Neue Wege für Bauern

Die Landwirtschaft geht in die Luft – und in die Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Drohnen in der Landwirtschaft: eine Entwicklung mit hohem Potential.
Drohnen in der Landwirtschaft: eine Entwicklung mit hohem Potential. (© Uwe Mahnke - Fotolia.com)

Eine neue Berufsgruppe schickt sich an, die Cloud intensiv zu nutzen: Landwirte! Wie gleich mehrere neuer Studien zeigen, zieren sie sich heute noch etwas, wobei die üblichen Sicherheitsbedenken vorgebracht werden. Aber neue Techniken wie etwa der Einsatz von Drohnen werden so viele Daten produzieren, dass die Bauern auf kurz oder lang die Cloud nutzen müssen.

Die aktuelle Skepsis der Landwirte gegenüber der Cloud – analog zum restlichen Mittelstand, denn bäuerliche Betriebe sind heutzutage in der Regel sehr industriell geführte Kleinunternehmen, das Bild vom verträumten Bäuerlein auf einem klapprigen Trecker ist in der Realität kaum mehr anzutreffen – wird widergespiegelt im neusten DLG-Trendmonitor Europe.

Aus dem von der DLG erstellten Report geht hervor, dass in der Landwirtschaft aktuell genauso viele Daten anfallen wie in jedem anderen industriellen Sektor. Über sein Tablet oder Smartphone hat der Landwirt beispielsweise im Blick, was im Stall oder auf der Weide geschieht: Sensoren an verschiedenen Stellen des Hofes senden einen Alarm auf das Mobilgerät, wenn Tore, Türen oder Gatter unbefugt geöffnet werden, Brandmelder warnen rechtzeitig bei Rauchbildung.

Für den Trendmonitor wurden 750 deutsche, 750 französische, 500 polnische und 350 britische Landwirte befragt. Diese können laut Report den Status der Datensicherheit oft nicht beurteilen. Rund ein Drittel der Landwirte in Frankreich, Polen und Großbritannien weiß demnach nicht, ob die Betriebsdaten in der Cloud sicher sind. In Deutschland kann rund ein Fünftel der befragten Betriebsleiter den Sicherheitsstatus nicht beurteilen. Die überwiegende Mehrheit der Landwirte geht aber von einer unzureichenden Datensicherheit aus: 34 Prozent der Landwirte in Deutschland geben an, dass Lücken vorhanden sind, und 21 Prozent sind der Meinung, dass Datensicherheit nicht gegeben ist.

Datenunsicherheit bremst Digitalisierung

Betriebsleiter werden ohne Gewissheit über die sichere Speicherung der Daten nicht den Schritt in die Cloud gehen - die Datenunsicherheit bremst die Digitalisierung. Dennoch wird sie nicht aufzuhalten sein, auch und gerade in der Landwirtschaft nicht. Gerade rüsten die Agrarunternehmen massiv auf – Hightech-Mähdrescher, die satellitengesteuert über das Feld navigieren, oder Drohnen, die Herbizide oder Düngemittel punktgenau ausbringen, gelten als die Zukunft, so ein Anfang November vorgestellter Report des Branchenverbandes Bitkom. 60 Prozent der Befragten erwarten von solchen Technologien verbesserte Abläufe. Jeweils 55 Prozent versprechen sich davon geringere Herstellungskosten landwirtschaftlicher Erzeugnisse durch eine höhere Effizienz und verbesserte Kapazitätsauslastung. 48 Prozent denken, dass digitale Anwendungen eine flexiblere Arbeitsorganisation ermöglichen, und 47 Prozent sind der Ansicht, dass dadurch die Wartung ihrer Geräte und Maschinen besser eingeplant werden kann.

Drohnen lassen Datenseen unbekannten Ausmaßes entstehen

Am augenscheinlichsten werden wir alle diese Entwicklung in Form von Drohnen erleben. In den USA stellt die Landwirtschaft bereits heute das größte Einsatzgebiete für UAVs dar, also für „Unmanned Aerial Vehicles“. Der Grund dafür ist einfach: Drohnen können mit den verschiedensten Sensoren bestückt werden und dann die unterschiedlichste Dinge messen und aufzeichnen, darunter Luft- und Bodenfeuchte, die Menge an Bäumen auf einen Hektar oder die Höhe des Schadens nach einem Sturm. Manchmal sind Langzeitbeobachtungen gefragt, etwa wenn Bauern einen Sommer lang den Weizen auf ihren Felder wachsen sehen wollen, um so für das kommende Jahr besser planen zu können.

In der Landwirtschaft spielen auch die vielen rechtlichen Vorgaben kaum eine Rolle, die sowohl in den USA als auch in Europa mittlerweile beim Drohneneinsatz gelten. Viele landwirtschaftliche Flächen befinden sich in Privateigentum und unterliegen damit nicht den Vorgaben der Behörden. In den USA ist das die Federal Aviation Administration (FAA). Sie hat bereits vor geraumer Zeit den Einsatz von Drohnen für Spiel und Spaß frei gegeben, ganz ähnlich wie dies in Deutschland der Fall ist. Erst im Februar hat die Behörde aber einen Entwurf für den kommerziellen Einsatz vorgelegt – mit durchwachsenen Reaktionen.

Oft war ja über den versuchten Einsatz von Paketdrohnen durch Amazon zu lesen – tatsächlich fliegen diese aktuell testweise über ländliches Gebiet im US-Bundesstaat Washington. Insgesamt halten die am Einsatz interessierten Firmen die gesetzlichen Vorgaben aber für zu restriktiv. UAVs dürfen in den Staaten beispielsweise nicht höher als 500 Fuß steigen, und das auch nur am Tag und im Sichtfeld des Steuernden. Für die Paketzustellung reicht das natürlich nicht. Insofern erwarten Marktbeobachter Korrekturen der FAA bis 2017. Dann soll ein endgültiges Gesetz zum Drohneneinsatz vorliegen.

„DHL Paketkopter 2.0“ transportiert Medikamente

Auch in Deutschland werden bereits UAVs für kommerzielle Zwecke getestet: Seit Ende September vergangenen Jahres transportiert der „DHL Paketkopter 2.0“ Medikamente aus der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu einer Apotheke auf der Nordseeinsel Juist. Aber auch hier ist – wie oben angerissen – der rechtliche Rahmen noch weit gesteckt, von Bundesland zu Bundesland jedoch jeweils ein anderer. Es gibt sehr viele Sonderregeln, in Berlin etwa darf man innerhalb des S-Bahn-Ringes nicht ohne Erlaubnis fliegen. Und in Hamburg ist generell Flugverbotszone.

Rechtliche Aspekte beim Einsatz von Drohnen

Für Deutschland haben die Kölner Rechtsanwälte Wilde, Beuger und Solmecke die vielfältigen rechtlichen Aspekte eingehend beleuchtet. Hierzulande steht zum Beispiel das Persönlichkeitsrecht von durch Drohnen beobachteten Personen sehr im Mittelpunkt, aber auch triviale Angelegenheiten wie die Haftpflicht sind längst geregelt. Allerdings hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Mitte November die Einführung eines „Drohnen-Führerscheins“ inklusive neuer Nutzungsregeln für den gewerblichen und privaten Einsatz angekündigt. Was daraus wird, bleibt abzuwarten – siehe Verkehrs-Maut.

Für den industriellen Einsatz von Drohnen gibt es bereits erste Ausnahmegenehmigungen, auch hierzulande.
Für den industriellen Einsatz von Drohnen gibt es bereits erste Ausnahmegenehmigungen, auch hierzulande. (Bild: 3D Robotics)

Bislang gilt jedenfalls: Auf seinem Privatgelände darf jeder fliegen, wie er will. Auch und gerade, wenn er Bauer ist. Als solcher interessiert man sich auch für den Zustand seiner Stallungen. Aktuell sind Luftbildaufnahmen das größte Einsatzgebiet von Drohnen, gucken Sie nur mal auf Youtube. Auch an professionellen Einsatzszenarien mangelt es nicht: Die US-Firma 3D Robotics (3DR) betreut beispielsweise BNSF Railway als Kunden. Das Bahnunternehmen hat beim FAA die Zulassung von Drohnen für das Abfliegen und Kontrollieren von Gleisanlagen gestellt. Zum Einsatz kommen soll dabei u.a. das Spektre Industrial Multirotor Aerial Vehicle von 3DR, von dem es bislang nur einen Prototypen gibt.

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