Der Wettkampf der Tech-Giganten Wer wird der Herrscher über die Künstliche Intelligenz?

Ein Gastbeitrag von Maximilian Schmidt* 5 min Lesedauer

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Google, Microsoft und Co. haben bereits Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von KI-Technologien investiert. Die Tech-Giganten kämpfen nun darum, ihren Vorsprung zu halten. Wer wird am Ende als Herrscher der Künstlichen Intelligenz (KI) hervorgehen? Was sind die möglichen Auswirkungen und was kann man künftig von den bekannten Namen erwarten?

Generative Künstliche Intelligenz ermöglicht zahlreiche neue Anwendungsfälle bei Software – und eröffnet nicht nur den Marktführern großes Potenzial.(Bild:  Lustre - stock.adobe.com)
Generative Künstliche Intelligenz ermöglicht zahlreiche neue Anwendungsfälle bei Software – und eröffnet nicht nur den Marktführern großes Potenzial.
(Bild: Lustre - stock.adobe.com)

Mit den ersten Versionen des Programms ChatGPT-3 und GPT-3.5 wurde ein Meilenstein gesetzt. Seitdem ist das Tool in aller Munde. Doch OpenAI hat keineswegs die Absicht, das Rampenlicht zu verlassen: Nun sorgt die neue Version ChatGPT-4 mit zusätzlichen Funktionen und Erneuerungen nochmal für Begeisterung. Die KI hinter dem Programm arbeitet inzwischen präziser, fehlerfreier und kreativer.

Und der Hype um ChatGPT wird womöglich nicht nachlassen. OpenAI plant, Plug-ins in den Chatbot zu integrieren. Auf diese Weise kann das Programm auf Daten von externen Webseiten zugreifen und mit ihnen interagieren. Derzeit sind Plug-ins wie Expedia und Klarna in Planung. Nutzer erhalten somit in Zukunft die Möglichkeit, über ChatGPT zum Beispiel eine Reiseplanung vorzunehmen und Flüge und Unterkünfte zu buchen, ohne das Programm zu verlassen. Auch künftig sind weitere Innovationen von OpenAI zu erwarten.

Die rasante Entwicklung der Firma verdeutlicht, dass OpenAI zweifellos einer der führenden Akteure im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist. Mit der Einführung von ChatGPT und dem ausgelösten Hype wurde die Macht der künstlichen Intelligenz demonstriert. OpenAI steht schon jetzt an der Spitze des Wettbewerbs und auch die kommenden Projekte werden das Unternehmen weiter nach vorne bringen. Somit ist es eher unwahrscheinlich, dass andere Konzerne und Start-ups in der Branche in naher Zukunft auf gleicher Ebene mithalten können.

Das sind die Zukunftspläne der Tech-Giganten

Derzeit erlebt die Tech-Branche den größten Wendepunkt seit Jahrzehnten. Noch nie war der Wettbewerb um die Vorherrschaft in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz so groß. Folglich verfolgen neben OpenAI auch andere Unternehmen das Ziel, KI in ihre Projekte zu integrieren. Die bekannten Tech-Giganten wie Microsoft, Google und Facebook gaben bereits erste Pläne bekannt.

Seit über zwei Jahrzehnten hat Google die Führungsrolle in vielen Bereichen, insbesondere als Suchmaschine, übernommen. Nun drohen andere Unternehmen wie Microsoft mit der Implementierung von KI-Tools Google zu überholen. Um weiterhin an der Spitze zu bleiben, möchte das Unternehmen jetzt seine eigene generative KI-Technologie in die Suchmaschine integrieren. Ein Projekt wurde bereits eingeführt: Der Chatbot „Bard“, welcher von Google als „experimenteller KI-Dienst für Konversationen“ bezeichnet wird. Ähnlich wie ChatGPT kann das Programm mit Nutzern über Chat interagieren. Dazu kann es Softwareentwicklern bei der Programmierung, einschließlich Codegenerierung und Debugging, unterstützen.

Microsoft profitiert derzeit von einer Kooperation mit OpenAI. Insgesamt wurden 13 Milliarden US-Dollar in die Partnerschaft investiert, um ChatGPT in die Cloud und die eigene Suchmaschine integrieren zu können. Durch die Zusammenarbeit erhofft sich das Unternehmen langfristige Erfolge, unter anderem auch die Dominanz der eigenen Suchmaschine Bing. Folglich wird Google einem zunehmenden Druck ausgesetzt.

Auch Facebook zieht langsam nach und positioniert sich mit der Einführung eines eigenen KI-Sprachmodells namens „LLaMA“ (Large Language Model Meta AI). Das hochmoderne und umfangreiche Sprachmodell soll Forschern bei ihrer Arbeit im Bereich der KI unterstützen. Der Zugriff soll zunächst nur KI-Forschern gewährt werden. Das Programm ist somit für Instagram- und Facebook-Nutzer derzeit nicht zugänglich. Dem Unternehmen Meta ist es wichtig, dass das KI-Sprachmodell nicht für unethische Zwecke missbraucht wird. Hierfür wurde das Modell nur unter einer nicht kommerziellen Lizenz veröffentlicht, um den Zugang lediglich auf akademische Forscher einzuschränken. Dazu gehören Forschende aus der Wissenschaft, Industrie, der Zivilgesellschaft und aus Regierungsorganisationen.

Was sind die möglichen Auswirkungen des Konkurrenzkampfes?

Das rasante Wettrennen um die KI-Vorherrschaft unter den Tech-Giganten führt nicht nur zu langersehnten Neuigkeiten, sondern auch zu Bedenken. In einem offenen Brief warnten vor Kurzem IT-Experten die Gesellschaft vor einem „außer Kontrolle geratenen Wettlauf“. Der Brief wurde unter anderem von Elon Musk und dem Apple-Mitbegründer Steve Wozniac unterzeichnet und richtet sich zum größten Teil an die großen Konzerne wie Google, Microsoft, Meta und OpenAI. Die Befürworter der Petition fordern einen sechsmonatigen Entwicklungsstopp und klare Regularien für die Entwicklung und Nutzung der KI-Tools. In ihrem hitzigen Wettstreit um die Führungsrolle wird befürchtet, dass die großen Tech-Unternehmen Aspekte wie Datenschutz und Transparenz stark vernachlässigen.

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Im Brief werden auf die potenziellen Gefahren und Risiken für die Gesellschaft und die Zivilisation durch KI-Systeme hingewiesen. Unter anderem werden Fragen gestellt wie: „Sollen wir zulassen, dass Maschinen unsere Informationskanäle mit Propaganda und Unwahrheit fluten?“ und „Sollten wir nichtmenschliche Geschöpfe entwickeln, die uns schließlich zahlenmäßig übertreffen, überlisten, obsolet machen und ersetzen können?“. Verdeutlicht wird also der mögliche Kontrollverlust durch fehlende Regulierungen und Transparenz.

KI verleiht Flügel

US-Konzerne dominieren dank des KI-Hypes die globalen Börsen, wie eine EY-Auswertung zeigt. Apple führt mit 3 Billionen US-Dollar, gefolgt von Microsoft mit 2,5 Billionen. Unter den Top 10 finden sich fast nur US-Firmen. Zwei deutsche Unternehmen, SAP und Siemens, sind unter den Top 100. Im Vergleich zu Ende 2022 stieg die Anzahl europäischer Unternehmen in der Liste von 16 auf 19, aber ihre Bedeutung hat tendenziell abgenommen. Der Löwenanteil des Gesamtwerts der Top 100 Konzerne (34,4 Billionen US-Dollar) geht mit 24 Billionen US-Dollar an US-Unternehmen. Dies zeigt den starken Einfluss von Tech-Giganten wie Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia und Meta.

Weitere Informationen: KI-Euphorie beflügelt Börsen – Apple und Microsoft am wertvollsten

Auch der frühere Google-Entwickler Geoffrey Hinton warnte vor ernsten Risiken für die Menschheit – und das als einer der ersten Forscher auf dem Gebiet. Zuletzt hat der KI-Entwickler seine Arbeit bei Google aufgegeben und äußert sich seither kritisch gegenüber den Entwicklungen. Schon bald könnten KI-Programme intelligenter als der Mensch werden. Das Tempo, in dem die großen Konzerne miteinander konkurrieren, ist in seinen Augen äußerst gefährlich und wird womöglich dazu beitragen, dass KI für falsche Zwecke missbraucht wird. Auch er fordert nun eine Denkpause und Regulierungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI.

Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, inwiefern diese Auswirkungen wirklich eintreten können oder ob der offene Brief lediglich das Ergebnis eines Hypes ist, der sich selbst verstärkt hat. Tatsache ist, dass Regulierungen erforderlich sind, um die rasante Entwicklung etwas einzudämmen – besonders für die Gewährleistung von Datenschutz und Transparenz.

Gekommen, um zu bleiben

Es steht außer Zweifel, dass OpenAI der derzeitige Spitzenreiter im Wettkampf für die KI-Vorherrschaft ist. Auch in Zukunft sind großartige Erfolge von dem Unternehmen zu erwarten. Die Konkurrenz hat Schwierigkeiten mitzuhalten. Dennoch sind weiterhin viele KI-Projekte von den Tech-Giganten in Planung, unter anderem auch von Microsoft, die eine Kooperation mit OpenAI gestartet haben. Der Konkurrenzkampf trifft aber auch auf scharfe Kritik: In einem offenen Brief werden vor möglichen Risiken gewarnt. Doch wie bei jeder technischen Innovation heißt es auch hier, erst einmal abwarten.

* Über den Autor
Maximilian Schmidt ist CEO der CPI Technologies GmbH. Die Firma ist spezialisiert auf Software-Entwicklung in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Blockchain und digitale Produktentwicklung.

Bildquelle: CPI Technologies GmbH

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