Am 31. Juli hat die EU-Kommission einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen EU-Wirtschaft getan und die finalen European Sustainability Reporting Standards Set 1 veröffentlicht. Nun sind erstmals verbindliche Standards für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung klar.
Die Pflicht zum ESG-Reporting oder zur sogenannten Nachhaltigkeitsberichterstattung gilt ab 2024 für alle großen börsennotierten Unternehmen und ab 2025 auch für kleine oder mittlere Unternehmen.
Für viele Unternehmen dürfte das den Startschuss für eine sorgfältige Vorbereitung auf die Berichtspflicht bedeuten. Zuletzt war aber laut der CSR Benchmark der Unternehmensberatung und Agentur NetFederation GmbH bei CSR-Webseiten eine Stagnation oder Verschlechterung in den Punkten Transparenz, Kennzahlen und Fakten zu beobachten. Wichtige Informationen zu den Produktionsbedingungen, Lieferketten und Emissionen fehlen häufig sogar ganz. Die Unsicherheit, die bis dato durch das Fehlen verbindlicher Standards und Interpretationsspielräume in Unternehmen herrschte, war dabei sicherlich ein Faktor.
Jetzt gilt es, sich frühzeitig mit den neuen Standards vertraut zu machen und die Zeit bis zum Inkrafttreten der Berichtspflicht für eine umfassende Vorbereitung zu nutzen. Der Aufwand und die Komplexität dieses Prozesses werden häufig unterschätzt. In den nächsten ein bis drei Jahren – je nach Unternehmensgröße – dürfen sich Firmen noch Fehler erlauben, aus denen sie lernen können. Das ist eine wertvolle Chance.
Denn es sind nicht nur die komplexen Anforderungen, die eine Herausforderung darstellen, sondern auch das Datenmanagement. Oft werden die relevanten Daten an verschiedenen Orten gespeichert. Im Excel-Chaos kann es schwer sein, immer die richtigen und aktuellen Informationen ausfindig zu machen. Zudem ist ESG-Management ein relativ neues Feld mit wenig erfahrenen Fachkräften. Die Arbeit mit einem KI-basierten Tool, das die Daten automatisiert zusammenführt und auswertet, kann diese beiden Probleme lösen und ist somit der richtige Ansatz.
Standards treffen Realität: Herausforderungen und Lösungen im ESG-Datenmanagement
Welche Daten Unternehmen für ihren ESG-Bericht sammeln und auswerten müssen, ist nun dank der neuen Standards klar. Die Fragen, die es jetzt zu klären gilt, sind: Wie werden die Daten erhoben und wo werden sie gespeichert? Welche Stakeholder müssen dabei wie miteinbezogen werden? Antworten und damit Prozesse zu finden, die für alle Beteiligten einfach und zuverlässig umzusetzen sind, ist keine leichte Aufgabe. Da ist es wenig verwunderlich, dass noch im letzten Jahr 72 Prozent der Entscheidungsträger in Deutschland kein Vertrauen in die Daten hatten, die an die Stakeholder berichtet wurden, wie eine Umfrage von Workiva ergab.
Die Erhebung von Daten für den ESG-Bericht kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, abhängig von den spezifischen Anforderungen der Branche und den verwendeten Bewertungsmethoden. Typischerweise werden diese Daten aus internen Quellen wie Betriebsdaten, Personalberichten und Compliance-Aufzeichnungen sowie externen Quellen wie Marktanalysen und Branchenbenchmarks gewonnen. Hier spielen zwei Faktoren eine wesentliche Rolle für eine effiziente Nachhaltigkeitsberichterstattung: Zentralität und Automatisierung. Spezialisierte Softwarelösungen können dies gewährleisten. Durch die Einbindung interner und externer Datenquellen werden alle relevanten Daten an einer Stelle zusammengeführt. Aktualisierungen können in Echtzeit übernommen werden.
Die Analyse der Daten erfolgt mittels einer KI, die die wichtigen Informationen auswertet und übersichtlich in einem Dashboard bereitstellt. So kann einfach abgelesen werden, wo im Betrieb der größte Nachholbedarf bzw. das größte Potenzial zur Verbesserung der unternehmerischen Nachhaltigkeit liegt. Zukünftig ist an dieser Stelle auch der Einsatz von prädiktiver KI denkbar, die die Auswirkungen oder den ROI verschiedener Maßnahmen vorhersagen kann.
Viele Schritte, die Unternehmen aktuell umsetzen, sind gut gemeint, haben aber nur einen vergleichsweise geringen Effekt. Das führt auch dazu, dass Green-, Pink- oder Bluewashing-Vorwürfe unwahrscheinlicher werden, denn sowohl Stakeholder als auch die breite Öffentlichkeit fordern zunehmend mehr Einsatz und Verantwortungsbewusstsein von Unternehmen und hinterfragen Nachhaltigkeitsstrategien. Eine datenbasierte Strategie, um geeignete Maßnahmen zu identifizieren, bringt Unternehmen schneller voran und sorgt für die nötige Transparenz und Sicherheit, um den Anforderungen Dritter gerecht zu werden.
Berichterstattung auf Knopfdruck
Sind alle internen und externen Datenquellen angebunden, ist der Großteil der Arbeit getan. Smarte ESG-Programme können dann mit ein paar Klicks und innerhalb weniger Stunden automatisiert Berichte erstellen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die ESG-Berichtspflicht werden immer komplexer und umfangreicher – eine Entwicklung, die erst einmal fortschreiten wird.
Für die Verantwortlichen in Unternehmen ist die Arbeit mit einem spezialisierten Tool daher doppelt hilfreich. Sie können nicht nur den aufwändigen Prozess der Berichtserstellung automatisieren und damit erheblich Zeit einsparen und menschliche Fehler vermeiden, sondern können sich auch darauf verlassen, dass neue gesetzliche Anforderungen berücksichtigt werden.
Stand: 08.12.2025
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Automatisierte ESG-Tools als strategische Partner
Neben der Zeit- und Kosteneinsparung wirkt sich die höhere Aussagekraft durch einen automatisierten Prozess auch positiv auf die Kommunikation mit den Stakeholdern aus. Dazu gehören beispielsweise die einfachere Einbindung von Versicherungen oder Kreditagenturen, die Beziehung zu Investoren, die Kundenbindung und -gewinnung oder das Anwerben von Mitarbeitenden. Diese fordern einheitliche, übersichtlich aufbereitete Daten, die sie einfach verstehen können – oder erst einmal überhaupt verlässliche Daten. So kann ein transparenter Austausch auf Augenhöhe stattfinden.
Für eine sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategie ist es entscheidend, die einzelnen Zielgruppen miteinzubeziehen und ihre Bedürfnisse zu kennen. Um den Austausch noch weiter zu vereinfachen, sollten die Daten für die jeweilige Zielgruppe passend aufbereitet sein. Die Nutzung einer spezialisierten Software, die die individuelle Zusammenstellung und Aufbereitung ermöglicht, ist dafür das ideale Werkzeug.
* Über den Autor Markus Adler ist Co-Founder und Managing Director bei Code Gaia und unterstützt mit der gleichnamigen Sustainability-as-a Service-Plattform Unternehmen bei ihrer Nachhaltigkeitstransformation. Code Gaia vereint dafür smarte Technologie mit persönlicher Betreuung durch Nachhaltigkeitsspezialist:innen, um unternehmerische Nachhaltigkeit mess- und optimierbar zu machen. Die Idee kam aus Markus Adlers früherer Tätigkeit als Bankangestellter, in der er bemerkte, wie problematisch die manuelle Datenerhebung für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten ist.