Entlassungen und Zerschlagung Das traurige Schicksal der Software AG

Von Elke Witmer-Goßner 2 min Lesedauer

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Presseberichten zufolge steht die Software GmbH (ehemals Software AG) vor einem tiefgreifenden Umbau und massiven Stellenabbau. Dem Handelsblatt liegt demnach ein Interessenausgleich zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat vor, der vorsieht, dass bis Mitte 2026 etwa 150 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

Gehen in Darmstadt bald ganz die Lichter aus? Investor Silver Lake macht Tabula rasa bei dem ehemals zweitgrößten Softwarehersteller Deutschlands.(Bild:  Software GmbH)
Gehen in Darmstadt bald ganz die Lichter aus? Investor Silver Lake macht Tabula rasa bei dem ehemals zweitgrößten Softwarehersteller Deutschlands.
(Bild: Software GmbH)

Nach der Übernahme durch den US-Finanzinvestor Silver Lake im Sommer 2023 hat sich das Unternehmen in mehrere Teile aufgespalten. Die ehemals als zukunftsträchtig bewertete Integrationsplattform (z. B. Webmethods und StreamSets) wurde schnell nach der Übernahme für rund 2,13 Milliarden Euro an IBM verkauft.

SAG ordnet sich als Software GmbH neu

Anfang dieses Jahres kam die Nachricht, dass die Software GmbH nach den Verkäufen von webMethods, StreamSets und TrendMiner auch die Geschäftsbereiche Alfabet und Cumulocity veräußert. Damit verblieben im Konzern nur noch die Einheiten Adabas & Natural (A&N) sowie ARIS, die künftig als eigenständige Unternehmen mit eigenen Managementteams agieren sollten.

Der langjährige CEO Sanjay Brahmawar ist im Zuge dieser Umstrukturierung zurückgetreten. Er hatte die Transformation des Konzerns von einem klassischen Lizenzanbieter hin zu einem SaaS- und Subskriptionsmodell geprägt und unter anderem die Übernahme von StreamSets sowie den Aufbau des Super-iPaaS-Geschäfts vorangetrieben, das dann an IBM verkauft wurde.

Die Führung der Holding Software GmbH liegt nun bei Martin Biegel, Martin Clemm, Robin Colman und Toktam Khatibzadeh. Laut Investor Silver Lake soll der Fokus künftig auf nachhaltigem Wachstum von ARIS und A&N liegen.

Brahmawar erklärte zum Abschied, er verlasse das Unternehmen „im Wissen um ein starkes Management-Team“ und wolle die weitere Entwicklung als Beobachter verfolgen. Silver-Lake-Manager Christian Lucas würdigte seine Rolle bei der Transformation und kündigte Investitionen in die Wachstumspläne von ARIS und A&N an.

Strukturänderung und Produktfokussierung

Heute verbleiben im Kern nur noch die Sparten ARIS (Geschäftsprozessmanagement) und Adabas & Natural (Datenbank- und Mainframe-Lösungen), die nun als eigenständige Geschäftseinheiten operieren sollen. ARIS entwickelt seine Cloud-nativen Prozessmodellierungs- und Process-Mining-Lösungen weiter und wird von Analysten als Marktführer im Bereich Business Process Intelligence eingestuft. Adabas & Natural bleibt mit seiner hochleistungsfähigen, transaktionalen Datenbanksoftware zentral für geschäftskritische Prozesse auf Mainframe, Linux und Cloud. Unter der Strategie 2050+ setzt das Unternehmen auf kontinuierliche Innovation und Kundenbindung.

Kontroverse um Bewertung und Aktionärsrechte

Silver Lake hält laut verschiedenen Quellen inzwischen deutlich über 80 Prozent der Anteile und hat die Firma von der Börse genommen. Das Unternehmen firmiert inzwischen als Software GmbH, fungiert als Holding für ARIS, Adabas & Natural und zentrale Funktionen wie Finanzen und Personal.

Die Presse berichtet, dass 52 Minderheitsaktionäre beim Landgericht Frankfurt eine höhere Abfindung fordern (Aktenzeichen: 3-05 O 78/24). Anlass ist der sogenannte Squeeze-out, bei dem der Finanzinvestor Silver Lake die Software GmbH vollständig übernehmen will. Die angebotene Abfindung – 34,14 Euro je Aktie – sei nach Ansicht mancher Kläger zu niedrig, insbesondere in Anbetracht der Erlöse aus den Verkäufen einzelner Sparten. Ein Gutachten von KPMG hatte den Gesamtwert des Unternehmens auf ca. 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

Kommentar

Die Transformation der Software AG zu Software GmbH zeigt, wie stark Finanzinvestoren Unternehmen restrukturieren, wenn strategische Rahmenbedingungen wie Technologieangebote und Marktpositionierung als nicht ausreichend profitabel eingeschätzt werden. Was einst Deutschlands zweitgrößter Softwarekonzern nach SAP war, reduziert sich auf zwei verbliebene Kernbereiche, die zwar über Marktrelevanz verfügen, aber nicht mehr das Gesamtportfolio des Unternehmens darstellen. Schade. Da hätte mehr draus werden können.

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