Definition: alte Unix-Variante, bis heute bedeutend Was ist die Berkeley Software Distribution (BSD)?

Von zeroshope

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Berkeley Software Distribution bzw. BSD ist die Bezeichnung für eine eigentlich veraltete Unix-Variante. Sie wurde zwischen 1977 und 1995 an der kalifornischen Universität Berkeley entwickelt. Die BSD-Codebasis ist bis heute bedeutend und entsprechend verbreitet.

BSD hatte großen Einfluss auf die Unix-Entwicklung - bis heute finden sich Teile davon selbst in Cloud-Computing-Umgebungen wieder.(Bild:  gemeinfrei © Gerd Altmann /  Pixabay)
BSD hatte großen Einfluss auf die Unix-Entwicklung - bis heute finden sich Teile davon selbst in Cloud-Computing-Umgebungen wieder.
(Bild: gemeinfrei © Gerd Altmann / Pixabay)

Unter der Beschreibung Berkeley Software Distribution (BSD) ist eine Variante des offenen Betriebssystems Unix zu verstehen. Sie wurde zwischen 1977 und 1995 von der Computerforschungsgruppe der US-amerikanischen Universität Berkeley entwickelt und verfügbar gemacht. Deshalb fand der Name der Hochschule Eingang in diese spezielle Distribution. Ursprünglich ging sie allerdings auf AT & T zurück. Heute sind mehrere Abkömmlinge von BSD noch immer in der Nutzung und werden weiter entwickelt.

Die Geschichte der Berkeley Software Distribution

Um zu verstehen, weshalb es BSD nur noch in der Form von verschiedenen Abkömmlingen gibt, ist ein Blick auf die Geschichte unerlässlich. Unix ging wie erwähnt auf den US-amerikanischen Telekommunikationsanbieter AT & T zurück. Dieser begann in den 1970er Jahren damit, das Betriebssystem zu lizensieren. Zu dieser Zeit war gerade Version 6 erschienen. Organisationen wie Einzelpersonen erhielten dadurch Zugriff auf den in C geschriebenen Quellcode. Berkeley war unter den fraglichen Einrichtungen.

Der Zufall wollte es, dass Ken Thompson zu dieser Zeit eine Gastprofessur in Berkeley hatte. Der Mitschöpfer von Unix machte es deshalb zu seiner Aufgabe, gemeinsam mit Studierenden und anderen Wissenschaftlern den Basiscode zu verbessern. Die Grundlage für BSD war damit gelegt. Schnell entwickelte sich diese in den 1980er Jahren als Standardlösung für Workstation-Systeme - also besonders leistungsfähige Maschinen. Die BSD-Lizenz war (und ist) frei verfügbar. Zugleich stand das System in dem Ruf, stabil und zuverlässig zu laufen. Die Berkeley Software Distribution bot sich deshalb an.

Zudem brachte BSD einige zentrale Neuerungen:

  • Fast File System: schnelleres Dateisystem für Objekte mit langen Namen als in den vorherigen Varianten.
  • Socket-Schnittstelle: allgemeine Netzwerk-Programmierschnittstelle
  • virtuelle Speicherverwaltung.
  • Internetprotokoll-Netzwerkimplementierung.
  • Erweiterungen in C (neue Befehle, Signale und Daemons).

Ein Prozess verändert die Lage nachhaltig

Mitte der 1990er Jahre verklagten die zu AT & T gehörenden Unix System Laboratories (USL) eine wenige Jahre zuvor gegründete Firma namens Berkeley Software Design Inc. (BSDi). Diese vermarktete eine eigene BSD-Version zu einem günstigeren Preis als die USL. Sie wähnten Markenrechtsverletzungen und eine unerlaubte Übernahme ihres (also: des AT & T) Quelltextes.

Der Prozess brachte ans Licht, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall war. AT & T hatte BSD-Quelltext übernommen. Dies war zwar erlaubt. Allerdings hatte das Unternehmen die Urheberschaft von Berkeley entfernt - und dies war verboten. Es musste die Hinweise auf BSD wieder einsetzen. Und obwohl der Prozess zu Gunsten von BSDi endete, bedeutete allein die Klage doch das Ende. 1995 erschien mit Version 4.4.2BSDLite2 die letzte Variante der ursprünglichen BSD. Alle Nachfolge-Projekte verzichteten auf jeglichen AT & T-Quelltext.

Die wichtigsten BSD-Nachfolger

Die beiden ersten direkten Abkömmlinge waren NetBSD (1994) sowie FreeBSD. Letzteres erhielt aber sogleich eine weitere Abspaltung mit Namen OpenBSD. Verantwortlich war ein Zerwürfnis im NetBSD-Team. Microsofts SunOS basierte noch auf dem ursprünglichen BSD (Version 4.1) und behielt lange zentrale Code-Passagen. Ähnlich verhielt es sich mit NeXTSTEP - dieses System ist freilich unter seinem heutigen Namen deutlich bekannter: Mac OS. Apples Open Source-Pendant Darwin basiert entsprechend ebenfalls auf BSD.

Noch in der aktiven Entwicklung befindliche Nachfolger neben Mac OS sind:

  • Linux,
  • FreeBSD,
  • DragonFly (erst 2003 gestartet),
  • NetBSD,
  • OpenBSD (war zugleich ein Fortsetzungsprojekt für SunOS),
  • AIX (IBM-Distribution),
  • Solaris,
  • OpenSolaris,
  • HP UX.

Einige Projekte sind zudem eingestellt worden: Minix und OpenServer sind dabei die bekanntesten Beispiele. Code-Basis für die meisten Nachfolger ist nicht die letzte BSD-Version, sondern eine der Varianten 3.0 bis 4.1, die Anfang der 1980er Jahre erschienen.

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