Vielzahl von unterschiedlichen Regelungen, die etwa den Wechsel von Cloud-Anbietern erleichtern sollen. Er macht aber auch Vorgaben für Vertragsklauseln rund um Daten und gibt vor allem Nutzern sowie Dritten Rechte an Daten von vernetzten Geräten.

Die Umsetzung des Data Act erzeugt für die meisten Unternehmen ihren Aussagen nach hohen Aufwand und blockiert Ressourcen, zum Beispiel für die Entwicklung von Innovationen. Jene Unternehmen, die sich selbst vom Data Act betroffen sehen oder sich bereits in der Umsetzung befinden, beklagen weit überwiegend den hohen Aufwand.

Des Weiteren

  • sprechen 32 Prozent von einem sehr hohen Umsetzungsaufwand,
  • 34 Prozent von einem eher hohen Aufwand,
  • 75 Prozent fehle durch die Umsetzung des Data Act die Zeit für Innovationen,
  • 90 Prozent fühlen sich von den vielen Gesetzen überfordert und
  • 90 Prozent fordern mehr Beratung durch öffentliche Stellen.

„Wer Regulierung beschließt, muss auch die Betroffenen ausreichend informieren und unterstützen“, argumentiert Wintergerst. Nicht nur Unternehmen, sondern auch die Politik müsse ihre „Hausaufgaben“ machen. Schließlich seien Daten in vielen Bereichen entscheidend für den Geschäftserfolg, ob bei Training und Nutzung von KI, Medizintechnik oder in der Automobilbranche.

Mehrheit sieht Deutschland als Nachzügler

Zwei Drittel (67 %) der Unternehmen erwarten, dass datengetriebene Geschäftsmodelle für Wachstum und Wohlstand von Volkswirtschaften künftig eine große Rolle spielen werden. Aktuell sehen aber nur sechs Prozent die deutsche Wirtschaft hier unter den Vorreitern, 34 Prozent im Mittelfeld und 51 Prozent unter den Nachzüglern. Ebenfalls sechs Prozent glauben sogar, dass Deutschland den Anschluss verpasst habe. Als führend gelten vor allem die USA (32 %) und China (28 %). Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Japan (12 %) und Südkorea (7 %). „Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt muss unser Anspruch sein, auch in der Datenökonomie einen Spitzenplatz zu belegen“, so Wintergerst.

Datengeschäft steht vor einem Boom

Das Geschäft mit Daten wird in Deutschland in den kommenden Jahren voraussichtlich und hier laut Einschätzungen von Bitkom massiv ausgeweitet. Heute sind 41 Prozent der Unternehmen auf Datenmärkten als Daten-Abnehmer aktiv, 16 Prozent bieten dort Daten an. Allerdings wollen weitere 34 Prozent künftig auf Datenmärkten Daten beziehen und 43 Prozent Daten anbieten. Die Zahl der Daten-Abnehmer könnte so künftig auf 75 Prozent und die der Daten-Anbieter auf 59 Prozent steigen. „In wenigen Jahren wird jedes zweite Unternehmen in Deutschland eigene Daten bereitstellen“, sagt Wintergerst.

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Unternehmen, die keine Daten anbieten, werden nach eigenen Angaben durch den Datenschutz davon abgehalten. Er erlaube in ihrem Fall keinen Datenaustausch, sagen 56 Prozent.

Des Weiteren

  • sind 42 Prozent unsicher, ob ein Datenteilen rechtlich möglich ist,
  • 31 Prozent haben Sorge, dass versehentlich Geschäftsgeheimnisse weitergegeben werden,
  • bei 28 Prozent sind die Daten nicht kompatibel und
  • 24 Prozent sorgen sich, dass andere Staaten die bereitgestellten Daten gegen uns einsetzen,
  • 19 Prozent haben Schwierigkeiten bei der Einigung mit potenziellen Partnern,
  • für 16 Prozent ist das Datenangebot wirtschaftlich nicht attraktiv und
  • 13 Prozent wollen Wettbewerber nicht stärken,
  • 12 Prozent kennen schlicht keine passenden Abnehmer,
  • 42 Prozent sind unsicher, ob ein Datenteilen rechtlich möglich ist.

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