Virtualisierung für kleine und kleinste Unternehmen

Server-Virtualisierung von Microsoft und VMware – Teil 1

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Was nimmt man aus dem Produkt-Wirrwarr heraus?

Die Virtualisierung erfolgt über einen Hypervisor, der vergleichbar mit einem Minikernel ist. Dieser kleine Kern kann wenig Verwaltung, weshalb man ihn auch gerne kostenfrei anbieten könnte. Eine Verwaltung der Hypervisoren und virtuellen Server ist jedoch unbedingt notwendig.

Einen anderen Weg gehen Virtualisierungsprodukte „alter Technologie“, die ein Betriebssystem als Host benötigen – die so genannte Hosted Architektur. Firmen, wie Microsoft und VMware bieten diese Produkte kostenfrei an (siehe Vergleichstabelle).

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Lizenzenzkosten

Möchte man fairerweise ein VMware-Server-Essentials-Paket mit dem Microsoft Pendant vergleichen, müsste man eine adäquate Verwaltung mit einbeziehen. Da käme System Center Virtual Machine Manager 2008 R2 (VMM 2008) in der Workgroup Edition in Frage. Die Version ist begrenzt auf die Verwaltung von maximal fünf physischen Hosts. Die Lizenz für den Management Server ist bereits enthalten und wurde im Internet schon für etwa 500 Euro zzgl. Mehrwertsteuer gefunden, was von den Kosten her etwa vergleichbar mit den VMware Essentials wäre.

Die nächste höhere VMware-Version kommt schon mit einer Hochverfügbarkeitslösung daher, die man da schon mit einer Hyper-V/MS Cluster-Lösung vergleichen müsste. Hier wären wir schon im Bereich mehrerer Tausend Euro.

Hardware

Da dieser Artikel die kleinen Unternehmen im Fokus hat, wird auf eine kostenbewusste Ausstattung geachtet. Mit begrenztem Budget und dennoch ordentlicher Konzeption kann auf einen handelsüblichen Server mit einem Mehrprozessor-Board und CPUs mit 4 oder mehreren Kernen zurückgegriffen werden. Der Datenspeicher sollte für Datenbanken aus Performancegründen ein RAID 1 oder RAID 10 sein. RAID 5 würde auch funktionieren, ist aber langsamer. Eine unabhängige Stromversorgung und ein geeigneter Stellplatz sollten vorhanden sein. Der Server sollte nach heutigem Stand zudem mehr als 16 GB Arbeitsspeicher und noch einige freie Speicherplätze besitzen.

Es sei auch erwähnt, dass die CPU Virtualisierung (z.B. Intels VT oder Pendant von AMD) auch unterstützen muss. Über die so genannte Second Level Address Translation (SLAT) reduziert sich die Speicherausnutzung. Bei AMD Prozessoren ab Opteron (Codename Barcelona) heißt diese Prozessorfunktion Rapid Virtualization Indexing (vormals Nested Page Tables) und bei Intel ab der Xeon 55xx-Reihe Extended Page Tables (EPT).

Ein „alter“ Server könnte funktionieren, wird aber nicht effektiv sein. Microsoft schreibt für seine Virtualisierung ein Windows Server 2008 mit 64 Bit vor. Bei VMware gibt es eine detaillierte Hardware Compatibility Liste (HCL), die genau vorschreibt, welche Hardware mit ESX/ESXi funktioniert. Hier kann nur der Rat gegeben werden, vor Projektbeginn die Hardware speziell für VMware ESX/ESXi zu erwerben. Viele namhafte Serverhersteller bieten hier kompatible Produkte für VMware an.

Ebenfalls bedenken sollte man, dass es auch Server gibt, die wegen besonderer Hardwareschnittstellen (Telefon, aktive ISDN-Karten, Steuerungskarten, etc.) generell nicht virtualisiert werden können.

Macht Virtualisierung langsamer?

Vergleicht man virtuelle Hosts mit ihren nativen Pendants, dann sprechen Hersteller wie Microsoft von einem Leistungsunterschied von zwei bis drei Prozent zu Ungunsten der virtuellen Maschinen. Anders ausgedrückt, der Leistungsverlust ist minimal.

Hypervisor und VM-Bus

Laut Microsoft arbeitet der Hyper-V-Server über einen VM-Bus und einen Hypervisor. Die so genannte Root-Partition, die mit dem VM-Bus kommuniziert ist jedoch obligatorisch! Weitere virtuelle Maschinen laufen dann in einer untergeordneten Partition (Child-Partition). Nun sollte man meinen, dass bei einem gemeinsamen Hypervisor aber getrennten Partitionen ein Neustart der Root-Partition keinen Einfluss auf das Gesamtsystem hätte. Das ist aber nicht der Fall. Fällt die Root-Partition aus, dann fallen auch alle virtuellen Maschinen aus. Somit hätten wir den gleichen Fall, wie bei einer Hosted-Architektur. Fällt der Host aus, ist es auch um die virtuellen Maschinen geschehen.

Bei VMware ESX 4.1 existiert mit dem Hypervisor ein Linux-Derivat, das für die Verwaltung zuständig ist. Diese Service Console ist im ESX 4.1 (ohne „i“) integriert. Wenn die integrierte Console aktualisiert wird, muss auch der ganze Host, wie bei Hyper-V, heruntergefahren werden. Der ESXi 4.1 (mit „i“) hat diese Console daher nicht mehr im VMKernel integriert. Für die Verwaltung ist jetzt ein vCenter Client notwendig, der auf einem Administrator-Client (Microsoft Windows) installiert werden muss. Der neue kleine VMKernel kann robuster gestaltet werden und verträgt nach VMware-Angaben auch ein hartes Ausschalten.

Fazit

Vor der Virtualisierung muss die geeignete Hardware ausgewählt werden. Anwender, die generell keine Investition tätigen wollen, können auf eines der kostenfreien Produkte beider Hersteller zurückgreifen. Zum Testen von Produkten ist dies ohnehin ideal und zu empfehlen.

Die kostenfreien Produkte erlauben aber keine wirklich gute und ausfallsichere Verwaltung. Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich auch nicht so genau ins Maul. Hyper-V und Hypervisor verrichten im Rahmen ihrer Möglichkeit ihre Arbeit erstaunlich gut, wie der zweite Teil zeigen wird. Auch dort stehen alle Aspekte wieder im Fokus kleiner- und kleinster Unternehmen mit begrenztem Budget.

weiter mit Teil 2

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