Autofahrer stellen an ihre modernen Infotainment-Systeme ähnliche Ansprüche wie an das Smartphone. Eine einheitliche Plattform für OEMs und Entwickler könnte dafür sorgen, dass die Anwender künftig stets mit neuesten Funktionen versorgt werden.
Wie der Polestar 2 sollen künftig auch andere Fahrzeuge mit Android Automotive ausgeliefert werden.
(Bild: Volvo)
500 Anwendungen zählte der App Store von Apple, als er am 10. April 2008 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Das Unternehmen aus Cupertino löste damit eine neue Ära der Handynutzung aus, die fortan weit mehr bedeutete als SMS oder Anrufe empfangen und absetzen.
Smartphones gab es schon vor dem iPhone, doch der Marktdurchbruch gelang erst, als die Geräte vielfältige Funktionen boten und durch Apps erweitert werden konnten. Um diese auf das Endgerät zu bringen, braucht es ein Ökosystem, das es Entwicklern möglich macht, schnell und kundenorientiert Programme zu migrieren.
Das gelang zuerst mit dem App Store, später dann mit dem Google Playstore oder Blackberry World. Das Geheimrezept dieser Portale ist die Vereinigung von Bereitstellung und Nutzung der Apps. Auf der einen Seite stellen diese Portale eine angenehme Benutzeroberfläche für Smartphone-Besitzer dar, auf der anderen Seite bieten sie ein entwicklerfreundliches Interface.
Automobile sind mittlerweile ebenfalls mehr als nur ein Transportmittel, sie sind ebenfalls internetfähige Geräte. Bei ihnen zählen nicht mehr nur die Umdrehungen pro Minute, sondern auch die „Experiences per Mile”, die hier ebenfalls erst durch verschiedene Anwendungen möglich werden.
Warum also nicht eine Plattform schaffen, die die Entwicklung von Automobilanwendungen an einem Ort bündelt und vereinfacht? Solche Portale gibt es – bisher aber nur wenige. Auf ihnen müssen viele Aspekte und Stakeholder vereint werden, damit sie die versprochenen Erwartungen erfüllen. Das gelingt nur durch eine enge Zusammenarbeit mit Automobilherstellern (OEMs) und Entwicklern.
Das Einbeziehen der Automobilindustrie bei der Entwicklung von Fahrzeuganwendungen unterscheidet sich aber wesentlich von den Prozessen bei Smartphone-Apps. Auch andere Faktoren, darunter das Minimieren der Fahrerablenkung oder ein noch stärkerer Fokus auf die Sicherheit, unterscheiden sich – eines aber ist gleich: Android ist ein wichtiger Bestandteil.
Android für Automotive-Entwickler
Android ist nicht auf Smartphones oder andere mobile Endgeräte beschränkt. Zulieferer wie HARMAN setzen auch im Automotive-Bereich auf dieses Betriebssystem. Das bietet eine Menge Vorteile. Die schiere Anzahl von Android-Smartphones bedeutet, dass es bereits eine riesige Community an Android-Entwicklern gibt.
Neueinsteiger in der Kfz-Entwicklung besitzen wahrscheinlich bereits ein Gerät, auf dem sie ihre neuen Projekte testen können. Außerdem bietet Android auf vielen Smartphones großartige und vielseitige Anwendungen, läuft auf vielen verschiedenen Modellen und hat bereits eine sehr breite Zielgruppe von Endnutzern. Daher ist es für viele Menschen eine leicht anzuwendende Technologie.
Android Automotive ist zudem in der Automobilindustrie bereits auf dem Vormarsch, da die OEMs Android Automotive OS als Basis für ihre Infotainment-Systeme der nächsten Generation in Betracht ziehen. Android-Entwickler sehen dieses Betriebssystem als eine vertrauenswürdige Plattform an, auf der neue Apps und Dienste für Verbraucher entwickelt, getestet und veröffentlicht werden.
Ein weiterer Pluspunkt besteht darin, dass Automotive Android sich besonders nah an Android orientiert. Der einzige Unterschied sind ein paar Erweiterungen der Frameworks, um mit Unterschieden im Formfaktor umzugehen. Damit bietet es Android-Entwicklern ein echtes Heimspiel.
Bislang war die Implementierung von Anwendungen im Auto oft mit der Entwicklung der Karosserie verknüpft. Und es gab einige Hürden zu meistern bei der App-Entwicklung für Fahrzeuge. Zu lange Implementierungsphasen sowie langsame und uneinheitliche Testverfahren verzögerten die Einführung neuer Funktionen um zwei bis drei Jahre. Auch die Attraktivität für Developer ließ dadurch zu wünschen übrig. Zudem war direkte Kommunikation zwischen den OEMs und Entwicklern verzögert oder nur schwer herzustellen.
Was können wir von Auto-Apps erwarten?
Was OEMs und Entwickler benötigen, ist eine einheitliche Plattform für vernetzte Fahrzeuge, um Fahrzeug-App-Stores zu entwickeln, bereitzustellen und zu verwalten sowie ein einheitliches Ökosystem von Apps und Content-Partnern zu nutzen. Effizienz entsteht durch die Wiederverwendbarkeit der Komponenten, Dienste und APIs. Auch Software-Updates lassen sich so rationalisieren – von der Logistik bis hin zur Personalisierung an verschiedenen Orten.
Stand: 08.12.2025
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Im Moment sind Verbraucher vielleicht noch mit den traditionellen Android- und iOS-Smartphone-Konnektivitätsintegrationen in ihrem Fahrzeug vertraut. Doch schon bald werden Cloud-basierte Systeme, die speziell für die Automobilumgebung entwickelt wurden, ein individuelles Erlebnis bieten sowie die Produktivität während der Fahrt oder dem Warten im Fahrzeug erhöhen.
Anwendungen spielend leicht auf den Markt bringen
Anfang des Jahres hat HARMANN den 2018 eingeführten Ignite Store um ein neues Developer-Portal für Android-Entwickler ergänzt, das die Entwicklung, Übertragung und das Testen neuer Automotive-Anwendungen vereinfacht. Zielsetzung ist es, die Innovation in der Autobranche voranzubringen und dem App-Markt einen Boom verschaffen.
Entwicklerinnen und Entwickler können hier coden, die fertiggestellte App migrieren und sie direkt im HARMAN Ignite Store Developers Portal auf Schwachstellen überprüfen. Innerhalb weniger Wochen lassen sich die Anwendungen in Testfahrzeugen auf betriebliche Effizienz testen. Die Plattform unterstützt komplexe Geschäftsmodelle, mehrere Partner, Geografien und Märkte – alles im Ermessen der OEMs.
Alle im globalen Store veröffentlichten Apps werden von HARMANN sorgfältig zertifiziert und kuratiert. Die Palette reicht von Audio- und Media-Streaming, Einparkhilfe, EV-Laden bis hin zu Tanken, Navigation und allgemeinen POIs (Points of Interest). In Zukunft sollen weitere Bereiche abgedeckt werden, wie zum Beispiel Produktivität, Zahlungen, Spiele und eCommerce.
* Naoki Ogishi leitet das Produktmanagement für das „HARMAN Ignite Store“-Team. Er hat über zehn Jahre Erfahrung im Produktmanagement in den Bereichen Mobile und Connected Vehicle. Vor seiner Tätigkeit bei HARMAN war er Produktmanager bei eBay mit Schwerpunkt Mobile und Buyer Experience. Naoki lebt im Silicon Valley in Kalifornien.