Workplace Transformation Wie digitale Arbeitsplätze menschlicher werden

Ein Gastbeitrag von Lax Gopisetty* 4 min Lesedauer

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Rasch voranschreitende technologische Innovationen erhöhen die Nachfrage nach spezialisierten beruflichen Qualifikationen. Unternehmen müssen sich mit der sich ändernden Branchendynamik, den Verbraucherpräferenzen und neuen Technologien auseinandersetzen, um dauerhaft erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen.

Mit der (Weiter)Entwicklung digitaler Fähigkeiten dürfen die ausgezeichneten menschlichen Skills wie Kommunikation, Zusammenarbeit oder Empathie nicht verkümmern.(Bild:  Photocreo Bednarek - stock.adobe.com)
Mit der (Weiter)Entwicklung digitaler Fähigkeiten dürfen die ausgezeichneten menschlichen Skills wie Kommunikation, Zusammenarbeit oder Empathie nicht verkümmern.
(Bild: Photocreo Bednarek - stock.adobe.com)

Gleichzeitig gibt es immer neue Vorschriften und ein sich veränderndes geopolitisches Umfeld, mit dem es Schritt zu halten gilt. Der Future of Jobs Report 2020 des Weltwirtschaftsforums (WEF) hatte bereits vorausgesagt, dass bis 2025 die Hälfte aller Arbeitnehmer aufgrund des technologischen Fortschritts umgeschult werden muss. Tatsächlich prognostizierte der Bericht, dass ein Drittel aller wesentlichen Qualifikationen im Jahr 2025 technologische Kompetenzen erfordern, die 2020 noch nicht als entscheidend galten.

Folglich müssen die Arbeitnehmer ihre Fähigkeiten verbessern (auf-, neben- oder umqualifizieren), um in der modernen digitalen Wirtschaft bestehen zu können. Der Schwerpunkt hierfür liegt dabei auf menschlichen (Soft Skills) sowie auf digitalen Fähigkeiten. Mitarbeiter müssen nachweisen, dass sie die neuen Tools, Software und Plattformen beherrschen und gleichzeitig Maßnahmen ergreifen, um ihre Soft Skills wie Kommunikation, Zusammenarbeit, Empathie, Entscheidungsfindung und kognitive Fähigkeiten zu stärken sowie Vorurteile zu reduzieren.

Im WEF-Bericht zur Zukunft der Arbeitsplätze 2023 heißt es dazu: „Während Maschinen und Algorithmen viele sich wiederholende Aufgaben automatisieren können, wird die Anzahl der Jobs, die menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, Zusammenarbeit, Kommunikation, Problemlösung und Einfühlungsvermögen erfordern, weiter zunehmen. In der Tat findet derzeit ein Umdenken in Unternehmen statt, da sich der Schwerpunkt verlagert: von der Digitalisierung der menschlichen Welt zu einer menschlicheren digitalen Welt.

Menschlichere digitale Arbeitsplätze schaffen

Der Softwarebereich treibt die digitale Welt voran. Maschinen können zwar Aufgaben, die technische Fähig- und Fertigkeiten erfordern, übernehmen. Jedoch sind sie nicht in der Lage, selbst zu denken. Fähigkeiten, die für Aufgaben wie Ideenfindung, Design, Ästhetik, Lösungs- und Entscheidungsfindung erforderlich sind, unterscheiden Menschen grundlegend von der künstlichen Intelligenz (KI).

Während KI, Automatisierung und maschinelles Lernen also in eine Richtung gehen, müssen Mitarbeiter mehr Zeit in Soft Skills investieren. Idealerweise sollte der Fokus hier mehr auf das Thema Problemlösung gerichtet sein. Dazu gehören große Herausforderungen, die eine nachhaltige Auswirkung haben, beispielsweise Präzisionsmedizin, Abfallentsorgung und die Verfügbarkeit von sauberem Wasser. Hier wird die Technologie genutzt, um ein besseres Leben und bessere Gemeinschaften zu schaffen – und so die digitale Welt menschlicher zu gestalten.

Übergang von regelbasierten zu rollenbasierten Jobs

Die traditionellen Rollen von Entwicklern, Integratoren, Testern, Modellierern und Programmierern, die auf reinem technischem Können beruhen, gehören mit zunehmendem Automatisierungsgrad der Vergangenheit an. Regelbasierte Tätigkeiten, bei denen Menschen vorhersehbare Anweisungen und Rahmenbedingungen befolgen, werden durch Automatisierung ersetzt, und zwar auf der untersten Ebene der Arbeitspyramide. Generative KI übernimmt so beispielsweise einen Teil der Codierungsarbeit.

Ergebnisorientierte rollenbasierte Aufgaben übernehmen entsprechend traditionelle regelbasierte Aufgaben. Diese nutzen das menschliche Element und technische Fähigkeiten, um relevante und verantwortungsvolle Ergebnisse zu liefern. Dazu gehören beispielsweise Jobs von (Security-)Designern, Prompt-Entwicklern und Chatbot-Koordinatoren. Hier stehen Qualitäten wie Kreativität und künstlerische Fähigkeiten im Mittelpunkt, die üblicherweise eher mit der rechten Gehirnhälfte in Verbindung gebracht werden. Rollenbasierte Berufe, die datengesteuertes Design, Benutzeroberflächendesign und menschenzentriertes Design umfassen, lassen sich nur erlernen, wenn Mitarbeiter diese Situationen erleben.

Vorsprung in einer sich verändernden Welt

Es hat sich gezeigt, dass sich die Definition von Jobs in der digitalen Arbeitswelt verändert. Unternehmen, die eine Lernkultur schaffen und Wert auf berufliche Entwicklung und kontinuierliches Lernen legen, haben einen Wettbewerbsvorteil. Die Lernmethoden entwickeln sich von der Weitergabe von Informationen und dem Selbststudium hin zum perspektivischen, erfahrungsbasierten und experimentellen Lernen. Dies fördert ein Gleichgewicht von Wissen und Bewusstsein, um relevante Auswirkungen zu erzielen.

Mitarbeiter, die sich mit den neuesten Technologien auskennen, können innovative Ideen und Lösungen beisteuern. Diese fördern dann die Entwicklung effizienterer Prozesse, besserer Produkte oder Dienstleistungen und besserer Kundenerfahrungen. Zusammen genommen hilft das Unternehmen, sich auf dem Markt abzuheben. Infosys Springboard, ein Programm zur Förderung der digitalen Kompetenz, unterstützt beispielsweise Schüler und Studenten von der Vorschule bis hin zum lebenslangen Lernen. Es vermittelt ihnen kostenlos digitale und lebenspraktische Fertigkeiten durch kuratierte Inhalte und Interventionen. Das Programm konzentriert sich dabei auf drei Bereiche: „Reskill and Rewire“, „Empower and Excel“ und „Innovate and Ignite“. Zu Beginn dieses Jahres hat Brent Council, ein Londoner Bezirksrat, die Zusammenarbeit mit Infosys ausgeweitet, um kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort kostenloses digitales Lernen zu ermöglichen, indem Fähigkeiten verbessert und der Zugang zu digitaler Bildung erweitert wird.

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Der Aufstieg der „qualifizierten“ Arbeitskräfte

Die Schlüsselfertigkeiten, auf denen der digitale Arbeitsplatz in Zukunft aufbaut, beruhen auf menschlichen Kernkompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Agilität, Empathie, kritischem Denken und Positivität. Die Mitarbeiter müssen lernen, in einem Ökosystem mit gemeinsamen Werten zu arbeiten, anstatt als Einzelpersonen einen Beitrag zu leisten. Dieser Trend führt dazu, dass an die Stelle von Arbeitern oder Büroangestellten eine neue Art von Arbeitskräften mit bestimmten Fähigkeiten tritt.

Da immer mehr Branchen eine technologische Dimension annehmen, ist der Mitarbeiter mit den passenden Fähigkeiten derjenige, der sowohl über die technischen Fähigkeiten verfügt, um mit digitalen Technologien zu arbeiten, als auch über die menschlichen oder menschenzentrierten Fähigkeiten. Diese Angestellten sind damit in der Lage, mit einer Reihe neuer Softwarekompetenzen umzugehen, die den Kern der digitalen Wirtschaft bilden.

In Zukunft müssen sich Unternehmen darauf konzentrieren, bestehende Mitarbeiter zu qualifizierten Angestellten umzuschulen. Diese tragen dann dazu bei, die digitale Welt menschlicher zu gestalten, indem sie zu einer rollenbasierten Ausführung von Aufgaben übergehen.


* Der Autor Lax Gopisetty ist Vice President, Global Practice Head for Microsoft Business Applications & Digital Workplace Services bei Infosys.

Bildquelle: Infosys

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